Wirtschaft
Schweiz

Chevron erhält den ultimativen Public-Eye-Schmähpreis

Bild
Bild: JOSHUA LOTT/REUTERS
WEF 2015

Chevron erhält den ultimativen Public-Eye-Schmähpreis

Chevron hat am Freitag in Davos den Schmähpreis «Public Eye Lifetime Award» für verantwortungsloses Unternehmertum verliehen bekommen. In einer Online-Abstimmung erhielt der US-amerikanische Erdölkonzern mehr als die Hälfte der Stimmen.
23.01.2015, 15:1824.01.2015, 09:30

Zehn solche Schmähpreise hat das Public Eye in den letzten Jahren in Davos vergeben. Bei der elften und letzten Preisverleihung standen auch die Unternehmen Dow Chemical, Gazprom, Glencore, Goldman Sachs und Walmart zur Wahl, alles frühere Gewinner des Public Eye Awards. Der Ölgigant sei aber von der Internet-Gemeinde klar gewählt worden wegen seiner Weigerung, Verantwortung in einer der schlimmsten Umweltkatastrophen zu übernehmen.

In der Kritik steht Chevron wegen der Umweltzerstörung, die das Unternehmen bei der Förderung von Erdöl im Regenwald im Norden von Ecuador angerichtet hat. Chevron weigere sich noch immer, die 9,5 Milliarden Dollar zu zahlen, zu welchen es verurteilt worden war, sagte Paul Paz von der Organisation Amazon Watch am Freitag in Davos. Das Geld ist für die Behebung von Umweltschäden und für die Revitalisierung zerstörter Gebiete vorgesehen.

Seit 20 Jahren wende das Unternehmen alle möglichen Tricks an, um den Gang des Verfahrens zu verzögern. Das Leiden von 30'000 Personen werde dadurch verlängert. Amazon Watch will den Schmähpreis am Sitz des Unternehmens in Kalifornien übergeben.

An der Preisverleihung, die gleichzeitig Abschiedszeremonie war, trug die Netzkunst- und Kommunikationsguerilla-Gruppe «The Yes Men» ihr «Requiem für das WEF» vor. Die Botschaft der Aktion: Öffentlich-private Partnerschaften sind keine Lösung, sondern ein Teil des Problems.

Zehn Jahre Public Eye Award: Von Walmart bis Chevron

1 / 27
Zehn Jahre Public Eye Award: Von Walmart bis Chevron
2015: Lifetime Award Chevron
quelle: x01971 / joshua lott
Auf Facebook teilenAuf X teilen

Gegenöffentlichkeit zum WEF

Das Public Eye in Davos ist 2000 von der Erklärung von Bern (EvB) und internationalen Partnerorganisationen wie Friends of the Earth (FoE) lanciert worden. Ziel war es, mit einem alternativen Forum eine «Gegenöffentlichkeit» zum elitären WEF-Zirkel zu schaffen und dessen fehlende demokratische Legitimation anzuprangern. Gleichzeitig diente die Veranstaltung als Protestplattform für alle, die nichts mit den Strassenschlachten jener Zeit zu tun haben wollten.

2005 wurde die Konferenz durch das «Naming and Shaming»-Konzept mit dem Public Eye Award ersetzt. Damit rückte das Thema Unternehmensverantwortung ins Zentrum der Diskussion, was den Kernanliegen der Trägerorganisationen EvB und Greenpeace ohnehin besser entsprach.

Beide gehören zur 2011 lancierten NGO-Koalition «Recht ohne Grenzen». Diese fordert, dass Schweizer Unternehmen in der Schweiz für im Ausland begangene Menschenrechtsverletzungen oder Umweltverstösse zur Rechenschaft gezogen werden können.

Da sich inzwischen Bundesrat und Parlament dem Thema angenommen haben und zudem eine Volksinitiative lanciert werden soll, erübrigt sich für die Organisationen die Präsenz in Davos. «Unsere Argumente sind auf der nationalen politischen Agenda angekommen», sagte EvB-Sprecher Oliver Classen der sda. (sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Jacques Moretti wurde auch in der Schweiz bereits verurteilt – die Sonntagsnews
Mängel bei den Ermittlungen zur Brandkatastrophe in Crans-Montana, eine Verurteilung des Barbetreibers im 2016 und die Walliser Staatsanwaltschaft an der Kapazitätsgrenze: Das findet sich in den Sonntagszeitungen.
Akten zur Strafuntersuchung zum Brand von Crans-Montana VS haben laut der «NZZ am Sonntag» grosse Mängel bei den Ermittlungen aufgezeigt. Unter anderem seien die Smartphones der Betreiber der Bar erst acht Tage nach der Katastrophe beschlagnahmt worden, wie die Zeitung gestützt auf Ermittlungsakten schrieb. Die Staatsanwaltschaft habe die Mitglieder der Walliser Behörden zudem mit Samthandschuhen angefasst, urteilte die Zeitung. Der Sicherheitschef der Gemeinde habe zwei Tage nach dem Brand persönlich Dokumente zur Bar bei der Staatsanwaltschaft abliefern dürfen – obschon er sich in einem Interessenskonflikt befinde. Die Akten bestätigen laut der Zeitung zudem, dass die Staatsanwaltschaft offenbar die Autopsie der Opfer vergessen hatte. Die Dokumente lassen laut der «NZZ am Sonntag» weiter darauf schliessen, dass die Wohnung der Barbetreiber nicht durchsucht worden ist. Die Staatsanwaltschaft und die Anwälte der Barbetreiber nahmen demnach keine Stellung.
Zur Story