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«Personenzentrierte Kultur»: Die Bank Raiffeisen unter Pierin Vincenz.
«Personenzentrierte Kultur»: Die Bank Raiffeisen unter Pierin Vincenz.Bild: KEYSTONE

Erdbeben bei Raiffeisen: 6 Dinge, die du zum Gehrig-Bericht wissen musst

Die Bank Raiffeisen hat heute ihren Bericht über das Geschäftsgebaren unter Ex-CEO Pierin Vincenz veröffentlicht. Mit Folgen.
22.01.2019, 08:3522.01.2019, 14:55

Lange wurde er erwarter, jetzt ist er da: Der Gehrig-Bericht, mit dem die Raiffeisen Bank den Fall Vincenz aufarbeiten will. Und das musst du dazu wissen:

Um was geht es eigentlich?

Die Untersuchung unter der Führung des Wirtschaftsprofessors Bruno Gehrig befasste sich mit den Beteiligungsgeschäften, die Raiffeisen Schweiz und ihre Töchter seit 2005 unter dem ehemaligen Chef Pierin Vincenz gekauft hatten. Der langjährige Chef der Bankengruppe soll bei Firmenübernahmen der Kreditkartengesellschaft Aduno und der Investmentgesellschaft Investnet ein Doppelspiel gespielt und persönlich abkassiert haben. Aduno reichte im Dezember 2017, Raiffeisen im Februar 2018 Anzeige gegen Vincenz ein.

Die Zürcher Oberstaatsanwaltschaft ermittelt gegen den früher noch gefeierten Raiffeisenchef wegen möglicher ungetreuer Geschäftsbesorgung.

Zu welchem Schluss kommt der Bericht?

Nun, Gehrig fand keine Nachweise, dass Vincenz oder andere ehemalige oder aktuelle Organe von Raiffeisen sich strafrechtlich relevant verhalten oder persönlich bereichert hätten, schreibt die genossenschaftlich organisierte Bankengruppe in einer Mitteilung. Zu beachten ist allerdings: Sachverhalte, die bereits Gegenstand eines Strafverfahrens sind, waren von der Untersuchung ausgenommen.

Das ist schon alles?

Nein. Gehrig stellte fest, dass der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung bei ihrer Führungsarbeit gravierende Mängel aufgewiesen hätten. Dies in Bezug auf die Diversifikationsstrategie, bei der Vincenz zahlreiche Unternehmen zugekauft hatte.

Zwischen 2012 und 2015 baute Raiffeisen Schweiz durch Zukäufe von Beteiligungen neue Geschäftsbereiche im Wert von über einer Milliarde Franken auf. Durch mangelnde Führung und Kontrolle, organisatorische Versäumnisse und eine personenzentrierte Kultur seien finanzielle Nachteile, vor allem aber ein Reputationsschaden für die ganze Gruppe entstanden.

Hat das Konsequenzen?

Ja. Drei Geschäftsleitungsmitglieder nehmen den Hut: Gabriele Burn und Beat Hodel haben am Vortag per sofort ihre Funktionen abgegeben. Paulo Brügger hat ebenfalls per sofort seinen Rücktritt als Mitglied der Geschäftsleitung erklärt. Zuvor hatte bereits Patrik Gisel, der als jahrelange Nummer zwei die Nachfolge von Pierin Vincenz angetreten hatte, seinen Chefposten abgegeben.

Damit sind alle Geschäftsleitungsmitglieder aus dem Unternehmen ausgeschieden, die bereits vor 2015 in der Ära von Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz Teil des Gremiums gewesen seien. Auch Generalsekretär Roland Schaub hat Raiffeisen per sofort verlassen.

Wer übernimmt ihre Posten?

Das ist noch unklar. Die Evaluation möglicher Nachfolger werde in die Wege geleitet, bis dahin würden die jeweiligen Funktionen durch eine Stellvertreterregelung sichergestellt, lässt sich der neue Raiffeisen-Chef Heinz Huber zitieren. Es bedürfe eines Neustarts, um die Aufgaben und Herausforderungen von Raiffeisen Schweiz vorantreiben zu können

Hat die Affäre Auswirkungen auf die Geschäftszahlen?

Ja – und wie: Auf den Gewinn schlägt die Einkaufstour unter Ex-Chef Vincenz 2018 im Millionenbereich zu Buche. Wegen der Neubewertung der Werthaltigkeit aller bestehenden Beteiligungen wird der Gewinn der Gruppe und bei Raiffeisen Schweiz voraussichtlich deutlich tiefer ausfallen als im Vorjahr.

«Die Sondereffekte bewegen sich im Rahmen von maximal 300 Millionen Franken», schrieb Raiffeisen in der Mitteilung. Trotz des Gewinntauchers bleibe die nachhaltige Ertragskraft sowie die überdurchschnittliche Eigenmittelquote der Raiffeisen-Gruppe erhalten, hiess es: «Raiffeisen ist nach wie vor eine hervorragend kapitalisierte Bank.»

Das operative Ergebnis im abgelaufenen Geschäftsjahr 2018 sei dagegen erneut stark. Es dürfte im Rahmen des Vorjahres ausfallen, hiess es: «Die Zahlen zeigen deutlich, dass die Kundinnen und Kunden den Raiffeisenbanken im vergangenen Jahr die Treue gehalten haben.»

Im vorangegangenen Geschäftsjahr 2017 hatte die Raiffeisen-Gruppe so viel verdient wie noch nie. Der Geschäftserfolg schoss um 30 Prozent auf 1,1 Milliarden Franken nach oben. Der Gruppengewinn kletterte um 22 Prozent auf 917 Millionen Franken. Das war ein neuer Rekord. (sda/awp/jaw/mlu)

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Video: srf
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