Wirtschaft
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Globetrotter Schweizer Reiseunternehmen

Der Reiseunternehmer Globetrotter wird von der Corona-Pandemie hart getroffen. Nun sollen die Mitarbeitenden selbst entscheiden, wer gehen muss und wer bleiben darf. Bild: keystone-sda

Bei Globetrotter müssen sich Mitarbeitende selbst entlassen: Das sagen Experten dazu

Das Schweizer Reiseunternehmen Globetrotter muss aufgrund der Corona-Pandemie 4 von 21 Filialen schliessen. Wer dabei entlassen wird, sollen die Mitarbeitenden selbst entscheiden. Als «Akt purer Feigheit» bezeichnet Arbeitspsychologe Theo Wehner das Vorgehen des Reisebüros.



Die Reisebranche wird hart von der Corona-Pandemie getroffen. Das Schweizer Reiseunternehmen Globetrotter rechnet mit einem Umsatzeinbruch von 70 bis 80 Prozent. 4 von 21 Filialen werden geschlossen.

Doch anstatt dass das Management um Globetrotter-Chef Dany Gehrig die Kündigungen ausspricht, sollen die Mitarbeitenden selbst entscheiden, wer gehen muss und wer bleiben darf. Die Firma werde neu nach dem Prinzip der Soziokratie geführt, so Gehrig gegenüber dem «Tages-Anzeiger».

In einem Nominationsverfahren, bei dem die Mitarbeitenden vor dem eigenen Team und den Vorgesetzten für ihren Job werben müssen, soll entschieden werden, wer gehen muss. «Hätte ich Schliessungen und den Abbau einfach vorgegeben, hätte ich neun Monate lang Widerstand an allen Fronten gehabt», begründete Globetrotter-Chef Gehrig den Entscheid.

watson hat mit zwei Expertinnen für Arbeitspsychologie gesprochen und gefragt, was sie von diesem Entscheid halten.

Theo Wehner

Emeritierter Professor an der ETH Zürich für Arbeits- und Organisationspsychologie

Mir kam als erstes ein Zitat von Berthold Brecht in den Sinn: «Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Schlächter selber.»

Es gibt wenig Argumente gegen soziokratische Strukturen in einem Unternehmen. In Betrieben, wo es viele Aufgaben gibt, wo Probleme gelöst werden müssen, da macht es Sinn, die Mitarbeitenden in den Entscheidungsprozess miteinzubinden. Personalentscheidungen sind und bleiben aber Aufgabe vom HR und vom CEO.

Diese Entscheidung auf die Mitarbeitenden abzuwälzen, ist ein Akt purer Feigheit. Ich bin der Meinung, dass der CEO damit seine Sorgepflicht verletzt. Wir arbeiten alle, um unsere Existenzen zu sichern. Man kann die Mitarbeitenden nicht untereinander darum kämpfen lassen und es auch noch als gute Entscheidung propagieren. Das ist zynisch. Jene Angestellten, die introvertierter sind und nicht gerne die Ellbogen ausstrecken, sind dabei ganz klar die Verlierer.

Petra Schmid

Assistenzprofessorin für Organisationverhalten und Arbeitspsychologie an der ETH Zürich

Soziokratie funktioniert, wenn es darum geht, gemeinsam als Unternehmen Ziele zu formulieren oder Verantwortungen aufzuteilen. Bei Globetrotter werden die Mitarbeitenden vom Chef jedoch dazu aufgefordert, gemeinsam Leute auszuschliessen.

Schwierige Entscheidungen und Krisenmanagement sind klar Aufgabe der Unternehmensleitung. Nur weil eine Entscheidung oder die Folgen davon schwierig zu handeln sind, sollte sie nicht auf die Mitarbeitenden abgewälzt werden. Das ist die falsche Motivation um soziokratische Unternehmensstrukturen einzuführen.

Es ist nachvollziehbar, dass bereits einige Leute von sich aus gekündigt haben. Zum einen treffen viele solche Entscheidungen generell lieber selber. Hier kommt dazu, dass es einem persönlich schwer treffen kann, wenn einem das ganze Team kündigt. Spricht ein Chef eine Kündigung aus, dann bezieht sich der damit womöglich verbundene Unmut nur auf eine Person.

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