Wirtschaft
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Trotz leichter Entspannung im Handelsstreit: China wird allmählich nervös

Chinas Wirtschaft steht unter Druck. Wegen des anhaltenden Handelskriegs mit den USA ist der chinesische Aussenhandel im September drastisch eingebrochen. US-Präsident Trump feiert die jüngsten Verhandlungen als Durchbruch. Peking sieht das hingegen ganz anders.

Felix Lee / ch media



China USA Handelskrieg trade war handelsstreit

Bild: shutterstock.com

Dass der Handelsstreit mit den USA in China Spuren hinterlassen würde, war den Wirtschaftsplanern in Peking zwar klar. Dass der Einbruch aber so dramatisch ausfallen würde, hat sie doch überrascht. Chinas Aussenhandel ist im September stärker eingebrochen, als die chinesische Führung erwartet hatte. Wie der chinesische Zoll am Montag mitteilte, gingen die Exporte im Vergleich zum Vorjahresmonat um 3.2 Prozent auf rund 218 Milliarden Dollar zurück. Das ist der stärkste Einbruch seit acht Monaten. Die Importe sanken gar um 8.5 Prozent auf 178 Milliarden Dollar. Bei den Exporten war die chinesische Führung von einem Rückgang um 3 Prozent ausgegangen, bei den Importen um rund sechs Prozent.

In diesen Zahlen schlägt sich vor allem der Einbruch der Importe aus den USA nieder. Diese sanken im September um über 26 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Sie sind unmittelbar auf die Strafzölle von Anfang September zurückzuführen, mit denen sich die USA und China gegenseitig überzogen haben. Chinas Exporte in die USA sackten um 22 Prozent ab. Das dürfte Auswirkungen auf viele Sektoren haben. In China sind es vor allem der Technologie- und Konsumsektor, die unter den hohen Zöllen leiden. In den USA sind es die Landwirte, die ihr Soja, Mais und Schweinefleisch wegen der chinesischen Vergeltungszölle nicht mehr loswerden.

Zölle werden nicht erhöht, bleiben aber bestehen

Genau im Agrarsektor sieht US-Präsident Donald Trump nun seinen Erfolg der letztwöchigen Handelsverhandlungen mit dem chinesischen Vizepremier Liu He. Er bezeichnete das Ergebnis als «grossartigsten und grössten Deal», der je für die amerikanischen Bauern in der Geschichte des Landes gemacht wurde. Seit anderthalb Jahren überziehen sich die zwei grössten Volkswirtschaften der Welt gegenseitig mit Strafzöllen.

epa07896982 An aerial photo taken with a drone shows a farmer harvesting corn near Millard, Wisconsin, USA, 04 October 2019. According to reports, waivers issued by the Trump administration to 31 small oil refiners exempt them from federal regulations requiring corn-produced ethanol blending into gasoline and that has resulted in reduced demand for corn. The trade war with China has also reduced the demand for corn byproducts hurting farmers further.  EPA/TANNEN MAURY

Ein amerikanischer Farmer erntet Mais, Millard, Bundesstaat Wisconsin. Bild: EPA

Trump wirft China mangelnden Marktzugang vor und den Diebstahl von geistigem Eigentum. Trump zufolge hat sich China nun in einer «ersten Phase» dazu verpflichtet, geistiges Eigentum besser zu schützen und Agrarprodukte im Wert von bis zu 50 Milliarden Dollar einzukaufen. Im Gegenzug verzichtete Trump auf die für Dienstag geplante Erhöhung bereits existierender Strafzölle auf chinesische Importe von 25 auf 30 Prozent.

Auch die Führung in Peking versicherte, dass sie von weiteren Strafzöllen absehen werde. Weitere Verhandlungen stünden aber an. Die chinesische Seite klingt denn auch viel weniger euphorisch als die amerikanische. Aus Sicht von Chinas Staatschef Xi Jinping bleiben zu viele Streitpunkte offen. Die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua schrieb am Wochenende lediglich von «wichtigen Fortschritten». Von einem «Durchbruch» war in China nicht die Rede.

Details des Abkommens sind noch nicht publikTatsächlich haben beide Seiten noch nichts schriftlich veröffentlicht und auch keine Details bekannt gegeben. «Die Wahrheit ist, dass es noch nichts Konkretes gibt, um einen Deal zu verkünden», heisst es in einer ersten Einschätzung des unabhängigen Wirtschaftsinstituts Gavekal mit Sitz in Hongkong. Die Ökonomen vermuten, Trump habe in letzter Minute versucht, die für Dienstag angedrohte Erhöhung der Zölle zu vermeiden, um nicht weiteren Unmut unter den US-Landwirten zu erzeugen. Trump schiele bereits auf die Wahlen im nächsten Jahr. (bzbasel.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Ökonometriker 15.10.2019 06:31
    Highlight Highlight Die Bloomberg-Ökonomen Orlik und Shulyatyeva haben es (frei übersetzt) trefflich beissend formuliert:
    "Die Vergangenheit zeigt, dass die Handelsabkommen zwischen den USA und China das Papier nicht wert waren auf das sie geschrieben wurden. Und dieses Abkommen wurde nicht einmal schriftlich festgehalten."

    Die Hoffnung, dass jetzt alles so rosig ist wie Trump sagt, ist doch eher vermessen....
  • K1aerer 14.10.2019 21:02
    Highlight Highlight Auch wenn ich Trump nicht ausstehen kann. Hier macht Trump zum gewissen Teil richtig, auch wenn die Konsumenten leiden. (Der generelle Konsum darf dennoch ein bisschen zurück gehen.) China darf dennoch nicht das Gefühl haben, dass ihnen alles in den Schoss fallen muss. Sie legen alles einseitig zu ihrem Gunsten aus. Da muss man denen die Grenzen aufzeigen, ansonsten werden sie uns noch politisch versuchen zu erpressen.
    • bebby 14.10.2019 22:20
      Highlight Highlight Merkantilismus funktioniert nicht. Das wissen wir nun seit 100 Jahren. Der Gescheitere gibt hier nach und erhöht seine Zölle nicht. Deshalb wurde auch die WTO gegründet und davor GATT.
      Aber seit Trump Präsident ist, scheint auch bei uns eine generelle Amnesie zu herrschen.
      Und am meisten haben immer noch die USA vom Status Quo profitiert (hohe Wertschöpfung im eigenen Land, niedrige im Ausland, Verträge oft einseitig zugunsten der US-Unternehmen). Deshalb geht mir einfach nicht in den Kopf, wieso sie überhaupt einen Streit vom Zaun brechen. Reiner Populismus?
    • Swen Goldpreis 14.10.2019 23:55
      Highlight Highlight Das tun sie doch schon eine ganze Weile. Oder hast du gesehen, dass unser Ueli in letzter Zeit mal den Dalai Lama empfangen hätte oder die Demokratiebewegung in Hongkong unterstützt hätte? Nein, er tanzt eher in vorauseilendem Gehorsam nach Xis Pfeife.
    • K1aerer 15.10.2019 07:02
      Highlight Highlight Die Zölle bezahlen schlussendlich die Konsumenten. Das ist halt der Nachteil. Indem Sinne ist ein Handelskrieg nicht zu gewinnen, aber um die Handelbilanz eines Landes, dem die Exportüberschüsse den grössten Teil des BIPs ausmacht, zu schaden, sitzt USA schon am längeren Hebel.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Posersalami 14.10.2019 21:00
    Highlight Highlight Ich denke, das sie chinesische Führung das relativ entspannt sieht. Immerhin kann sie dem Volk das ganze als Aggression aus dem Ausland verkaufen und wird das ganze so drehen, dass sie noch fester im Sattel hockt.
    • bebby 14.10.2019 22:22
      Highlight Highlight Und gleichzeitig demonstriert die US-Regierung, dass Demokratie nicht immer eine so gut funktionierende Sache ist, weil es keinerlei berufliche Qualifikationen braucht für ein hohes Amt. Das wirft den Kampf für Demokratie um Jahrzehnte zurück.
    • westwing 15.10.2019 11:27
      Highlight Highlight In der Politik stört Qualifikation - es behindert die "Schnellschüsse aus der Hüfte". Gilt meiner Meinung nach komplett unabhängig von der Systemfrage.
  • Repplyfire 14.10.2019 20:44
    Highlight Highlight Traitor Trump bluft, lügt und übertreibt.
    Der Papst ist katholische, der Schimmel weiss.
    Erzähl kein Sch.....

China zensiert Edward Snowden – und der schlägt sowas von zurück 👊

Wichtiges Learning für Diktakturen und andere Demokratiefeinde: Leg dich nicht mit dem berühmten Whistleblower und Tech-Nerd an.

China tut, was China tut. Das Regime verfolgt seine Kritiker und versucht, sie mundtot zu machen. Und der eigenen Bevölkerung verweigern die Machthaber in Peking alles, was ihnen auch nur im Entfernstesten gefährlich werden könnte. Wie etwa das Recht auf freie Meinungsäusserung.

Neustes und prominentes Opfer: Edward Snowden.

Wobei sich die Chinesen hier den Falschen ausgesucht haben.

Snowden erfährt von der Zensur seines Buches in China und entwickelt einen schlauen Plan, um zurückzuschlagen.

Via …

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