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US-Hedgefonds kann nicht zahlen – Credit Suisse droht wieder Verlust-Geschäft



Thomas Gottstein will f

Credit Suisse-Chef Thomas Gottstein Bild: sda

Die Credit Suisse muss nach der noch laufenden Greensill-Affäre bereits einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Wegen Zwangsverkäufen eines Hedgefonds droht der zweitgrössten Schweizer Bank nämlich ein hoher Verlust. Die CS-Aktie geriet entsprechend stark unter Druck.

Ein bedeutender Hedgefonds mit Sitz in den USA sei in der vergangenen Woche den Margenforderungen der Credit Suisse und einiger anderer Banken nicht nachgekommen, teilte die Bank am Montag mit. Credit Suisse sei zusammen mit den anderen Banken nun dabei, sich aus diesen Positionen zurückzuziehen. Obwohl es zum jetzigen Zeitpunkt noch verfrüht sei, die genaue Höhe des Verlustes daraus zu beziffern, könnte er «sehr bedeutend und wesentlich» für das Ergebnis des ersten Quartals sein.

Details noch nicht bekannt

Genauere Details wollte die Bank auch auf Anfrage nicht bekannt geben. Man werde «zu gegebener Zeit» ein Update in dieser Angelegenheit geben, hiess es. Laut diversen internationalen Finanzmedien handelt es sich bei dem US-Hedgefonds um Archegos Capital, ein Family Office von Bill Hwang mit einem geschätzten Vermögen von rund 10 Milliarden Dollar.

Archegos hat laut den Berichten mit viel Fremdkapital auf steigende Technologieaktien gesetzt. Nachdem diese zuletzt aber stark gelitten hatten, kam der Hedgefonds wohl unter Druck von Banken, die ihre Kredite zurückhaben bzw. zusätzliche Sicherheiten haben wollten. Da Archegos diesen sogenannten Nachschussforderungen (Margin Calls) offenbar nicht nachkommen konnte, haben die an den Krediten beteiligten Banken die Sicherheiten in Form von Aktien verkauft. Die Rede ist in einem solchen Fall von Zwangsverkäufen. Gemäss dem Finanzmedium Bloomberg musste Archegos so letzte Woche Aktien im Wert von 20 bis 30 Milliarden US-Dollar veräussern.

Die CS ist mit ihren Verlusten nicht allein. Neben ihr warnte am Montag etwa auch die japanische Bank Nomura vor einem «signifikanten» potenziellen Verlust und schätzte die Höhe der Forderung auf ca. 2 Milliarden US-Dollar, basierend auf den Marktpreisen vom letzten Freitag. Zu den betroffenen Banken gehören laut den Medienberichten aber auch Goldman Sachs, Morgan Stanley, Deutsche Bank und UBS, die alle als Prime Broker für Archegos tätig waren. Ob bzw. wie weit die UBS in den Fall involviert ist, wollte sie auf Anfrage von AWP nicht kommentieren.

Auch die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma beschäftigt sich mit dem Fall. Man sei von der CS informiert worden und stehe mit ihr - wie in solchen Fällen üblich - in Kontakt, hiess es auf Anfrage von AWP.

Aktie seit Anfang März stark unter Druck

Die CS-Aktie büsste am Montag massiv an Wert ein. Kurz vor Mittag verlor das Papier knapp 14 Prozent auf 10,75 Franken, im Tief lag das Minus bei fast 15 Prozent. Händler verwiesen vor allem auf die grossen Unsicherheiten. «Noch ist unklar, wie hoch die Verluste und wie gross die Probleme sind», sagte einer. Und da die Anleger sich vor solchen Unsicherheiten scheuten, würden die CS-Papiere heute in grösserem Stil aus den Portefeuilles geworfen.

Analysten hielten sich angesichts der noch vielen Unklarheiten mit Kommentaren noch zurück. Man werde vermutlich in den nächsten Tagen oder Wochen von den Auswirkungen des erzwungenen Schuldenabbaus auf eine Reihe von Banken hören, hiess es bei der Bank Vontobel. Die ZKB gab ihre Kommentar angesichts der diversen Verluste in jüngster Zeit einen leicht sarkastischen Ton: Man sei fast geneigt, den alten Spruch zu zitieren, dass die Bank erst kein Glück gehabt habe und dann auch noch Pech dazu gekommen sei, meinte der zuständige Analyst.

Milliardenverluste

Nach einem sehr starken Start ins Jahr sind die CS-Papiere mittlerweile wieder unter den Vorjahresstand gefallen. Vor dem heutigen Kursverfall hat vor allem die sogenannte Greensill-Affäre die CS-Papiere ab Anfang März stark belastet. Die Finanzgesellschaft Greensill Capital, die mittlerweile Pleite ist, hat Lieferkettenfinanzierungen angeboten und verbrieft. Diese wiederum hat die CS in Form sogenannter Supply Chain Fonds vielen ihrer reichen Kunden angeboten.

Die Fonds, die mittlerweile geschlossen sind, hatten noch Anfang März ein Volumen von 10 Milliarden US-Dollar, nun zeichnet sich aber ein Ausfall in Milliardenhöhe für die Investoren ab. Die Rede ist von 1 bis 2 Milliarden US-Dollar nach Abwicklung der Fonds.

Die CS muss sich dabei überlegen, ob sie zumindest einen Teil der Ausfälle selbst übernehmen will, um ihre Kunden nicht zu stark zu verärgern und den Reputationsschaden möglichst in Grenzen zu halten. Für die CS könnte also auch diese Angelegenheit teuer werden. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete kürzlich unter Berufung auf Insider von Überlegungen der Bank, bis zu 50 Prozent der Ausfälle selbst zu übernehmen. (aeg/awp/sda)

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Kommentar

Was zum Teufel ist mit der CS los?

Innert Wochen ist die Schweizer Grossbank in zwei üble Finanzskandale verwickelt. Es drohen Milliardenverluste.

Die «NZZ» berichtet diskret, die Credit Suisse gerate «erneut in Probleme». Die «Financial Times» spricht Klartext: «Was um alles in der Welt haben sich ein paar der grössten Banken der Welt dabei gedacht, als sie einem dubiosen Family Office, dessen Gründer eine zwiespältige Vergangenheit hat, Milliarden geliehen haben?»

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