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MoneyTalks

Warum du beim Anlegen nicht alle Eier in einen Korb legen solltest

Was ist Diversifikation? Wie du mit Vielfalt beim Anlegen auch mit kleinen Beträgen deine Rendite steigern und dein Risiko minimieren kannst.
28.10.2021, 14:05
Olga Miler
Olga Miler
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Beim letzten Workshop zum Investieren in Aktien fragte ein Teilnehmer: «Warren Buffet z.B. setzt aber weniger auf Diversifikation, mehr auf fokussiertes Anlegen». Das stimmt natürlich, Warren Buffet hat einen Home-Bias für die USA, macht aber seit Jahren den ganzen Tag auch nichts anderes, als sich mit Anlegen zu beschäftigen, und schaut man genauer hin, dann werden auch da nicht alle Eier in einen Korb gelegt. Dass man beim Anlegen nicht alles auf eine Karte setzen soll, ist weitgehend bekannt, aber wie funktioniert «Diversifikation» eigentlich, was für Möglichkeiten und Modelle gibt es, vor allem auch mit kleineren Beträgen? Hier ein paar Gedanken und Tipps dazu.

Was ist Diversifikation?

Es gibt unterschiedliche Arten von Diversifikation, im Finanzbereich wird darunter verstanden, dass Geld auf verschiedene Anlageformen, Märkte, Branchen, Währungsräume verteilt wird. Wenn z.B. eine Anlage gerade nicht so gut abschneidet, kann dies durch eine andere aufgefangen werden, die dann gerade eine gute Rendite abwirft. Durch diese Mischung vermindert man das Ballungsrisiko, das entsteht, wenn man z.B. nur auf ein Unternehmen oder eine Branche oder Land setzen würde.

Ziel bei der Diversifizierung ist nicht nur, die Rendite zu steigern, sondern eine effiziente Mischung aus Rendite und dafür in Kauf genommenes Risiko zu erreichen. Anders formuliert, soll entweder für ein gegebenes Risiko die Rendite maximiert oder für eine angestrebte Rendite das Risiko minimiert werden. Dafür betrachtet werden in der Theorie drei Faktoren: zukünftige Rendite, die Schwankungsbreite der Rendite als Ausdruck des Risikos und die Entwicklung der Anlagen zueinander (Korrelation). In der Praxis kann man die Anlagen auf ganz unterschiedliche Arten diversifizieren, z.B.:

  • Anlageklassen, z.B. Aktien, Obligationen, Immobilien, Rohstoffe, Kryptowährungen, Bargeld etc.
  • Märkte
  • Branchen
  • Währungen
  • Länder
  • Zeitraum
  • Anbieter

Das Konzept geht auf den Ökonomen und Nobelpreisträger Harry Markowitz zurück, welcher 1952 mit seinem Papier «The Portfolio Selection» im Journal of Finance die theoretischen Grundlagen beschrieben hat und später für seine Arbeit zur Modernen Portfolio Theorie (MPT) den Nobelpreis erhielt. Für alle, welche dies im Detail nachlesen möchten – das Buch heisst: «Portfolio Selection. Die Grundlagen der optimalen Portfolio Auswahl», FinanzBuch Verlag.

Theorien und Modelle

Der grösste Knackpunkt an den theoretischen Modellen ist das Schätzproblem: Es wäre Zufall, heute die zukünftig erwarteten Renditen richtig zu schätzen. So gibt es eine Reihe von weiteren Theorien, welche versuchen, dies zu umgehen, z.B. das Separationstheorem von Tobin, das besagt, dass in der Theorie AnlegerInnen nur 2 Portfolios brauchen, ein risikoloses und ein risikobehaftetes. Oder das Capital Asset Pricing Modell (CAPM) von William Sharpe, welches rät, die risikoreichen Anlageklassen ins Verhältnis ihrer Marktwerte zu setzen. Machen beispielsweise Aktien 50% aller globalen Vermögenswerte aus, so sollte das sogenannte Marktportfolio ebenfalls aus 50% Aktien bestehen.

So interessant all diese Modelle auch sein mögen, in der Praxis sind sie wegen der Schätzfehler alle eher schwer anwendbar. Praktischer scheint das naive oder gleichgewichtete Portfolio (1/N Portfolio), welches nichts anderes besagt, als dass man sein Geld auf verschiedene Anlageklassen gleichgewichtig verteilen kann und damit Resultate erzielt. Untersucht wurde dies von Robert und Richard Michaud (Efficient Asset Management – A practical guide to stock portfolio optimization), aber auch anderen Ökonomen.

So beschreibt Klaus W. Wellershoff in seinem Buch «Plädoyer für eine bescheidenere Ökonomie» diesen Ansatz und testet in seinem Experiment ein 1/6 Portfolio gegen die wichtigsten Strategiefonds der grössten Schweizer Banken der Risikokategorie «ausgewogen» retrospektiv über einen Zeitraum von 27 Jahren. Das Resultat ist interessant: Im getesteten Zeitraum hat das naive Portfolio eine um «60% höhere Rendite eingespielt, wobei der maximale Einbruch in der Finanzkrise bei 16% im Vergleich zu den 29% des Industriedurchschnitts betragen hatte» (Plädoyer für eine bescheidenere Ökonomie, S. 183)

Wichtig ist, dass diese naive Methode natürlich auch Nachteile hat, so wird bei der Gleichaufteilung z.B. dem individuellen Risikoprofil keine oder nur wenig Rechnung getragen und man muss natürlich auch die passenden Anlageklassen wählen – im Beispiel waren dies Schweizer Obligationen, Immobilien, Aktien und Geldmarkt zusammen mit Aktien und Obligationen aus dem Rest der Welt.

Home Bias

Egal welches Modell man wählt, nicht alle Eier in den gleichen Korb zu legen scheint sinnvoll und kann helfen, das Risiko zu minimieren und die Rendite zu steigern. Als einer der häufigen Anlagefehler wird somit auch der sogenannte «Home-Bias» genannt, welcher dazu führt, dass wir vorzugsweise in Unternehmen im eignen Land investieren, oder nur in Branchen und Sektoren, die uns bekannt sind. So haben Studien von UBS gezeigt, dass z.B. unsere Pensionskassen einen durchschnittlichen Anteil an Schweizer Aktien von 30% aufweisen. Allerdings sieht es im Ausland bei den Pensionskassen auch nicht viel diversifizierter aus.

Spannend ist, dass die Schweiz gerade für diesen häufig beschriebenen Anlagefehler eine Art Sonderfall darstellt. In ihrer Studie «Die Schweiz ist Trumpf» zeigt die Raiffeisenbank, dass ein heimisches Portfolio in der Corona-Krise resistenter abgeschnitten hat. Als Modell vergleichen wir ein Schweizer Muster-Portfolio mit einem globalen. Beide bestehen zu gleichen Teilen aus Aktien und Anleihen und zeigen beim Vergleich seit 2008 in Schweizer Franken eher geringe Renditeunterschiede: Das Schweizer Portfolio verbuchte ein Plus von rund 64% (+3,91% p.a.), das globale Portfolio einen Zuwachs von 58% (+3,59% p.a.).

Gründe für diesen Sonderfall sind vor allem die Robustheit des Schweizer Frankens v.a. auch in Krisenzeiten sowie die globalen Unternehmen im Swiss Performance Index, in welchem viele Weltmarktführer enthalten sind, welche einen grossen Teil ihres Geschäftes im Ausland abwickeln. Da es bei der Diversifizierung aber nicht nur um Rendite geht, sondern auch darum, das Risiko zu mindern und allenfalls zukünftige Chancen wahrzunehmen, würden einem reinen Schweizer Portfolio wichtige Branchen wie z.B. die Technologieunternehmen, E-Mobilität etc. fehlen. Zudem hat man wegen der Dominanz der grossen wie Nestlé und Roche allenfalls Ballungsrisiken.

Wie du’s anpacken kannst

Wie man sieht, ist es mit der Diversifikation nicht ganz so einfach und ein Allgemeinrezept gibt es nicht, da dies immer auch zur persönlichen Situation und zum Risikoprofil passen sollte. Nach all der Theorie hier ein paar ganz praktische, nicht abschliessende Tipps:

  • Wenn du mit Einzelaktien anlegst: Studien haben gezeigt, dass ca. 15-30 Titel ausreichend sind, danach hat der Diversifikationseffekt nur noch eine geringfügige Wirkung.
  • Gold: wirkt stabilisierend, grundsätzlich empfohlen wird ca. 10% des Portfolios, da Gold neben Nachhaltigkeit auch andere Nachteile wie Lagerung hat und selbst nur durch die Preisschwankung einen Wertzuwachs erfährt.
  • Kryptowährungen: Studien haben gezeigt, dass eine Beimischung von Bitcoin eine positive Wirkung haben kann und interessanterweise nicht mit anderen Anlagekategorien korreliert. Für alle, die auf Krypto setzen: Gegenwärtig ist die Empfehlung ca. 1-5%.
  • Fonds/ETFs: sind i. d. R. bereits diversifiziert, wichtig ist hier, die 10 grössten Positionen und die Länderkomposition anzuschauen und zu sehen, ob nicht ungewollte Ballungsrisiken bestehen. Bei thematischen Fonds ist es wichtig, nicht nur auf kurzfristige Trends zu setzen, sondern für die langfristige Anlage entweder Satelliten dazu zu nehmen oder auf breit abgestützte Entwicklungen zu setzen. Bei kleinen Beträgen kann auch ein Welt-ETF eine einfache und diversifizierte Investition sein.
  • Wem die Suche und Verwaltung zu mühsam ist, kann auch einen Robo-Advisor nutzen, dessen Aufgabe ist es, mit Hilfe von Technologie und den eigenen Angaben ein möglichst optimales Portfolio zusammen zu stellen. Dafür bezahlt man zwar eine Gebühr, muss sich dann aber nicht mit Recherche und Verwaltung bemühen.
  • Kosten im Blick behalten: Bei allen Anlagen ist es wichtig, die Kosten mit zu berücksichtigen. Alle Bemühungen, diversifiziert anzulegen, nutzen nicht, wenn ein Grossteil der Rendite durch Kosten konsumiert wird.

Wie man sieht, gibt es auch bei der Diversifikation keine einzelne, allein selig machende Lösung, sondern unterschiedliche Wege, die zum Ziel führen. Auf welche Methoden setzt ihr, um eure Anlage optimal aufzustellen? Ist es Welt-ETF, setzt ihr auf Schweiz, oder bevorzugt ihr gewisse Branchen, Länder, Modelle und Theorien?

bild: zvg
Olga Miler ...
... war über zehn Jahre in verschiedenen Funktionen bei der UBS tätig, unter anderem hat sie dort das Frauenförderungsprogramm und den UBS Gender ETF aufgebaut. Jüngst gründete sie das Start-up SmartPurse, eine Plattform, auf der sie digitale Kurse und Workshops zum Thema Finanzen für Frauen anbietet. Letztes Jahr schrieb Miler den watson-Blog «Frauen und Geld» und wird uns dieses Jahr mit «MoneyTalks» an ihrer Expertise teilhaben lassen.
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