Wirtschaft
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Fantastische Aussicht: Wer das Super-Chalet «Grace» mietet, blickt vom Salon aus auf Zermatt und das Matterhorn. Kochen muss hier niemand: Im Preis inbegriffen ist ein Service wie im Luxushotel. Bild: ultimateluxurychalets.com

Zermatt

Luxus-Logen erobern den Markt: Hotels leiden, weil Reiche ihre Chalets vermieten

Immer mehr Reiche vermieten ihre Luxuschalets im Alpenraum mit Hotelservice. Deshalb bieten nun auch Einheimische solche Ferienhäuser an, um das Geschäft nicht zu verlieren. Selbst dem Gemeindepräsidenten von Zermatt ist der Trend unheimlich.

roman seiler / aargauer zeitung

Ein Artikel der

Das ist der ultimative Luxus: Ferien machen wie zu Hause in der eigenen Villa. Ganz privat. Zum Service im gemieteten Chalet zählt: ein Butler, der einem jeden Wunsch von den Lippen liest. Nach dem Skifahren warten Champagner und Häppchen, dann ein Gourmet-Dinner und anschliessend Drinks aus der üppig bestückten Bar. Selbstverständlich bieten Fünf-Sterne-Chalets wie das «Grace» in Zermatt einen Wellnessbereich mit Sauna und ein Heimkino. Wer hier die Silvesterwoche bucht, zahlt 125'000 Franken.

Gefahr für die Hotellerie

Diese Art von Ferien ist in Zermatt mittlerweile in mehr als einem Dutzend Chalets und Ferienwohnungen möglich. Sie kosten bis zu 175'000 Franken pro Woche. Wohnen können in diesen Objekten meist mehr als zehn Personen. Solche mietbare Chalets und Ferienwohnungen im luxuriösen Alpine-Chic-Bereich seien ein wachsendes Zusatzangebot, sagt Marc Scheurer, Vizedirektor von Zermatt Tourismus: «Die Nachfrage dafür ist da. Es ist ein Vorteil für uns, dass wir sie auch abdecken können. Wenn dies langfristig funktioniert, ist dies gut für die Destination.»

Scheurer warnt aber auch: «Wir sehen darin aber auch eine gewisse Gefahr für die bestehende Hotellerie.» Diese teilweise «unheimlich luxuriös» eingerichteten Chalets seien eine Art «Boutique»-Hotels», sagt der Zermatter Gemeindepräsident Christoph Bürgin. Er warnt: «Sie nehmen den Familienhotels Gäste weg.»

Das erste Luxuschalet mit Hotelservice am Fuss des legendären Matterhorns war das «Peak». Bauen liess es der Engländer Paul Bowyer, der es für 18 Millionen Franken weiterverkaufen wollte. Als er keinen Abnehmer fand, vermietete er es ab 2010 an betuchte Gäste wie Frankreichs Fussball-Star Thierry Henri.

Auch Russen investieren in Chalets

Schliesslich soll Bowyer das «Peak» mit einem Gewinn an einen Russen abgetreten haben. Nachprüfen lässt sich das nicht. Im Grundbuch eingetragen ist die ZCP Chalet Zermatt Peak AG. Sie verfügt seit Juli 2013 über eine Hotelbewilligung. Das «Grace» gehört Anton Sushkevich aus Moskau. Das «Les Anges» besitzt ein gewisser Michael Tunney. Um Immobilien kaufen zu können, benötigen Ausländer eine Aufenthaltsbewilligung in der Schweiz oder einen Schweizer Geschäftssitz.

Einheimische befürchten, dass auf diese Art und Weise die Zweitwohnungsinitiative ausgehebelt werden könne. Immerhin entspricht es dem Anliegen des Initianten Franz Weber, dass auch derartige Immobilien nicht einfach als Zweitwohnsitz genutzt werden. Damit die Besitzer diese Luxusobjekte touristisch vermarkten können, benötigen sie in Zermatt eine Hotelbewilligung. Das gilt für alle Eigentümer, die nicht in ihren Zermatter Immobilien wohnen.

Um als solche «Betriebsstätte» anerkannt zu werden, müsse der Besitzer ein Betriebskonzept für ein Hotel vorlegen und das Angebot auf öffentlichen Buchungsplattformen anbieten, sagt Gemeindepräsident Bürgin. Die betriebliche Nutzung wird im Grundbuchamt eingetragen. Der Käufer muss nachweisen, dass er den Gewerbebetrieb weiterführt. Zudem gilt laut Bürgin: «In den Wohnungen oder Häusern darf der Besitzer keinerlei persönlich genutzte Möbel oder andere Einrichtungsgegenstände unterbringen.»

Mittlerweile gelten in Zermatt laut «Erstwohnungskataster» rund 15 Immobilien als «Gastgewerbe mit hotelmässigem Service». Tendenz steigend. Denn zunehmend steigen auch einheimische Hoteliers in dieses Geschäft ein. So hat der Architekt und Hotelier Heinz Julen ein dreistöckiges Chalet gebaut, das er seit letztem Dezember für 28 000 bis 70 000 Franken die Woche vermietet. Es verfügt über einen Whirlpool, der sich aufs Dach heben lässt. Verwöhnt werden sie vom Personal des Hotels «Backstage», das Heinz Julen gehört. Es verfügt über ein 15-Punkte-Restaurant, das Ivo Adam betreut. «Es gibt einen Markt für Chalets mit Catering», sagt Julen: «Wenn wir Einheimischen bei diesem Trend nicht mithalten, verlieren wir Gäste an Ausländer.»



Das sieht auch Ruedi Julen vom Viersterne-Hotel Europe so: «Luxus-Appartements sind ein Zukunftsmarkt.» Deshalb vermietet er seit Juli in seinem Appartementhaus «La Vue» sechs Wohnungen, darunter drei mit 200 und eine mit 300 Quadratmetern. Wer es wünscht, kann sich dort nicht nur das Frühstück, sondern auch das Nachtessen servieren lassen.

Wer in sein Hotel in den letzten Jahren nicht zünftig investiert hat, verliere kaufkräftige Kunden an die Luxuschalets. Dies bestätigt der Notar und Zermatter Burgerpräsident Andreas Biner: «Die Vier- und Fünfsterne-Hotellerie leidet unter dieser neuen Konkurrenz. Das tut weh.» Deren Eigner haben die Betreuung ihrer Zermatter Luxusobjekte an spezialisierte Firmen ausgelagert. Im «Peak» arbeiten im Winter acht Personen, darunter ein Koch, Service- und Reinigungspersonal. 12 bis 16 Wochen sei es in der Skisaison belegt, im Sommer sechs bis acht. Im Mai und im November ist es geschlossen.

Das «Grace» wird wie das «Les Anges» und das «Maurice» von der «Elysian Collection GmbH» mit bis zu 17 Angestellten betreut. Diese führt auch ein Chalet in Klosters. Im Winter seien die Chalets zu 80 Prozent belegt, im Sommer zu 50 Prozent, sagt Geschäftsführerin Angeline Davies. Sie würde gerne weitere Chalets betreuen: «Beispielsweise in St.Moritz oder in Davos.»

Bündner machen es anders 

Angebote gibt es. Gemäss Immobilienexperten gibt es immer mehr Ferienheimbesitzer, die ihre Luxusobjekte in Schweizer Nobel-Kurorten vermieten. Auf den Websites einschlägiger Vermarktungsfirmen finden sich Dutzende von Luxusresidenzen mit vollem Hotelservice. Um im Kanton Graubünden ein Ferienhaus- oder eine -wohnung mit Servicedienstleistungen zu vermieten, braucht ein Besitzer keine Hotelbewilligung. 

Was im Kanton Graubünden laut dem kantonalen Grundbuchinspektor Ludwig Decurtins nicht geht: «Man kann keine Villa in eine Betriebsstätte umfunktionieren und sie dann an einen Ausländer verkaufen.» Wer eine hotelmässige Dienstleistung anbieten wolle, müsse im Kanton Graubünden mindestens 30 Wohneinheiten haben: «Dann lässt sie sich auch wirtschaftlich betreiben. Zudem muss die Anlage auch über einen eigentlichen Hoteltrakt verfügen.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • christianlaurin 10.09.2014 15:47
    Highlight Highlight Ein hotel ist wie ein Flieger. Ja mann kann erste klasse kaufen, aber man sei nicht schneller or flexibler als der Person im coach. Da fragt man sich warum? Ein privat Jet ist fast so teuer wie eine erste klasse billet. Aber dafuer kann ich fliegen wann und wie ich will. Genau so ist eine private villa!

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