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Schweizer Kioske verkaufen deutsches Nazi-Magazin



Ausgerechnet im Jubiläumsjahr des Zweiten Weltkrieges verkauft die Valora AG an grösseren Bahnhöfen Zeitschriften, welche die Waffen-SS verherrlichen, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. Dem Bericht zufolge tragen sie den unverdächtigen Namen «Zeitgeschichte», zeichnen aber ein sehr fragwürdiges Bild der Geschichte des Zweiten Weltkrieges. 

In Rubriken wie «an den Fronten» oder «Heimatfront» wird die Waffen-SS positiv dargestellt. Der Versailler Frieden wird im Heft konsequent als «Versailler Diktat» bezeichnet und die Bombardements der Alliierten werden «Bomben-Terror» genannt. Kriegsverbrechen sind zwar auch Thema. Allerdings nur auf der Seiten der Nazi-Gegner. Chefredaktor Guido Kraus kritisiert etwa Hollywood, weil Brad Pitt in seinem neuen Film Fury sich ohne Rücksicht auf die Genfer Konvention durch die deutschen Reihen schiesse.

Der Kiosk der zur Valora Gruppe gehoerenden ''k kiosk'' , im Bahnhof Bern, am Montag, 10. November 2014 in Bern. Der Handelskonzern Valora uebernimmt mit Naville (LS Distribution Suisse) den groessten Kioskbetreiber und Pressegrossisten der Westschweiz, wie das Unternehmen am Montag, 10. November 2014 bekannt gab. Mit den 175 Verkaufsstellen von Naville will Valora ihr Kiosk- und Conveniencegeschaeft auf die gesamte Schweiz ausdehnen. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Das Magazin kann man an Schweizer Kiosken kaufen. Bild: KEYSTONE

Recherchen der «Schweiz am Sonntag» zeigen nun, dass die Hefte auf den bekannten deutschen rechtsextremen Verleger Dietmar Munier zurückgehen. Laut dem deutschen Jahrbuch Extremismus und Terrorismusforschung sah Munier mit der Übernahme der Zeitschrift die Chance, Leute ausserhalb seiner rechtsextremen Kreise erreichen zu können.

Valora: «Wir zensieren nicht»

Die Valora AG, welche die Hefte in ihren «Press & Books»-Läden verkauft, schreibt auf Anfrage, sie wolle ihren Kunden «ein möglichst grosses Angebot an Publikationen» anbieten und zensiere nicht. Sie schiebt die Verantwortung an die Vertriebsgesellschaft «7 Days Media» ab. Diese ging letztes Jahr durch Verkauf aus der Valora-eigenen Vertriebsgesellschaft hervor. 

«7 Days Media»-Geschäftsführerin Nicole Mrotzek gibt den Ball weiter an die Verlage. «Wir sind grundsätzlich nicht befugt, eine Zensur vorzunehmen», sagte sie der «Schweiz am Sonntag». Jeder Verlag kann über «7 Days Media» Hefte an die Valora-Kioske bringen, sofern der Inhalt legal ist. Rechtlich ist am Heft «Zeitgeschichte» nichts zu beanstanden. 

Explizite Holocaust-Leugnung oder Ähnliches findet nicht statt. Ein Leitfaden von «7 Days Media» weist Verleger aber auch auf «ethische Bestimmungen» hin. Genauer definiert sind diese Kriterien hingegen nicht. Für Muniers SS-Hefte waren sie kein Hindernis. Sie stehen jeweils im halben Dutzend im Regal von grösseren «Press & Books»-Läden. Valora könnte das Heft selbst aus dem Sortiment nehmen, bestätigt Mrotzek gegenüber der «Schweiz am Sonntag». (rey)

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