Wirtschaft
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Ein Sofa zur Miete gefällig? Ikea und Co. wollen Möbel auch vermieten

Einzelne Möbelgeschäfte lancieren in der Schweiz das Möbel-Abo. Damit wollen sie Expats, Studenten oder Firmen ansprechen.

Gabriela Jordan / ch media



epa04354596 Activists from Dutch trade union FNV inform customers of IKEA about the alleged poor working conditions for the drivers of the retail in Haarlem, The Netherlands, 15 August 2014. The joint action of the trade unions FNV and BTB Belgium invited shoppers to send an email to IKEA to voice their concern. According to the unions, mostly Eastern European IKEA drivers are allegedly  being exploited  EPA/REMKO DE WAAL

Bald soll man bei Ikea die Möbel auch mieten können. Bild: EPA/ANP

Sharing-Konzepte haben in der Wirtschaft bereits viele Sektoren auf den Kopf gestellt: Der Streamingdienst Netflix die Filmbranche, der Fahrdienstvermittler Uber die Taxibranche oder der ZimmervermittlerAirbnb die Hotellerie.

Die Devise «Nutzen statt besitzen» entspricht dem Zeitgeist – und wird nun auch von Möbelhändlern aufgegriffen. Vereinzelte Unternehmen planen, Möbel auf Mietbasis anzubieten. Bereits lanciert wurde das «Möbel-Abo» von der Firma Beliani in Baar ZG. Seit Anfang September kann man bei ihr Lampen, Betten oder Teppiche für mindestens zwei Jahre mieten. Auch das schwedische Möbelhaus Ikea testet momentan verschiedene Abo-Optionen.

«Der Markt für Möbelvermietung war in der Schweiz bisher ein Nischenmarkt, während diese Art von Möblierung zum Beispiel in den USA schon lange bewährt ist.»

Vollkommen neu ist das Möbel-Abo allerdings nicht. Die im Kanton Bern ansässige Firma Packimpex, die auf internationale Umsiedlungen spezialisiert ist, bietet solche Abos schon seit Jahren an – auch unter einer Vertragsdauer von zwei Jahren.

Zur Auswahl stehen dort in erster Linie bereits zusammengestellte Zimmerpakete. «Der Markt für Möbelvermietung war in der Schweiz bisher ein Nischenmarkt, während diese Art von Möblierung zum Beispiel in den USA schon lange bewährt ist», sagt Bereichsleiter Ahmad Touhami.

Expats, Firmen und Studenten

Dass nun auch Möbelgeschäfte in den Markt drängen, sieht Touhaminicht als Problem. «Dies kann zu einer Steigerung der Aufmerksamkeit für das Thema führen und auch für uns Wachstumspotenziale mit sich bringen.»

Bereits in den vergangenen Jahren sei der Markt für Möbelvermietung gewachsen. Er führt dies aber weniger auf den Nachhaltigkeitstrend als auf Veränderungen in der Arbeitswelt zurück. Zu den wichtigsten Kunden gehören nämlich Geschäftsleute. «Wir beobachten einen Rückgang der klassischen Expats, dafür eine Zunahme kurzer, projektbezogener Auslandeinsätze.»

«Unsere erste Erkenntnis ist, dass das Möbel-Abo auf grosses Interesse stösst.»

Nebst Geschäftsleuten sind auch Studenten, Firmen oder trendgetriebene Konsumenten als Zielgruppe denkbar. Beliani sucht derzeit die besten Kundensegmente. Dabei hat sich ein grundsätzliches Problem gezeigt: «Unsere erste Erkenntnis ist, dass das Möbel-Abo auf grosses Interesse stösst – leider aber vor allem bei Leuten, welche die Kosten nicht auf einmal aufbringen können und daher die Bonitätsprüfung nicht bestehen», sagt Co-Geschäftsführer Stephan Widmer.

Doch auch bei solventen Kunden sei die Nachfrage zum Glück vorhanden. Widmer bezeichnet das Möbel-Abo daher als «sehr interessantes Experiment», das aber noch seine Tücken hat. Bislangmacht das Angebot drei Prozent des Gesamtumsatzes von Beliani aus.

In der Experimentierphase ist auch Ikea. Das Möbelhaus wollte das Möbel-Abo ursprünglich bereits im Sommer lancieren, musste seine Pläne aufgrund mangelnder Kunden aber verschieben, wie Branchenkenner verlauten lassen.

Aktuell wertet das Möbelhaus Tests aus, mit denen es in mehreren Ländern die Attraktivität des Angebots untersucht hatte. Bisherige Erkenntnisse: Junge sprechen gut auf das Angebot an. Kunden wollen aus gleich vielen Produkten wie beim Kauf auswählen können.

Innovation oder reine Marketingaktion?

Ob bald weitere Möbelhändler ins Abo-Business einsteigen ist offen. Micasa und Livique, die Tochterfirmen von Migros und Coop, geben sich zurückhaltend. Sie werten die neue Entwicklung als positiv, planen aktuell aber kein konkretes Projekt. Kritischer klingt es bei der Schubiger Möbel AG, welche das Mietangebot als reine Marketingaktion bezeichnet.

Aus ihrer Sicht ist es nichts anderes, als eine Ratenzahlung der Möbel inklusive Lieferung, Montage und Entsorgung. Dem widersprechen Ikea und Beliani. Die Händler verweisen auf die Vorteile der Kreislaufwirtschaft und die Idee, dass die Möbel nach Ablauf der Vertragsdauer wieder zurückkommen. Bei Beliani etwa werden sie auf Ricardo versteigert oder gespendet.

So oder so tun Möbelhändler gut daran, Trends zu ihrem Vorteil zu nutzen. In den letzten Jahren war der Schweizer Markt von Kaufkraftabflüssen ins Ausland geplagt. 2018 konnte er sich mit einem Umsatzminus von nur einem Prozent einigermassen halten. Diesen September waren Möbel aber rund 13 Prozent günstiger als noch zehn Jahre zuvor. (aargauerzeitung.ch)

So sah IKEA-Werbung aus, bevor sie cool sein wollte ...

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    Alle Leser-Kommentare
  • wolge 17.10.2019 16:19
    Highlight Highlight Also wennschon dann bitte Pay per Use... Jedes mal wenn ich auf das Sofa sitze kostet es 5.- 😝
  • meerblau 17.10.2019 09:49
    Highlight Highlight „ Die Händler verweisen auf die Vorteile der Kreislaufwirtschaft und die Idee, dass die Möbel nach Ablauf der Vertragsdauer wieder zurückkommen. Bei Beliani etwa werden sie auf Ricardo versteigert oder gespendet.“

    Also wenn das die bessere Alternative sein soll, sehe ich keinen Vorteil gegenüber der heutigen Praxis ‚kaufen-nutzen-weiterverkaufen‘. Da unterstellt Beliani dem Otto Normalo höchstens, dass er selber noch nicht auf die Idee gekommen sei, seine Möbel bei Bedarf und gutem Zustand zu verkaufen oder spenden.
  • Chääschueche 17.10.2019 08:53
    Highlight Highlight Wers nötig hat 🤷‍♀️

  • Digitalrookie 17.10.2019 05:32
    Highlight Highlight Wenn ich jeweils am Montagmorgen all die fleckigen Sofas mit "Gratis zum Mitnehmen"-Zetteln am Strassenrand stehen sehe, dann setze ich doch lieber auf meine eigenen Möbel. Manchmal will ich gar nicht wissen, aus welchen Hinterlassenschaften solche Flecken genau bestehen. Sofa-Sharing? Gruselt mich in etwa gleichernassen wie Kleider aus dem Brocki...
    • glass9876 17.10.2019 07:08
      Highlight Highlight Ich hoffe für dich, dass dir bei einem Besuch bei Freunden nie ein Platz auf dem Sofa angeboten wird!
    • auloniella 17.10.2019 09:14
      Highlight Highlight Kleider aus der Brocki kannste allerdings waschen und dann ist sicher alle im grünen Bereich.

      Bei Möbeln kann man die Polster ebenfalls reinigen, eine genaue Untersuchung auf Bettwanzen ist aber sicher angezeigt.
      Nicht gebraucht kaufen würde ich Matratzen, das ist mir das Risiko zu hoch was einzuschleppen.

      Zur Idee von Ikea frage ich mich aber schon wie sie die Hygiene gewährleisten wollen...

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