Diese Billig-Kleiderkette plant 30 Filialen in der Schweiz
Sommerliche T-Shirts für 10 Franken, Business-Blazer für 37 Franken, Pyjama-Sets für 23 Franken. Die französische Modekette Kiabi trumpft mit tiefen Preisen auf. Und nun soll auch die Kundschaft in der Schweiz zur Erfolgsstory beitragen.
Vor wenigen Tagen wagte Kiabi den Markteintritt gleich mit zwei Filialeröffnungen in Freiburg und in Neuenburg. Dabei soll es nicht bleiben, wie Kiabi-Europachefin Agnès Nikitsky gegenüber CH Media verkündet:
Das Sortiment umfasst Artikel für Damen, Herren, Jugendliche, Kinder und Babys. Offensichtlich ist, dass die Kleider farbenfroh sind.
Gegründet wurde Kiabi 1978 im Norden Frankreichs von Patrick Mulliez, dem Sohn des Unternehmers Gérard Mulliez, der die Supermarktkette Auchan ins Leben rief. Eigentümerin von Kiabi ist die Mulliez-Familienholding. Zuletzt generierte die Günstig-Mode in 24 Ländern einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro – ein Plus von 8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Kiabi zählt über 10'000 Angestellte, unter anderem in Europa, Südamerika und im Nahen Osten.
Negative Folgen für Umwelt und Hersteller
Das Unternehmen verfolgt eine Fast-Fashion-Strategie mit rasch wechselnden Sortimenten, wie Zara und andere Mode-Ketten. Dieser Ansatz wird regelmässig von Arbeitsrechts- und Umweltorganisationen kritisiert. Einerseits, weil die billigen Kleider für grosse Müllberge sorgen. Andererseits, weil sich der Preisdruck negativ auf die Arbeitsbedingungen bei den Zulieferern in Asien auswirkt.
Zunächst werde man sich auf die Romandie konzentrieren, sagt Nikitsky. Danach sei aber auch eine Expansion in die Deutschschweiz geplant. Zudem habe man bereits einen Onlineshop lanciert, der für alle Landesregionen zugänglich sei.
Allerdings ist der hiesige Günstig-Mode-Markt bereits hart umkämpft. Gemessen an der Anzahl Filialen ist die Schweizer Kette Chicorée mit rund 185 Standorten die Nummer 1. Dahinter tummeln sich Händler wie C&A mit rund 90 und H&M mit etwa 80 Filialen.
Diese spüren allesamt seit Jahren den Einkaufstourismus aufgrund des starken Frankens. Insbesondere aber setzt die Onlinekonkurrenz dem stationären Geschäft zu. So liegt umsatzmässig Zalando hierzulande an erster Stelle, gefolgt von H&M, Manor und C&A, wie Zahlen des Marktforschungsunternehmens Gfk aus dem Jahr 2024 zeigen.
Schmerzhaft ist aber auch die neue Konkurrenz aus China, namentlich der Onlinehändler Shein, mit dessen Ultrabillig-Preisen kaum ein physisches Geschäft, das Personal- und Mietkosten bezahlen muss, mithalten kann. Generierte der Schweizer Modemarkt laut Gfk im Jahr 2014 noch 9,6 Milliarden Franken, so waren es 2024 nur 7,4 Milliarden Franken.
Kiabi scheint dies egal zu sein: Nikitsky spricht von einem Angebot für die ganze Familie und alle Körperformen mit modischen und qualitativ guten Produkten zu günstigen Preisen. Dieses Konzept passe gut in die Schweiz. «Ausserdem wissen wir, dass bereits zahlreiche Schweizer Kundinnen und Kunden in unseren grenznahen Filialen einkaufen», sagt Nikitsky.
Decathlon, Müller, Action und Co.
Gegenüber der Freiburger Zeitung «La Liberté» kündigt Kiabi an, bis 2030 neun Filialen in der Westschweiz eröffnen zu wollen. Der Schweizer Länderchef Pierre-Gilles Botherel räumt ein, dass die hiesigen Preise über jenen in Frankreich liegen.
Dass die einst in den Hintergrund gerückte «Geiz ist geil»-Mentalität bei der Kundschaft wieder Hochkonjunktur geniesst, zeigen die Expansionspläne anderer ausländischer Billiganbieter, wie der niederländischen Discountkette Action, dem deutschen Drogerieriesen Müller oder der französischen Sportkette Decathlon. Auch der Schweizer Mode-Discounter Chicorée hat Ausbaupläne: Dieses Jahr sind fünf Neueröffnungen geplant.
Die grosse Schnäppchen-Show ist also in vollem Gang. Dies überrascht insofern nicht, als viele Haushalte mit steigenden Mietzinsen, explodierenden Krankenkassenprämien und ausbleibenden Inflationszahlungen ihres Arbeitgebers konfrontiert sind. (bzbasel.ch)

