Die Zukunft von Rivella ist geklärt
Nächstes Jahr feiert Rivella – und zwar gleich doppelt. Einerseits steht das Firmenjubiläum an: Vor 75 Jahren gründete Robert Barth das Getränkeunternehmen, das heute zu den bekanntesten Schweizer Konsummarken gehört, so wie auch Ricola oder Victorinox. Andererseits, und für die Zukunft von Rivella noch wichtiger: Rivella bleibt eine selbstständige Familienfirma.
Dies bestätigt Sprecherin Monika Christener auf Anfrage: «Wir freuen uns, dass innerhalb der Gründerfamilie eine langfristige Nachfolgerplanung gefunden werden konnte.» Tano Barth, Enkel des Rivella-Gründers Robert Barth und Sohn des aktuellen Verwaltungsratspräsidenten Alexander Barth, wird im Frühling 2027 das Amt seines Vaters übernehmen. Letzterer wird dann wie seine Firma seinen 75. Geburtstag feiern.
Der 36-jährige Tano Barth ist in Genf aufgewachsen, aber im Hinblick auf seine bevorstehende neue Aufgabe inzwischen mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter nach Rothrist AG in die Nähe des Firmensitzes gezogen. Damit dürften viele der rund 240 Angestellten aufatmen. Denn diese Nachfolgeregelung schien nicht immer klar, insbesondere als vor rund 10 Jahren Gerüchte aufkamen, die Firma könnte verkauft werden, was der damalige Rivella-Chef Erland Brügger damals allerdings dementierte.
Jurist und Sprachtalent
Wie sein Grossvater und sein Vater ist auch Tano Barth Jurist. Studiert hat er in Genf und Zürich. Seit 2022 ist er in der Calvin-Stadt Partner einer Anwaltskanzlei. Zudem hat er bis vor einem halben Jahr als Lehrbeauftragter an der Anwaltsschule der Universität Genf unterrichtet. «Er bereitet sich derzeit intensiv auf seine neue Rolle vor», sagt die Sprecherin über Barth, der bereits seit 2024 Verwaltungsratsmitglied der Firma ist, die ihm und seinem Vater zu 100 Prozent gehört.
Der junge Jurist ist zudem äusserst sprachgewandt: Nebst seiner Muttersprache Französisch beherrscht er auch Deutsch, Englisch, Spanisch, Rumänisch und Holländisch. Insbesondere Holländisch könnte ihm geschäftlich behilflich sein, schliesslich sind die Niederlande seit vielen Jahren der wichtigste Auslandsmarkt von Rivella.
Tano Barth mag es sportlich: Zu seinen Hobbys gehören gemäss Lebenslauf Schwimmen, Klettern, Canyoning, Skifahren und Tauchen. Sein Vater Alexander mag es hingegen eher kreativ, mit Barock-Tanz, Singen, Malen und Kochen. Zudem ist er privat als Winzer in Argentinien tätig. In der Vergangenheit war die Familie Barth auch schon Teil der «Bilanz»-Liste der 300 Reichsten der Schweiz mit einem geschätzten Vermögen von 150 bis 200 Millionen Franken.
Von Zürich in den Aargau
Tanos Grossvater Robert Barth begann in den frühen Fünfzigerjahren neben seinem Jura-Studium mit seiner Frau an einem Getränk zu tüfteln, das anders sein sollte als alle anderen, wie es in der Firmenchronik heisst. Das Resultat: ein mit Milchserum produziertes Erfrischungsgetränk namens Rivella.
Der Name ist eine Kombination des Tessiner Orts Riva San Vitale und aus dem italienischen Wort Rivelazione, zu Deutsch Offenbarung. 1952 startet Barth mit der Produktion, damals noch in Stäfa ZH. Die Nachfrage ist rasch da, nur zwei Jahre später sind die Räumlichkeiten in Stäfa bereits zu knapp, es folgt der Umzug und der Bau einer grösseren Fabrik in Rothrist AG.
1958 lanciert Barth in den Niederlanden die zuckerfreie Variante Rivella Blau – ein Vierteljahrhundert vor der Einführung von Coca-Cola Light. «Die Anregung für das Getränk stammt von der holländischen Diabetes-Gesellschaft – sie hat sich ein Produkt mit kalorienfreien Süssstoffen gewünscht», heisst es in der Chronik. Ein Jahr später wird die blaue Variante auch hierzulande verkauft.
Weitsichtige Start-up-Übernahme
Doch Barth denkt weiter, will das Produktportfolio breiter abstützen. Auf einer Australienreise lernt er die Passionsfrucht kennen. Aus ihrem Saft kreiert er 1964 das neuartige Getränk Passi, später Passaia genannt. 1983 übernimmt Rivella die Fruchtsaft-Marke Michel. Danach dauert es eine Weile bis zur nächsten Innovation: 1999 erhalten Rivella Rot und Blau mit der grünen Variante eine Schwester.
Zur Jahrtausendwende übergibt dann Robert Barth den Posten als Verwaltungsratspräsident seinem ältesten Sohn Alexander. Sieben Jahre später stirbt der Gründer 85-jährig.
2019 wagt der damalige Geschäftsführer Erland Brügger den Einstieg ins Wassergeschäft mit der Übernahme des Start-ups Focuswater. Der Deal entpuppt sich als Erfolg, denn der Trend in Richtung zuckerarme, funktionale Getränke verstärkt sich in den Folgejahren und Focuswater wird ein Wachstumspfeiler von Rivella.
Das Geheimrezept liegt im Tresor
Und 2024 erfolgte die vorerst letzte Erweiterung der Kernsparte mit einem veganen Rivella Gelb. Im vergangenen Geschäftsjahr konnte die Firma ihren Umsatz um 2 Prozent auf 140 Millionen Franken steigern. Den höchsten Pro-Kopf-Konsum generiert Rivella im Vatikan – dank der Schweizer Garde.
Künftig wird also Tano Barth über diesen Umsatz wachen – und damit auch über das Geheimrezept von Rivella mit seinen Früchte- und Kräuterextrakten, das bis heute in einem Tresor aufbewahrt wird. (aargauerzeitung.ch)

