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Milliardenpoker in der Krim-Krise
Moskau.
Moskau.
Bild: EPA

Kapitalflucht, Abschwung, massive Inflation: Russland steht vor der Rezession 

28.03.2014, 16:2129.03.2014, 08:39

Es ist ein extrem hoher Preis, den Russlands Wirtschaft zahlen muss für die Einverleibung der Halbinsel Krim. «Angesichts des Konjunktureinbruchs muss sich der Kreml wohl für Jahrzehnte vom Modernisierungskurs verabschieden», sagt der Moskauer Ökonom Wladimir Tichomirow. Er meint, dass der Ukraine-Konflikt die Schwächen der russischen Wirtschaft auf einen Schlag freilege – «wie unter einem Mikroskop». 

Strand in Sewastopol auf der Krim.
Bild: Paris Match Archive

Auch die Regierung in Moskau versucht erst gar nicht, die Lage zu beschönigen. Allein im ersten Quartal hätten Anleger 70 Milliarden Dollar aus dem Schwellenland abgezogen, sagt der Vizeminister für Wirtschaftsentwicklung Andrej Klepatsch. Damit ist die Summe bereits jetzt höher als im gesamten vergangenen Jahr. Die Krim-Krise komme Russland auch weiterhin teuer zu stehen, räumt Klepatsch ein. Während sich die Weltwirtschaft insgesamt erhole, drohe Russland, den Anschluss zu verlieren, mahnen Experten. 

Khan-Palast in Bakhchisarai auf der Krim.
Khan-Palast in Bakhchisarai auf der Krim.
Bild: KEYSTONE

Russlands Propaganda

Wladimir Putin in politischer Isolation: So sehen westliche Staatenlenker wie Kanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama den Kremlchef in der schlimmsten Krise seit dem Kalten Krieg. Doch Russlands Staatsmedien präsentieren ein anderes Bild. So ist der Besuch von Siemens-Chef Joe Kaeser in Putins Residenz Nowo-Ogarjowo bei Moskau das wichtigste Thema der abendlichen TV-Nachrichten.

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Die Botschaft der vom Kreml kontrollierten Medien ist klar: Es gelingt dem Westen nicht, Präsident Putin wie ein ungezogenes Kind in die Ecke zu stellen. Auch die jüngsten Aussagen des deutschen Altkanzlers Helmut Schmidt, er finde Putins Haltung in der Krim-Krise «durchaus verständlich», werden von Moskauer Medien prominent platziert.

«Russlands Wirtschaftsprobleme stammen nicht allein vom Ukraine-Konflikt – aber er hat sie verstärkt»
Nikolai Petrow, Carnegie Center Moskau.

Ungedeckte Kredite sollen für Liquidität sorgen

Als «bedauernswerte Propaganda» empfinden dies viele Experten in Moskau. «Russlands Wirtschaftsprobleme stammen nicht allein vom Ukraine-Konflikt – aber er hat sie verstärkt», meint etwa Nikolai Petrow vom Carnegie Center in Moskau. Bereits im vergangenen Jahr sei der Rubel stark abgesackt und die Konjunktur habe an Schwung verloren. Die Krim-Krise sei doch jetzt eine gute Gelegenheit, die Ursachen zu beheben, sagt Petrow dem Radiosender Echo Moskwy. Einer Prognose der Weltbank zufolge muss Moskau allein in diesem Jahr mit einer massiven Kapitalflucht von bis zu 150 Milliarden Dollar rechnen. 

Wie zum Trotz stellte Russlands Zentralbankchefin Elvira Nabiullina daraufhin den Banken frisches Geld vom Staat in Aussicht. Erwogen werden etwa ungedeckte Kredite, um rasch für Liquidität zu sorgen. Und angesichts westlicher Sanktionen kündigt Putin erneut ein eigenes Bezahlsystem an, als Konkurrenz zu US-Kreditkartenanbietern. Denn Mastercard und Visa haben vorübergehend Dienste für russische Banken eingestellt.  

Putin.
Putin.
Bild: EPA/RIA NOVOSTI POOL

Sotschi brachte nicht die gewünschte Wirkung

Eigentlich wollte Russland bereits mit den jüngsten Olympischen Spielen auch als Wirtschaftsstandort glänzen. Bei vielen waren die Hoffnungen gross, dass die Wettkämpfe in Sotschi den Ruf des Landes in der Welt verbessern könnten. «Jetzt macht die Krim-Krise viel kaputt», sagt Experte Petrow. Die russische Wirtschaft werde zwar auf niedrigem Niveau stagnieren, aber der hohe Ölpreis und der schwache Rubel würden für einen ausgeglichen Staatshaushalt sorgen und den Modernisierungsdruck von der russischen Führung nehmen, meint er. 

So gehen an diesem Samstag inmitten der Krim-Krise zwar im Kreml die Lichter aus. Dies liege aber allein daran, dass sich Russland an der weltweiten Umweltaktion «Earth Hour» beteilige, sagte Putins Sprecher Dmitri Peskow. Nach 60 Minuten sei wieder alles «wie zuvor». (dwi/sda/dpa)

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