Imperium im Wallis: Fedpol-Bericht belastet Morettis schwer
Bei der Brandkatastrophe in Crans-Montana an Neujahr mit 41 Toten rücken die Finanzen der Barinhaber Jacques und Jessica Moretti erneut in den Fokus. Bereits früh kursierten Gerüchte über dubiose Finanzflüsse im Imperium der beiden Franzosen. Für Fragezeichen sorgte insbesondere, dass es den Morettis gelang, innert weniger Jahre und mit kaum vorhandenen ausgewiesenen Eigenmitteln ein kleines Gastro-Imperium im Wallis zu schaffen.
Die Schweizer Bundespolizei Fedpol nennt nun explizite Hinweise auf kriminelles Verhalten: Die Ermittler entdeckten bei der Untersuchung von privaten und geschäftlichen Konten der Morettis bei namhaften Schweizer Banken wie der Walliser Kantonalbank, der UBS und zuvor der Credit Suisse ein «mutmasslich kriminelles Finanzkonstrukt». Die Behörde spricht gar von Ähnlichkeiten mit einem «Ponzi-Schema». Der Blick und die NZZ hatten darüber unter Berufung auf den Bericht der Fedpol-Meldestelle für Geldwäscherei berichtet.
Die Ermittlungen der Fedpol-Meldestelle gehen auf Hinweise der Walliser Kantonalbank und der UBS im Januar zurück, Tage nach dem verheerenden Brand in der Bar «Le Constellation». Die UBS beschrieb Vermögenswerte, die «aus einem Verbrechen oder aus einem qualifizierten Steuervergehen» kommen könnten. Konkret geht es laut der «NZZ» um Steuerhinterziehung von mehr als 300'000 Franken pro Jahr.
Dutzende Hinweise auf fragwürdige Transaktionen
Doch das ist nicht alles: Die Bundespolizei untersuchte nach den Bank-Hinweisen den Zahlungsverkehr der Morettis ausführlich und fand weitere Hinweise auf illegale Machenschaften. Das Ehepaar habe zahlreiche reine Transit-Transaktionen von Geldern zwischen ihren Bankkonten für die verschiedenen Gastrobetriebe im Wallis durchgeführt. Dadurch sei die Nachverfolgung «erschwert» und «intransparent».
Die drei Betriebe, die die Morettis führten, hatten sich dem Bericht zufolge regelmässig hunderttausende Franken geliehen. Dabei tauchten auch Rückzahlungen an private Konten auf, zu denen es gar keine entsprechenden Darlehen gab.
Das Fedpol hält die Hinweise auf betrügerische Aktivitäten deutlich fest: Das Moretti-Imperium beruhe «ausschliesslich auf der Vergabe mutmasslich unrechtmässig erlangter Kredite». Und: «Dieses Imperium expandierte kontinuierlich, indem es eine leere, mit Hypotheken gefüllte Struktur bereitstellte» – der Verweis auf das mögliche Ponzi-Schema.
Die Morettis hätten mit ihrem Vorgehen ein «fiktives Bild wirtschaftlichen Erfolgs» geschaffen und damit immer weitere Hypotheken zugesagt bekommen. Das Bild sei unter anderem mit der «Zurschaustellung geleaster Luxuswagen» inszeniert worden. Die Morettis besassen mehrere Sportwagen. Bereits im Januar gab es in diesem Zusammenhang Berichte, wonach möglicherweise ein Covid-Kredit für den Kauf eines Maseratis eingesetzt wurde. Der Kanton Wallis ermittelte in dem Fall, sah dann aber von einer Anzeige ab.
Auch Hinweise auf möglichen Versicherungsbetrug
Ein weiterer Punkt, der in dem Bericht thematisiert wird, ist der Verdacht auf Versicherungsbetrug. So kam es seit 2023 zu einer Häufung von Bränden in den Betrieben der Morettis. Ende 2023 brannte es ebenso wie im Februar 2024, damals ein erstes Mal in der Unglücksbar «Le Constellation» (watson berichtete). Nach den Ereignissen seien jeweils hohe Versicherungssummen an die Morettis ausbezahlt worden – die Kontenanalyse der Ermittler zeige nun aber, dass diese nicht für Reparaturen verwendet wurden, sondern für private Ausgaben wie Steuern, Krankenkassenprämien oder das Leasing der genannten Luxusautos.
Die Finanzen der Morettis waren nach der Katastrophe an Neujahr schnell ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt. Unter anderem sorgte für Fragezeichen, wie die beiden Franzosen im Wallis und in Frankreich innert weniger Jahre mehrere Immobilien kaufen und sich ein kleines Gastroimperium aufbauen konnten.
Der Fedpol-Bericht legt nun nahe, dass kriminelle Machenschaften dabei eine zentrale Rolle gespielt haben. Die Ermittler äussern den Verdacht, dass die Morettis die Unglücksbar in Crans-Montana gar nie hätten betreiben dürfen, da sie sich die Gastrobetriebe mit unrechtmässig erhaltenem Geld angeeignet haben könnten.
Luxusuhren und Waffen bei Hausdurchsuchung gefunden
Neben den Hinweisen auf Finanzbetrug und Geldwäscherei steht in dem Bericht der Bundespolizei auch, dass am 20. Februar doch noch eine Hausdurchsuchung bei den Morettis durchgeführt wurde. Dabei wurden sechs Luxusuhren im Wert von über 100'000 Franken sowie eine Glock 19, eine halbautomatische Pistole, gefunden. Ursprünglich wurde eine Hausdurchsuchung bei den Morettis bereits am 1. Januar von der Walliser Staatsanwaltschaft angeordnet. Weshalb diese nicht durchgeführt wurde, ist unklar.
Jacques und Jessica Moretti sowie ihre Anwälte reagierten gegenüber der «NZZ» nicht auf eine Anfrage zu einer Stellungnahme zum Fedpol-Bericht. (con)
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