Wirtschaft
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A sign is pictured at the Swiss French border with town of Ferney Voltaire in Le Grand-Saconnex near Geneva February 10, 2014. Swiss voters on Sunday narrowly backed proposals to reintroduce immigration quotas with the European Union, Swiss television reported - a result that calls into question bilateral accords with the EU and could irk multinational companies. The sign reads

Die Schweiz sollte ihre Handelsgeschäfte auf die umliegenden Länder konzentrieren. Bild: Reuters

AUSSENHANDEL

Warum reisen unsere Bundesräte nach China? Die Schweiz verdient jeden fünften Franken bei ihren Nachbarn

Gleich fünf Bundesräte reisten in den letzten Monaten nach China. Und auch Russland oder Brasilien sind heiss begehrte Partner. Dabei müssten unsere Magistraten eigentlich nach Innsbruck, Stuttgart oder Mailand pilgern.



Ein Artikel der Aargauer Zeitung

Stefan Schmid, die nordwestschweiz

Europa ist out – Grossmächte und aufstrebende Schwellenländer sind in. Zu diesem Schluss kommt, wer die Reisetätigkeit der Bundesräte in den vergangenen zwölf Monaten studiert. Fünf Bundesräte machten sich etwa auf nach China. Das Resultat ist ein Freihandelsabkommen mit dem Reich der Mitte.

Auch Russland wird im Rahmen einer zelebrierten Freundschaft regelrecht bezirzt. Ohne den Konflikt in der Ukraine stünde ein Freihandelsabkommen zwischen den Efta-Staaten und Moskau kurz vor dem Abschluss. Brasilien und Indien als grosse, bevölkerungsreiche Nationen folgen auf den nächsten Plätzen der zukunftsträchtigen Märkte. Wer da nicht präsent ist, verliert den Anschluss.

Baden-Württemberg ist zentral

Gewiss: Das Handelswachstum mit diesen Ländern ist eindrücklich und Entwicklungspotenzial zweifellos vorhanden. Allerdings ist das Ausgangsniveau nach wie vor bescheiden. Die grossen, aufstrebenden Staaten sind für die Schweiz wirtschaftlich meist weniger wichtig als unsere verhältnismässig kleinen, direkten Nachbarregionen, wie Zahlen des Staatssekretariats für Wirtschaft zeigen.

Das eindrücklichste Beispiel ist das deutsche Bundesland Baden-Württemberg. Das Handelsvolumen zwischen den schwäbischen Nachbarn und der Schweiz ist ungefähr gleich gross wie dasjenige mit der weltgrössten Volkswirtschaft USA. Und es ist drei Mal so gross wie mit Brasilien, Russland und Indien zusammen.

epa04144572 A straw Easter bunny is on display at the straw sculpture festival in Ludwigsburg, Germany, 28 March 2014. The straw sculpture festival runs until 27 April.  EPA/SEBASTIAN KAHNERT

Die Schweiz macht gute Geschäfte mit den schwäbischen Nachbarn. Hier zu sehen: ein Strohskulpturenfestival in Ludwigsburg.  Bild: EPA/DPA

Das hat historische Gründe: Die süddeutschen Alemannen und die Deutschschweizer waren sich – bei aller Rivalität – sprachlich, kulturell und von der Mentalität her schon immer sehr nahe. Das hat den Austausch über den Rhein begünstigt. In der Ostschweiz etwa waren die Handelspartner auf der anderen Seite des Bodensees während Jahrhunderten wichtiger als die Miteidgenossen westlich von Zürich. Entsprechend schwer tat man sich dort im 19. Jahrhundert mit der Einführung des Schweizer Frankens und des in Bern konzipierten schweizerischen Binnenmarkts.

Tirol vor Russland

Doch auch die norditalienischen Regionen sind eminent wichtige Handelspartner für unser Land. Insbesondere die Lombardei und das Piemont sind hervorragende Kunden und Verkäufer. Der Austausch mit der Grossregion Mailand-Turin ist grösser als jener mit China und fast doppelt so gross wie mit der ostasiatischen Wirtschaftsmacht Japan. Russland (144 Millionen Einwohner), Brasilien (rund 200 Millionen) oder der 1.2-Milliarden-Staat Indien sind im Vergleich dazu Peanuts.

NOVARA, ITALY - May 2:  A farmer checks the reservoir of seeds during the sowing of rice in a flooded paddy field on May 2, 2013 in Novara, Italy. With a production of over 40 million tons, Italy is the largest producer of rice in Europe. The cultivation is mainly concentrated in Piemonte and Lombardia, with a unique production of 150 different varieties of rice. In Italy the culture period runs from the end of March until the end of October. (Photo by Giorgio Cosulich/Getty Images)

Italien ist der grösste Reisproduzent von Europa. Bild: Getty Images Europe

Selbst die kleinen österreichischen Bundesländer Vorarlberg (376 000 Einwohner) und Tirol (715 000) sind wichtig. Das Handelsvolumen zwischen der Schweiz und Tirol etwa ist grösser als jenes mit Russland oder Brasilien. Dem Bundesland wird aber nicht ein Bruchteil der Aufmerksamkeit geschenkt, die Moskau und Brasilia zuteil wird.

Kantonale Angelegenheit

Die Zahlen zeigen, wie entscheidend für das wirtschaftliche Gedeihen der Schweiz die unmittelbaren Nachbarregionen sind. Zusammen machen sie gut 21 Prozent des gesamten Aussenhandels aus. Die vier grossen Nachbarstaaten Deutschland, Frankreich, Italien und Österreich haben gar einen Anteil von 44 Prozent, die EU insgesamt von gut 60 Prozent am schweizerischen Aussenhandel, der sich 2012 laut der eidgenössischen Zollverwaltung auf knapp 400 Milliarden Franken belief.

Trotz dieser Bedeutung der Nachbarschaft kümmert sich Bundesbern nicht prioritär um diese Beziehungen. Bundesrätliche Reisen nach Peking und New Delhi sind prestigeträchtiger als ein Abstecher nach Innsbruck, Mailand oder Lyon. Es gibt im Aussendepartement zwar eine Dienststelle, die sich um die grenzüberschreitende Zusammenarbeit kümmert; doch grundsätzlich ist die Nachbarschaftspolitik Sache der Kantone. Bundesräte treffen selten politische Vertreter der Nachbarregionen. Einzige Ausnahme ist Baden-Württemberg, dessen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann in Bern ein grosser Empfang bereitet wurde.

Die Zahlen zeigen schliesslich auch, wie wichtig ein geregeltes Verhältnis sowohl mit den Nachbarstaaten als auch mit der EU ist. Es liegt auf der Hand, dass eine Zerrüttung mit Brüssel negative Auswirkungen auf diese Handelsströme hätte.

Umfrage

Fokussiert die Schweiz zu stark auf exotische Handelspartner?

30

  • Ja33%
  • Nein53%
  • Weiss nicht7%

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4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • papparazzi 07.04.2014 12:21
    Highlight Highlight Lernt alle chinesisch... wir werden es in Zukunft brauchen können. ut (dp)
  • Zeit_Genosse 05.04.2014 15:34
    Highlight Highlight Danke für die Zurechtrückung der Bedeutung und Zahlen zu unseren freundschaftlichen Nachbarsländer und wichtigsten Handelspartner. Dass sich die BR nach der MEI vor den Europäern verstecken ist doppelt tragisch. Gerade jetzt sind Beziehungen wichtig. Die Schweiz hat nicht nur Gegner in Europa, sondern viele Freunde. Diesen jetzt die kalte Schulter zu zeigen und lange Reisen zu Staaten machen, die mit Menschenrechten fragwürdig umgehen, und dann mit diesen Geschäfte zu treiben (als Ersatz für Europahandel) führt die Schweiz weiter ins Abseits. Ich bin für einen multilateralen Weg. Doch der führt zu erst zu den Freunden und Nachbarn in Europa und dann in die Welt hinaus. Die EU hat nichts gegen die Schweiz. Mit der MEI hat die Schweiz selbst eine erklärungsbedürftige Situation geschaffen, die rasch geklärt werden soll, damit Freunde weiterhin Freunde bleiben und man sich nicht Feinde als neue Freunde suchen muss.
    • Nicoscore 08.04.2014 15:11
      Highlight Highlight Nur weil die Schweiz sehr viel Wert auf Beziehungen zu anderen, wirtschaftlich aufkommenden Staaten legt, zeigt man meiner Meinung nach noch lange niemandem die kalte Schulter. Diese Staaten sind für die Schweiz sehr interessant, und deshalb finde ich die Bundesratsbesuche in Ordnung.
  • Donald 05.04.2014 13:16
    Highlight Highlight Sicher mehr als jeder 5. Franken! Das wären ja nur 20%.

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