Schweiz
Crans-Montana

Crans-Montana: Fedpol-Bericht belastet Morettis schwer

epa12726288 The owners of 'Le Constellation' bar in Crans-Montana, Jacques, (L), and Jessica Moretti of France, arrive to a hearing before the public prosecutor of the canton of Valais, foll ...
Bezüglich der finanziellen Verhältnisse von Jacques und Jessica Moretti gibt es zahlreiche Ungereimtheiten.Bild: keystone

Imperium im Wallis: Fedpol-Bericht belastet Morettis schwer

Die finanziellen Verhältnisse der Barbetreiber von Crans-Montana sind dubios. Nun nennen Geldwäsche-Experten des Fedpol in einem Bericht explizite Hinweise zu Geldwäscherei und finanziellem Betrug.
10.03.2026, 08:4310.03.2026, 08:43

Bei der Brandkatastrophe in Crans-Montana an Neujahr mit 41 Toten rücken die Finanzen der Barinhaber Jacques und Jessica Moretti erneut in den Fokus. Bereits früh kursierten Gerüchte über dubiose Finanzflüsse im Imperium der beiden Franzosen. Für Fragezeichen sorgte insbesondere, dass es den Morettis gelang, innert weniger Jahre und mit kaum vorhandenen ausgewiesenen Eigenmitteln ein kleines Gastro-Imperium im Wallis zu schaffen.

Die Schweizer Bundespolizei Fedpol nennt nun explizite Hinweise auf kriminelles Verhalten: Die Ermittler entdeckten bei der Untersuchung von privaten und geschäftlichen Konten der Morettis bei namhaften Schweizer Banken wie der Walliser Kantonalbank, der UBS und zuvor der Credit Suisse ein «mutmasslich kriminelles Finanzkonstrukt». Die Behörde spricht gar von Ähnlichkeiten mit einem «Ponzi-Schema». Der Blick und die NZZ hatten darüber unter Berufung auf den Bericht der Fedpol-Meldestelle für Geldwäscherei berichtet.

Ponzi-Schema
Ein Ponzi-Schema ist ein betrügerisches Anlagesystem, das keine echten Gewinne erwirtschaftet. Renditen für frühere Investoren werden durch Gelder neuer Anleger finanziert, anstatt durch tatsächliche Gewinne. Der Betrüger gibt sich als genialer Investor aus, der hohe Renditen erzielt, wodurch er weitere Anleger anlockt. Es ist damit eine Art Schneeballsystem, bei dem der Betrüger jedoch nicht durch aktive Anwerbung neuer Teilnehmer Geld generiert, sondern indem er als Mittelsmann agiert. Benannt ist das Schema nach dem US-italienischen Betrüger Charles Ponzi, der in den 1920er-Jahren in den USA ein gewaltiges Kartenhaus mit Postscheinen schuf und damit Millionär wurde – ehe alles aufflog.
infobox image
Charles Ponzi.Bild: Wikimedia

Die Ermittlungen der Fedpol-Meldestelle gehen auf Hinweise der Walliser Kantonalbank und der UBS im Januar zurück, Tage nach dem verheerenden Brand in der Bar «Le Constellation». Die UBS beschrieb Vermögenswerte, die «aus einem Verbrechen oder aus einem qualifizierten Steuervergehen» kommen könnten. Konkret geht es laut der «NZZ» um Steuerhinterziehung von mehr als 300'000 Franken pro Jahr.

Dutzende Hinweise auf fragwürdige Transaktionen

Doch das ist nicht alles: Die Bundespolizei untersuchte nach den Bank-Hinweisen den Zahlungsverkehr der Morettis ausführlich und fand weitere Hinweise auf illegale Machenschaften. Das Ehepaar habe zahlreiche reine Transit-Transaktionen von Geldern zwischen ihren Bankkonten für die verschiedenen Gastrobetriebe im Wallis durchgeführt. Dadurch sei die Nachverfolgung «erschwert» und «intransparent».

Die drei Betriebe, die die Morettis führten, hatten sich dem Bericht zufolge regelmässig hunderttausende Franken geliehen. Dabei tauchten auch Rückzahlungen an private Konten auf, zu denen es gar keine entsprechenden Darlehen gab.

Das Fedpol hält die Hinweise auf betrügerische Aktivitäten deutlich fest: Das Moretti-Imperium beruhe «ausschliesslich auf der Vergabe mutmasslich unrechtmässig erlangter Kredite». Und: «Dieses Imperium expandierte kontinuierlich, indem es eine leere, mit Hypotheken gefüllte Struktur bereitstellte» – der Verweis auf das mögliche Ponzi-Schema.

Die Morettis hätten mit ihrem Vorgehen ein «fiktives Bild wirtschaftlichen Erfolgs» geschaffen und damit immer weitere Hypotheken zugesagt bekommen. Das Bild sei unter anderem mit der «Zurschaustellung geleaster Luxuswagen» inszeniert worden. Die Morettis besassen mehrere Sportwagen. Bereits im Januar gab es in diesem Zusammenhang Berichte, wonach möglicherweise ein Covid-Kredit für den Kauf eines Maseratis eingesetzt wurde. Der Kanton Wallis ermittelte in dem Fall, sah dann aber von einer Anzeige ab.

Auch Hinweise auf möglichen Versicherungsbetrug

Ein weiterer Punkt, der in dem Bericht thematisiert wird, ist der Verdacht auf Versicherungsbetrug. So kam es seit 2023 zu einer Häufung von Bränden in den Betrieben der Morettis. Ende 2023 brannte es ebenso wie im Februar 2024, damals ein erstes Mal in der Unglücksbar «Le Constellation» (watson berichtete). Nach den Ereignissen seien jeweils hohe Versicherungssummen an die Morettis ausbezahlt worden – die Kontenanalyse der Ermittler zeige nun aber, dass diese nicht für Reparaturen verwendet wurden, sondern für private Ausgaben wie Steuern, Krankenkassenprämien oder das Leasing der genannten Luxusautos.

Die Finanzen der Morettis waren nach der Katastrophe an Neujahr schnell ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Unter anderem sorgte für Fragezeichen, wie die beiden Franzosen im Wallis und in Frankreich innert weniger Jahre mehrere Immobilien kaufen und sich ein kleines Gastroimperium aufbauen konnten.

Der Fedpol-Bericht legt nun nahe, dass kriminelle Machenschaften dabei eine zentrale Rolle gespielt haben. Die Ermittler äussern den Verdacht, dass die Morettis die Unglücksbar in Crans-Montana gar nie hätten betreiben dürfen, da sie sich die Gastrobetriebe mit unrechtmässig erhaltenem Geld angeeignet haben könnten.

Luxusuhren und Waffen bei Hausdurchsuchung gefunden

Neben den Hinweisen auf Finanzbetrug und Geldwäscherei steht in dem Bericht der Bundespolizei auch, dass am 20. Februar doch noch eine Hausdurchsuchung bei den Morettis durchgeführt wurde. Dabei wurden sechs Luxusuhren im Wert von über 100'000 Franken sowie eine Glock 19, eine halbautomatische Pistole, gefunden. Ursprünglich wurde eine Hausdurchsuchung bei den Morettis bereits am 1. Januar von der Walliser Staatsanwaltschaft angeordnet. Weshalb diese nicht durchgeführt wurde, ist unklar.

Jacques und Jessica Moretti sowie ihre Anwälte reagierten gegenüber der «NZZ» nicht auf eine Anfrage zu einer Stellungnahme zum Fedpol-Bericht. (con)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Ex-Mitarbeiterin von Bar in Crans-Montana erhebt schwere Vorwürfe
1 / 6
Ex-Mitarbeiterin von Bar in Crans-Montana erhebt schwere Vorwürfe
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Jugendliche Augenzeugin der Tragödie in Crans-Montana hält am Trauertag emotionale Rede
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
23 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
sherlock87
10.03.2026 09:12registriert April 2024
Und die Opfer werden von Steuergeldern entschädigt. Gewinne werden privatisiert, Verluste verstaatlicht.
693
Melden
Zum Kommentar
avatar
Gina3
10.03.2026 09:19registriert September 2023
Es ist absolut dringend, dass unsere Parlamentarier (und Bundesräte) ihre Hausaufgaben machen:
➡️ Wer wollte im September 2025 den Kauf von Immobilien unter 4 Millionen von der Geldwäschekontrolle ausnehmen?
Man muss kein Genie sein, um zu wissen, dass die Mafia mit kleinen Beträgen arbeitet, die sie auf Konten verteilt, um keinen Verdacht zu erregen.
Es ist Zeit, die Sache ernst zu nehmen. Die Mafia, das sind nicht nur „die anderen“. Sie existiert auch deshalb, weil unsere Parlamentarier ihr das Leben erleichtern.
462
Melden
Zum Kommentar
23
Neue Zahlen: So präsent ist Antisemitismus in der Schweiz
Die Anzahl antisemitischer Vorfälle in der Schweiz ist im Jahr 2025 auf einem hohen Niveau geblieben. Während in der realen Welt ein Rückgang zu verzeichnen war, registrierte der Israelitische Gemeindebund eine starke Zunahme von Online-Antisemitismus.
Zur Story