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Roma werden zum Problem, Probleme werden zur Plage – und die Medien sind «mittendrin»

Drei Geschichten aus der schönen neuen Medien-Welt, die quasi mit spitzer Feder (und ganz viel Liebe) in die Tastatur gehackt worden sind. Warum? Zur Erbauung des Lesers (und zum Abbau von Stress beim Autor).



Hier raubt der Roma noch selbst

Eine fromme Weisheit aus der Bibel – oder war es doch der Volksmund? – besagt: Wer es hat zuerst gerochen, dem ist es aus dem Arsch gekrochen. Eigentlich dreht es sich dabei um Flatulenzen, also die Absonderung unangenehmer Gerüche, doch sie passt auch ideal zu einer aktuellen Geschichte des «Blick». Sie heisst «Hunderte Roma feiern Hochzeit – Nürensdorf stinkt's». 

«Hoppla», mag der eine oder andere Leser denken: Sagt das Ringier-Blatt hier ganz offen, dass man keine Lust auf (feiernde) Fahrende hat? Natürlich nicht! Und um «Blick»-Meinungsmache geht es ja auch gar nicht! Nein, die Kollegen haben EINEN RENTNER gefunden, der entsetzt ist, dass ein Nürensdorfer Bauer so mir nichts dir nichts SEIN EIGENES FELD vermieten darf und DANN AUCH NOCH ROMA zugreifen. Das geht nun wirklich nicht! 

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Das geht nun wirklich nicht? Tolle Idee! YouTube/kinder Überraschung - das Ü-Ei

Opfer Bruno E. ist 64 Jahre alt, hat einen Hund und SO EINEN HALS, weil er im Wald Müll gefunden hat. Natürlich hat der wütende Bürger Anzeige erstattet. Und der «Blick» erwähnt sogar, dass die Roma sowohl beim Bauer, dem das Feld gehört, als auch bei der Gemeinde eine Kaution hinterlegen mussten. Dennoch schreibt «Blick»: «Die Fahrenden haben die Behörden kalt erwischt.» Hääähhh??? 

Na gut, die Kollegen notierten ja auch: «Vergangenen Donnerstag fuhren etwa 70 Wohnwagen in die Ortschaft Nürensdorf und formierten sich in der Landwirtschaftszone zu einem Camp.» Haha, diese Indianer! Aber das dicke Ende kommt noch: «Trotz Toi-Toi-WC werden die menschlichen Fäkalien an den Waldrändern deponiert.» Iiiih! DIESE BARBAREN!

So schlimm hausen die Roma

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So schlimm hausen die Roma
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Dennoch haben wir da eine ganze Menge gelernt! Wir fassen zusammen: 
1.) Schweizer Rentner wie Bruno und sein Hund können eine Gruppe bilden.
2.) Fahrende haben Behörden überrollt. Muhahaha!
3.) Wohnwagen rotten sich zusammen, formieren Camps.
4.) Die Roma machen sich erst ins Hemd und tragen dann alles zum Waldrand, um es auf hinterlistige Art und Weise zu deponieren. HEIMATLAND!
5.) Wo kommen wir denn da hin, wenn Bauern mit ihrem Land machen, was sie wollen? (Gilt nicht für Schwinger- und Schlagerfeste IMFALL) 

PS: 20 Minuten hat auch Blut geleckt und ist auf den Fahrenden-Zug aufgesprungen. Ganz gewieft haben die Kollegen einen 15-Jährigen befragt. Der weiss zu berichten: «Viele Anwohner sind in den Ferien und besorgt um die Sicherheit ihres Hab und Guts.» Wow! Das ist ja mal gar nicht suggestiv ... Raubt einem doch glatt den Schlaf. Der Roma, versteht sich!

Die Schweizer Problem-Plage

Und wenn wir schon bei tendenziöser und unnötiger Skandalisierung sind, müssen wir nochmals kurz über das Zürcher «Tagblatt» reden. Früher war es normal, dass zu bestimmten Jahreszeiten bestimmte Tiere Rudelbildung betreiben und nerven. Heute werden solche Vorgänge flugs als Plage deklariert, wie das «Tagblatt» mit seinem aktuellem Titelbild zur «Wespenplage» furchteinflössend verdeutlicht. 

Wespenplage Titelseite «Tagblatt der Stadt Zürich», 22.07.2015

So grosse Wespen sieht man normalerweise wirklich nicht! Bild: watson

Und dabei hatte das «Tagblatt» erst in der Vorwoche einen skandalösen Trend schonungslos offengelegt: «Immer öfter blockieren stoische Gangsitzer im ÖV den Zugang zum freien Fensterplatz.» Dank «einiger Leserbriefe» sind die Kollegen auf dieses Problem aufmerksam geworden und haben sich der Sache schnurstracks angenommen. 

Mir ist vorher gar nicht aufgefallen, dass wir so viele Probleme haben. Man muss vielleicht schon von einer Problem-Plage sprechen. Und das Gang-Problem plagt mich besonders: Wie kann es sein, dass so genannte «Gang-Sitzer» jungen Menschen den Eintritt in eine Gang verwehren? Haben wir nicht alle ein Recht, uns zusammenzurotten, wie es die Wohnwagen von Nürensdorf tun? Apropos: Sind vielleicht die Roma schuld? Bestimmt! Ich bin schon mal gespannt, welches Problem nächste Woche auf der «Tagblatt»-Agenda steht. Nicht, dass wieder jemand nicht in die Gänge kommt. Hihi! 

Übrigens: Ich lese immer öfter, dass immer weniger Behauptungen durch Fakten belegt werden, dafür aber immer häufiger schwammige Begriffe eingesetzt werden, die immer mehr nerven! Und vielen fällt das gar nicht auf! 

Jeeehaw-Jihad

Endlich eine Antwort auf den IS! Sie heisst: CS! Wir dürfen nicht den Fehler machen, den Islamisten das ganze Feld zu überlassen. Wenn sich Jugendliche von der Gesellschaft verkannt fühlen und kämpfen wollen, bitteschön! Aber dann soll das Blut auch im Namen Jesu Christi fliessen, und nicht für irgendeinen hergelaufenen Araber, der erst nicht lesen kann und dann gleich einen ganzen Koran niederschreibt. Solch blumige Legenden stricken wir selbst viel christlicher, also besser. Und deshalb haben wir gestern beim Bier in Zürich den Christlichen Staat (CS) ausgerufen. 

ARCHIV - Das Logo der Schweizer Grossbank Credit Suisse und die Schweizerflagge, aufgenommen am Freitag, 1. August 2014, in Zuerich. - Die Credit Suisse hat im dritten Quartal einen Reingewinn von 1,025 Mrd. Franken erzielt. Damit hat die Grossbank den Gewinn gegenueber dem schwachen Vorjahresquartal deutlich steigern koennen. Zum guten Ergebnis hat vor allem das Investmentbanking beigetragen. Mit diesem Ergebnis hat die Credit Suisse (CS) die Erwartungen der Analysten deutlich uebertroffen. Gemaess einer Umfrage der Finanznachrichtenagentur AWP sind sie im Schnitt von einem Konzernergebnis von 888 Mio. Franken ausgegangen. Im 3. Quartal 2013 hatte die CS einen Gewinn von 454 Mio. Franken erreicht. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Die CS-Gründung in der Schweiz war nur von kurzer Dauer. Bild: KEYSTONE

Der Vorschlag, das Ganze «Catholic State» zu nennen, wurde umgehend zurückgewiesen. Das CS-Prinzip besagt, dass möglichst radikale Splittergruppen in die Führungsspitze aufgenommen werden, die die grossen Strömungen an der Basis in Schach halten und sich gegenseitig möglichst misstrauen. Kennt man von Jassir Arafat, der mehrere Geheimdienste aufgebaut hat, die sich gegenseitig überwacht haben. So kann unser neu formiertes «Kardinat» ganz nach unserem eigenen Gusto geführt werden – nämlich willkürlich! 

Dass es da auch Kritik geben kann, haben wir einberechnet. Doch die der CS wird derlei Einwände einfach weglachen oder – falls die Mahnungen aus den USA kommen – wegzahlen. Wunsch-Kandidaten für Top-Posten im Kardinat: Sepp-Josef Blatter als Entwicklungsminister, Wolfgang «Wolle» Schäuble als Kettenhund, Irina «Ewwwww» Beller als Frauen-Beauftragte, Wladimir Putin als «lupenreiner Demokrat», Barack Obama als «der ehrliche Makler» und Marine «Jeanne D'Arc für Arme» Le Pen als Kommunikationsministerin. 

Doch bevor der Jesus-Jeehaw-Jihad richtig losgehen kann, macht Redaktionskollege Dani Huber alles kaputt. Sein Einwand ist berechtigt: Es gibt den CS schon. Er ist 0,44 Quadratkilometer gross und nennt sich Vatikan. Mist!

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