Wirtschaft
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Liebe am Arbeitsplatz

Bild: shutterstock.com

Wenn sich Vorgesetzte in ihre Untergebene verlieben, kann es rasch problematisch werden

Der McDonald’s-Chef verliebt sich in eine Untergebene und verliert deshalb seinen Job. In einem ähnlichen Fall in der Schweiz muss die Untergebene gehen.

Gabriela Jordan und Andreas Möckli / ch media



Da nützte aller Erfolg nichts mehr. Der Chef von McDonald’s stolpert über eine Liebesgeschichte. Der Fastfood-Konzern feuerte den Briten Steve Easterbrook am Sonntag. Der Grund: Er war mit einer Mitarbeiterin von McDonald’s liiert.

Damit habe er ein schlechtes Urteilsvermögen an den Tag gelegt und gegen die Vorschriften der Firma verstossen, schreibt die US-Firma in einer Mitteilung.

Die Beziehung zwischen den beiden sei einvernehmlich gewesen. Easterbrook schreibt in einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter von einem Fehler. «In Anbetracht der Werte des Unternehmens bin ich wie der Verwaltungsrat der Meinung, dass es für mich Zeit ist, weiterzuziehen.»

McDonald’s wurde in der Vergangenheit wiederholt mit Beschwerden und Klagen von Frauen wegen sexueller Belästigung eingedeckt. Offenbar wollte der Konzern ein klares Zeichen setzen, dass er Beziehungen zwischen Chefs und Untergebenen nicht toleriert. Easterbrook wurde im März 2015 zum Chef ernannt. Während seiner Amtszeit verdoppelte sich der Aktienkurs beinahe.

Partnerin von Swiss-Life-Schweiz-Chef musste die Firma verlassen

Auch in der Schweiz hat ein ähnlicher Fall innerhalb des Versicherers Swiss Life für Aufregung gesorgt. So hat Markus Leibundgut, Schweiz-Chef des Unternehmens, die Konzernleitung Mitte September darüber informiert, dass er seit Juli mit seiner Stabschefin liiert ist, wie das Finanzportal «Inside Paradeplatz» berichtete.

Konzernchef Patrick Frost habe einen «offenen und transparenten Umgang» mit der Situation pflegen wollen, sagt ein Sprecher. Deshalb erhielt die Stabschefin zuerst intern einen neuen Job, der organisatorisch von der alten Stelle klar abgegrenzt war.

HANDOUT - Markus Leibundgut wird neuer CEO von Swiss Life Schweiz und tritt sein neues Amt am 1. April 2017 an, aufgenommen am 12. Oktober 2012. Seit April 2014 ist der 47-jaehrige Markus Leibundgut Chief Executive Officer Deutschland (CEO Deutschland) und Mitglied der Konzernleitung der Swiss Life-Gruppe. *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Seine Partnerin musste gehen: Swiss-Life-Schweiz-Chef Markus Leibundgut. Bild: SWISS LIFE

Es sei dem Unternehmen selbstverständlich klar gewesen, dass die Situation keine reine Privatangelegenheit sein könne. Dazu sei die Rolle eines Konzernleitungsmitglieds zu exponiert.

Gleichzeitig gebe es klare Regeln, wenn es darum gehe, bezüglich Vorgesetztenverhältnis und Umgang mit Mitarbeitenden Klarheit zu schaffen. «Wir bedauern es sehr, dass diese Angelegenheit intern Gerüchte und heftige Diskussionen ausgelöst hat, die auch die Privatsphäre betrafen.»

Dies habe dem Unternehmen nochmals gezeigt, wie anspruchsvoll der Umgang mit derlei Konstellationen sei. Swiss Life sei deshalb mit allen Beteiligten zum Schluss gekommen, dass die Partnerin von Markus Leibundgut ihren beruflichen Weg ausserhalb des Unternehmens weiterverfolgen werde. Die Entflechtung der Situation, wie es die Swiss Life nennt, sei wohl nie vollständig möglich, wenn ein Mitglied der Konzernleitung involviert. So gesehen, habe man die Situation in einem ersten Schritt falsch eingeschätzt.

Ohne Folgen blieb die Beziehung zwischen Ex-Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz und seiner Frau Nadja Ceregato. Sie war bei der Bank Chefjuristin und später zusätzlich Compliance-Chefin. Obwohl die Konstellation wiederholt kritisiert wurde, sah Raiffeisen keine Notwendigkeit zu handeln. Inzwischen läuft im Fall Vincenz eine separate Untersuchung gegen Ceregato wegen Verletzung des Geschäftsgeheimnisses.

Beziehungen am Arbeitsplatz sind in der Schweiz erlaubt

Die drei Beispiele zeigen: Eine Liebesbeziehung unter Arbeitskollegen kann zu arbeitsrechtlichen Spannungen führen. Es ist daher nachvollziehbar, dass es nicht alle Arbeitgeber gerne sehen, wenn sich Angestellte näherkommen. Beispielsweise in den USA kommt es sogar relativ häufig vor, dass Arbeitgeber in ihren Regelwerken entsprechende Beziehungsverbote zwischen Angestellten vorsehen.

Anders ist dies in der Schweiz. Hier dürfen Betriebe die Liebe am Arbeitsplatz nicht verbieten. «Ein Beziehungsverbot ist in der Schweiz unzulässig», bestätigt Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht an der Universität Zürich.

Eine Beziehung, auch wenn sie mit einem Arbeitskollegen gelebt werde, sei «zunächst und vor allem eine Privatsache». Dem Arbeitgeber ist es im Normalfall daher auch untersagt, seinen Angestellten entsprechende Fragen zu stellen oder anderweitige Abklärungen zu treffen.

Wenn die Gefahr eines Interessenkonflikts oder einer ungerechtfertigten Privilegierung besteht, hat der Arbeitgeber aber durchaus ein berechtigtes Interesse, über Beziehungen am Arbeitsplatz Bescheid zu wissen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Verliebten in einem direkten Hierarchie- oder Abhängigkeitsverhältnis stehen oder gemeinsam eine Controlling-Tätigkeit wahrnehmen, wo gegenseitige Überwachung von grosser Bedeutung sind.

«Die Optik der Privatsache kann in solchen Fällen zu kurz greifen», sagt Rudolph. In der Schweiz sei es deswegen nicht unüblich, dass Mitarbeiter den Chef über ihre neue Beziehung informieren müssen. Vor allem in stark regulierten Bereichen wie der Bank- oder Versicherungsbranche sei eine solche Meldepflicht recht weit verbreitet.

Sobald eine Beziehung – oder deren Ende – die Interessen des Arbeitgebers beeinträchtigt oder das Arbeitsklima negativ beeinflusst, darf der Arbeitgeber eingreifen. Wie stark er dies tut, hängt von den konkreten Umständen ab. «Wenn es keine Risiken gibt und das Verhalten der Betroffenen professionell bleibt, dann sollten Massnahmen nicht nötig sein», sagt Rudolph.

Arbeitgeber können Verhaltensregeln erlassen

Läuft aber nicht alles rund, kann es sinnvoll oder gar notwendig sein, die Aufgaben der beiden zu entflechten oder jemanden in eine andere Abteilung zu versetzen. Ebenso kann der Arbeitgeber punkto Verhalten am Arbeitsplatz Weisungen erlassen. «Auch wenn es bieder und kleinlich wirken mag – der Arbeitgeber kann verlangen, dass ein Paar während der Arbeitszeit einen rein kollegialen Umgang pflegt.»

Notwendige Weisungen sind laut Rudolph von den Angestellten zu befolgen, unabhängig davon, ob sie in einem Hierarchieverhältnis zueinander stehen oder nicht. Halten sich die Angestellten an die Regeln, sollten sie auch nichts zu befürchten haben – ein zulässiges Kündigungsmotiv ist eine Beziehung am Arbeitsplatz grundsätzlich nicht. «Das bloss theoretische Risiko, dass die Beziehungspartner ihre arbeitsvertraglichen Pflichten verletzen oder dem Arbeitgeber in irgendeiner Weise Schaden zufügen könnten, reicht noch nicht, um eine Kündigung zu rechtfertigen.» Anders sei es dann, wenn Arbeitnehmer gegen die Weisungen verstossen.

So versuchen Migros, SBB und Co. die Liebe zu regeln

Liebe am Arbeitsplatz ist ein häufiges Phänomen. Das bestätigen mehrere Studien. So zeigt etwa eine Umfrage des Karrierenetzwerks Xing aus dem Jahr 2017, dass sich fast jeder vierte Deutsche schon einmal am Arbeitsplatz verliebt hat. Jeder Sechste hatte bereits eine Affäre. Dabei schwärmen Männer tendenziell öfter für Mitarbeiterinnen als umgekehrt. Ernst soll es bei den meisten aber nicht werden – eine feste Partnerschaft zieht nur etwa die Hälfte der Befragten in Betracht.

Dass der Arbeitsplatz eine wichtige Partnerbörse ist, bestätigt auch eine umfassende Datenanalyse der Nachrichtenagentur Bloomberg. Demnach heiraten Lehrer am häufigsten Lehrer, Anwälte Anwälte, Ärzte Ärzte oder Flugbegleiter Flugbegleiter. Für die Analyse wurden rund 3.5 Millionen Haushalte befragt. Einige Ergebnisse liessen die Analysten auch ratlos zurück. So etwa, dass Tänzerinnen eine Vorliebe für Schweisser haben.

Viele Firmen haben deshalb Regeln erlassen, wie damit umzugehen ist. Heikel wird es vor allem dann, wenn es Vorgesetzte und Untergebene trifft. Unternehmen stellen öfters einen ­Verhaltenskodex auf, wie das Beispiel der Detailhändlerin Migros zeigt. Darin hält die Firma fest, dass Vorgesetzte ihnen nahestehende Personen nicht ­direkt führen, kontrollieren oder beaufsichtigen dürfen. Ein Verbot gilt auch bei der Einstellung oder bei Beförderungen. In einem indirekten Fall braucht es eine Bewilligung.

Die Mitarbeiter seien bei der Migros angehalten, Interessenkonflikte zu melden. In der Folge würden Massnahmen zur Lösung des Konflikts definiert. Dazu gehörten etwa die Neuregelung von Zuständigkeiten oder eine Versetzung. Werde die Meldepflicht verletzt, so drohten arbeitsrechtliche Massnahmen «Wir setzen hier aber auf den gesunden Menschenverstand und sind bisher gut damit gefahren», sagt eine Sprecherin.

Weniger Vorschriften bei Schweizer Unternehmen

Der Versicherer Zurich teilt mit, dass Liebesbeziehungen unter Mitarbeitenden natürlich nicht verboten seien. Tatsächlich gebe es viele glückliche Zurich-Paare. Kenntnis einer Beziehung müsse der Versicherungskonzern nur dann haben, wenn es um Vorgesetzte und unterstellte Mitarbeiter geht. Damit wolle die Firma Interessenkonflikte vermeiden und die Gleichbehandlung der Mitarbeiter gewährleisten. Die SBB sagen, dass die Form und der Status von Beziehungen unter Mitarbeitern deren Privatsache sei. Wie in vielen anderen Unternehmen werde jedoch bei Liebesbeziehungen mit einem Hierarchieverhältnis die Rangfolge aufgelöst. Meist sei in solchen Fällen ein interner Wechsel möglich. (mka/gjo)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Michael von der Halde 05.11.2019 10:27
    Highlight Highlight Liebe im Betrieb ist schön und gut, Probleme gibts aber vorallem dann, wenn die Frau untergeben ist und sich der Chef in sie verliebt. Sagt sie nein, hat sie verloren, sagt sie ja, hat sie auch verloren. Dann fehlt die nötige Distanz und sie wird ausgenuzt. Das hab ich jetzt mehrfach erlebt, ist leider so.
  • DemonCore 05.11.2019 10:09
    Highlight Highlight Halte deinen privaten Füller nie in Firmentinte - frei nach Bernd Stromberg, Capitol
  • GraveDigger 05.11.2019 08:49
    Highlight Highlight never fuck the Company!

    Gibt meist nur Ärger
    • DemonCore 05.11.2019 10:02
      Highlight Highlight Don't eat where you sh.t - eine anderes Bonmot
    • Bartli, grad am moscht holä.. 05.11.2019 10:09
      Highlight Highlight Diesen spruch höre ich meistens von menschen, welche eine affäre am arbeitsplatz haben. Resp ihren partner betrügen mit jemandem am arbeitsplatz. Glauben sie mir. Es führt meist auch zu problemen, wenn ihre affäre wo anderst arbeitet... An meinem arbeitsplatz gibt es viele paare. In allen möglichen konstellationen. Probleme gibt es da keine. Anderst sieht es bei den affären aus. Besonders wenn der partner auch bei uns arbeitet (wie dumm kann man nur sein?!). Da eskaliert es öfters. Aber ja, sind nur meine erfahrungswerte.
  • Heinzbond 05.11.2019 08:39
    Highlight Highlight Ich war mal hier in Zürich bei einem Arbeitgeber, da musste man aufpassen wen in der Führungsebene man sagt das man Freundschaften innerhalb der Abteilung pflegt. Beziehungen wurden gar nicht geduldet und ehepartner wurden auch in anderen Abteilungen mit guter Qualifikation nicht eingestellt..
    Habs da nicht lange ausgehalten, aber nicht nur deswegen...
  • Beat_ 05.11.2019 08:26
    Highlight Highlight Zum Absatz "...Arbeitsplatz eine wichtige Partnerbörse...": das Tänzerinnen eine Vorliebe für Schweisser haben, mag die Analysten etwas ratlos machen, da empfehle ich den Film "Flashdance", da ist die Tänzerin und die Schweisserin die gleiche Person.
    Aber wieso in dem Absatz nicht bei allen Berufen auch die weibliche From benutzt wird, verstehe ich nicht. Gerade dieser Text könnte relativ einfach von Ärztinnen und Ärzten, aber auch von Tänzern und Schweisserinnen gebrauch machen.
    • Kaishakunin 05.11.2019 08:57
      Highlight Highlight Aber wenn die Statistik jetzt nur feststellt, dass Tänzerinnen Schweisser mögen, kann man eben nicht einfach auch das Gegenteil annehmen. Vielleicht stehen Schweisserinnen ja auf ganz andere Persönlichkeiten.
  • azoui 05.11.2019 08:01
    Highlight Highlight Sehr viele Beziehungen finden ihren Anfang beim Arbeitsgeber, meine z.B. auch.
  • chandler 05.11.2019 08:00
    Highlight Highlight Egal in wen du dich verliebst, das "Urteilsvermögen" kann sicher nicht durch die Wahl deines Partners beurteilt werden.
    • skisandtrail 05.11.2019 09:00
      Highlight Highlight Made my day! Zu geil, obwohl du natürlich Recht hast..
  • Jacques #23 05.11.2019 07:56
    Highlight Highlight Mc Donalds - Ich liebe es...

    Der böse Konzern duldet Liebe nicht, benutzt die Wirkung jedoch im Verkauf vermutlich sehr bewusst.

    Nun auch das. Nachdem Lebensmittel schon verraten worden sind, nun auch die Liebe.

    Ronald Mc Donald beginnt sich nach dem nächsten Kindergeburtstag zu ritzen.
  • Markus97 05.11.2019 07:53
    Highlight Highlight Wenn jemand in einer Führungsposition eines grossen Unternehmens ist, spielt sich fast sein ganzes Leben in der Firma ab. Da erscheint es mir fast schon unmenschlich Beziehungen mit anderen Mitarbeitenden zu verbieten...
  • fools garden 05.11.2019 07:32
    Highlight Highlight Liebe lässt sich schlecht verbieten.
    • Dr no 05.11.2019 08:53
      Highlight Highlight Liebe nicht. Vetterliwirtschaft schon.
  • Kiro Striked 05.11.2019 07:22
    Highlight Highlight Irgendwie Kindergarten und so... Glückliche Mitarbeiter leisten Gute Arbeit, sowas muss man verhindern, hat man selbst ja kein Glück in der Liebe gehabt.

    Ich finde, solange alles einvernehmlich ist, und beide Personen erwachsen genug sind, eine Beziehung zu haben, hat kein Betrieb irgendwas zu sagen. Was soll das auch, lasst die Leute doch glücklich sein, wir leben nur einmal.
    • Beat_ 05.11.2019 10:16
      Highlight Highlight Ob Du willst oder nicht: Sobald Hierarchie dazu kommt, ist es ein Abhängigkeitsverhältnis.
  • Freilos 05.11.2019 06:55
    Highlight Highlight Ich bin auch in einer Führungsposition und habe meine heutige Frau in der Firma kennen- bzw. lieben gelernt. Sie ist HR-Leiterin. Wir haben dann das Gespräch mit dem CEO gesucht, woraufhin er meinte: Das sei unsere Privatsache, solange es geschäftlich kein Problem gibt akzeptiert er die Beziehung. Das hält jetzt doch schon 5 Jahre inkl. 2 Kinder.

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