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Migros bleibt alkoholfrei – das sagen die Chefs

«Wollten nie verbissen gewinnen»: Migros bleibt alkoholfrei – das sagen die Chefs

16.06.2022, 09:2516.06.2022, 12:50
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Fabrice Zumbrunnen, Praesident der Generaldirektion MGB, spricht neben Ursula Nold, Praesidentin der Verwaltung MGB, an einem Point de presse der Migros zum Entscheid des Alkohol-Verkaufs, am Donnerst ...
Fabrice ZumbrunnenBild: keystone

Die Chefetage der Migros sieht angesichts der hohen Niederlage vorerst keinen Anlass, die Alkoholfrage erneut zu diskutieren. «Die Alkoholfrage ist mindestens für diese Generation geklärt», sagte Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen am Donnerstag an einer Medienkonferenz zum Abstimmungsausgang.

Er interpretiere das Resultat so, dass die Genossenschafter mit der aktuellen Situation zufrieden seien. Dass die Frage nun vorerst vom Tisch ist, hat laut Zumbrunnen den Vorteil, dass er als Migros-Chef seine Aufmerksamkeit nun wieder auf andere Probleme richten könne. So betonte er etwa die angeschlagenen Lieferketten und die Preissteigerungen bei den Rohstoffen.

Dem Mehrumsatz, den der Alkoholverkauf generiert hätte, trauert Zumbrunnen laut eigene Angaben nicht nach. Die Idee hinter der Abstimmung sei schliesslich nicht die Umsatzsteigerung gewesen, sondern die grundsätzliche Diskussion um die Alkoholfrage, sagte Zumbrunnen. «Wir haben genug Produktinnovationen und sind gut aufgestellt, um unsere ambitionierten Wachstumsziele auch so zu erreichen.»

Die Migros-Chefetage zeigte sich an der Medienkonferenz trotz des wuchtigen Neins zur Aufhebung des Alkoholverbots betont zufrieden. «Das ist keine Niederlage für das Management», sagte Migros-Präsidentin Ursula Nold. Denn die Diskussion über die Aufhebung des Alkoholverbots sei schliesslich nicht vom Management angestossen worden, betonte Nold: «Sondern es war ein Wunsch der Basis.»

«Bewusst nicht eingemischt»

Die meisten Migros-Gremien hätten zwar eine Ja-Empfehlung abgegeben, «aber wir wollten nie verbissen gewinnen», sagte sie. Auch Zumbrunnen betonte, man habe sich bewusst nicht eingemischt. «Ich habe wie alle anderen genau eine Stimme abgegeben», sagte er.

Ursula Nold, Praesidentin der Verwaltung MGB, spricht an einem Point de presse der Migros zum Entscheid des Alkohol-Verkaufs, am Donnerstag, 16. Juni 2022, in Zuerich. Die Stimmenden haben sich in all ...
Bild: keystone

Er sei froh über die klare Einigkeit beim Ergebnis. Das mache es für die Kunden der Migros einfacher. «Egal in welcher Migros sie einkaufen, wissen sie, dass es dort keinen Alkohol gibt.»

Wäre die Vorlage in gewissen Regionalgenossenschaften mit einer Zweidrittelsmehrheit angenommen worden, wäre dort nämlich der Weg frei gewesen für den Verkauf von alkoholhaltigen Getränken wie Bier, Wein und Schnaps. Dann hätte es sein können, dass die Migros in gewissen Regionen Alkohol verkauft hätte, in anderen nicht.

Doch die Genossenschafter haben die Vorlage in sämtlichen Regionen mit grossem Mehr abgelehnt. Eine Gewinnerin habe es jedoch trotzdem gegeben, sagte Nold: «Und zwar die Migros-Demokratie.»

Gesellschaftliche Diskussion

Das grosse mediale Echo, die Diskussionen auf den sozialen Medien und auch die hohe Stimmbeteiligung von fast einem Drittel der 2,3 Millionen Genossenschafter mache stolz, erklärte Nold. Denn das zeige, dass die Migros und deren Werte «eine gesellschaftliche Diskussion auslösen können». Und es demonstriere die grosse Verbundenheit der Menschen mit der Migros.

Nold erklärte sich auch zufrieden über den Ausgang der zweiten Abstimmung. Die Genossenschafter nahmen eine Statutenänderung an, damit sie künftig auch online abstimmen können. «Die Kunden wollen also nicht nur an traditionellen Werten festhalten, sondern sie wünschen sich auch eine Weiterentwicklung. Es ist ein guter Mix aus Tradition und Innovation.» (yam/aeg/awp/sda)

Der Liveticker der PK zum Nachlesen:

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9:55
Wie kommen die alkoholfreien Biere in der Migros an?
Fabrice Zumbrunnen: Alkoholfreie Getränke seien im Trend zurzeit. Man biete diese darum auch an und sie kämen sehr gut an – insbesondere bei den jungen Generationen.

Nachfrage: War es der falsche Zeitpunkt für die Abstimmung, wenn alkoholfrei jetzt im Trend ist?
Ursula Nold: Nein, denn die Frage kam von der Basis.

Die Pressekonferenz ist beendet.
9:53
Wird der Alkohol auch aus dem Online-Verkauf genommen?
Fabrice Zumbrunnen: Nein. Das Sortiment im Online-Shop habe sich etabliert. Man habe aber durchaus geprüft, ob es zwei Webseiten brauche, was aber zu kompliziert sei. Allerdings sei im Online-Shop immer gekennzeichnet, dass der Alkohol von einem Partner komme, nicht von der Migros selber.

Ursula Nold: Die Praxis, dass bei Migros-Tochtergesellschaften Alkohol verkauft werde, sei ein Status Quo und mit den Statuen vereinbar.
9:50
Ist die Führungsebenen gespalten?
Fabrice Zumbrunnen: Nein. Denn: «Diese Debatte hat uns gezeigt, dass die Mischung aus Innovation und Tradition für unsere Kund*innen wichtig ist.»

Ursula Nold: Nein, denn schlussendlich sei es um eine Erweiterung des Sortiments gegangen, um Argumente und Demokratie. Es sei eine Stärke, dass man auf dem demokratischen Weg eine Lösung gefunden habe.
9:47
«Die Frage des Alkoholverkaufs ist für mindestens diese Generation geklärt.»
Fabrice Zumbrunnen, Präsident der Migros, spricht:

Auch Zumbrunnen betont die Vorteile der genossenschaftlichen Basis der Migros. Zumbrunnen habe in seiner Funktion als Genossenschafter – und nicht etwa als Migros-Präsident – abgestimmt und sich gefreut, dass er eine Stimme in die Urne legen durfte. Und: «Die Frage des Alkoholverkaufs ist für mindestens diese Generation geklärt.» Zumbrunnen sagt, dass die Diskussionen zur Abstimmung gezeigt hätten, dass die Migros die Menschen in der Schweiz bewege.

Die aktuellen Herausforderungen der Migros seien aber nicht der Alkoholverkauf, sondern die aktuelle wirtschaftliche Lage.

Die Fragerunde beginnt.
9:42
Die Migros-Werte sind die Sieger der Abstimmung
Ursula Nold betont, dass es sich nicht um eine Niederlage für das Migros-Management handele. Denn «sämtliche Migros-Gremien haben grünes Licht für den demokratischen Weg gegeben.» Die Befürworter*innen wollten zudem nicht verbissen gewinnen, sondern hätten lediglich eine Chance gesehen, den Kund*innen den Einkauf zu vereinfachen. Nold sagt, dass die Migros-Demokratie die wichtigste Gewinnerin dieser Abstimmung sei. Es sei «unglaublich wichtig» diese Migros-DNA weiterhin zu pflegen.

Nold sagt, dass das Management sich bewusst sei, dass die 2/3-Mehrheit eine hohe Hürde sei. Allerdings wurde die zweite Abstimmung über die digitale Abstimmung angenommen – was zeige, dass die 2/3-Mehrheit zu meistern sei.

Die Kund*innen seien zufrieden mit der Migros, wie sie sei, sagt Nold vor den Medien. Man wolle aber trotzdem innovativ und fortschrittlich sein.

Es sei keine Urabstimmung gewesen. Nold sei sehr froh, dass das Ergebnis so eindeutig gewesen sei – und dass alle Genossenschaften weiterhin das gleiche Sortiment hätten.
9:35
Und es gibt doch eine Änderung: Das Bier «No» kommt
Ursula Nold, Verwaltungsratspräsidentin der Migros, spricht:

Nach Pfingsten habe man begonnen, die Stimmkarten auszuzählen. Nold bedankt sich bei allen, die die Abstimmung möglich gemacht hätten sowie den Migros-Mitarbeiter*innen. Ein weiterer Dank gehe an die Genossenschafter*innen.
Nold sei «begeistert», dass so viele Genossenschafter*innen abgestimmt hätten.

Das Ergebnis sei insofern nicht überraschend, da alle Umfragen genau dieses Resultat prognostiziert hätten.

Trotzdem werde es ab 2023 eine Änderung geben: Denn das alkoholfrei Migros-Bier «No» werde ab dann angeboten.
Bild
9:31
Die Pressekonferenz beginnt
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Ursula Nold, Verwaltungsratspräsidentin der Migros
Fabrice Zumbrunnen, Präsident der Migros
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65 Kommentare
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Hans Jürg
16.06.2022 10:35registriert Januar 2015
Irgendwie habe ich den Eindruck, dass die GL der Migros das Ergebnis und die Niederlage schön geredet hat.

Ob sie sich das erst schönsaufen mussten?
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8004 Zürich
16.06.2022 11:27registriert Februar 2015
"Ursula Nold betont, dass es sich nicht um eine Niederlage für das Migros-Management handele."

Die sind ja schamlos. Wie kann man hinstehen und so einen Schwachsinn verzapfen, nachdem man ja schon sehr dreist eine extrem tendenziöse (und bestimmt auch sauteure) "Aufkläungskampagne" hat fahren lassen, die ganz klar gezeigt hat, was sich das Management effektiv wünscht.

Zuerst so krass an der Basis vorbeiarbeiten und es dann als klärenden Demokratieprozess verkaufen. Mannomann, das ist so lost.
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Trasher2
16.06.2022 12:01registriert März 2016
Wenn die Genossenschaftsvertreter*innen und die Geschäftsleitung so massiv neben den Bedürfnissen der Genossenschafter*innen denken, wäre es für viele Zeit, den Hut zu nehmen...
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