DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this July 20, 2015, file photo, Federal Reserve Chair Janet Yellen, from left, with Vice Chairman Stanley Fischer, and the board of governors of the Federal Reserve System, presides over a meeting in Washington. The Federal Reserve releases minutes from its July interest-rate meeting on Wednesday, Aug. 19, 2015. (AP Photo/Manuel Balce Ceneta, File)

Die mächtigste Frau der Welt: Fed-Präsidentin Janet Yellen.
Bild: Manuel Balce Ceneta/AP/KEYSTONE

Die Weltwirtschaft wird beben – oder auch nicht: Fed-Chefin Janet Yellen hält die Finanzwelt in Atem

Morgen wird die Präsidentin der US-Notenbank entscheiden, ob sie die Zinsen erhöhen wird. Ein Entscheid mit möglicherweise gravierenden Folgen für die Weltwirtschaft.



Die US-Notenbank Fed wird morgen bekannt geben, ob sie die Leitzinsen um ein Viertel-, vielleicht sogar nur um ein Achtelprozent erhöhen wird – oder auch nicht. Für Laien erscheint dies irgendwie lächerlich, die Finanzmarkt-Profis hingegen kennen seit Wochen kein anderes Thema.

Sie haben gute Gründe dafür. Seit der Krise von 2008 sind die Notenbanker die wahren Masters of the Universe der Weltwirtschaft geworden, und die Fed die mächtigste Institution der Welt.  

Fatale Fehlentscheide 1928 und 2011

Ein kurzer Blick in die Geschichte zeigt, wie vermeintlich kleinste Veränderungen des Leitzinses grosse Folgen haben können: Um das britische Pfund zu entlasten, hob die Fed 1928 die Zinsen an – es war das Signal für den Börsencrash von 1929. Im Jahr 2011 erhöhte die Europäische Zentralbank aus Angst vor einer nicht vorhandenen Inflation die Zinsen – bis heute hat sich die Wirtschaft der Eurozone nicht von dieser Fehleinschätzung erholt.

Die Notenbanken senken die Zinsen in Krisenfällen, um der Wirtschaft mit billigem Geld unter die Arme zu greifen. Gleichzeitig versprechen sie hoch und heilig, so rasch wie möglich wieder zu normalen Zuständen zurückzukehren – will heissen, die Zinsen wieder hochzufahren, wenn sich die Wirtschaft erholt hat.

«Eine globale Rezession made in China ist sehr plausibel geworden. Sollte sie tatsächlich eintreten, dann wäre die Entscheidung der Fed, die Zinsen zu erhöhen, vollkommen blödsinnig.»

Martin Wolf, Chefökonom der «Financial Times»

Die Fed hat dieses Versprechen vor allem an die Zahl der Arbeitslosen geknüpft. So gesehen müsste Janet Yellen die Leitzinsen jetzt erhöhen. Die Arbeitslosenquote ist auf rund fünf Prozent gesunken – für US-Verhältnisse ist das gleichbedeutend mit Vollbeschäftigung. In den letzten Monaten sind durchschnittlich jeweils rund 200'000 neue Jobs geschaffen worden. Die Politik des billigen Geldes war erfolgreich, die US-Wirtschaft brummt wieder.

Inflation findet nur im Kopf der Fed-Kritiker statt

Konservative Kritiker der Fed fordern seit langem eine Zinserhöhung. Für sie war die Politik des billigen Geldes – das sogenannte Quantitative Easing – ohnehin ein Fehler. Gestützt auf die Theorien der österreichischen Ökonomen Ludwig von Mises und Friedrich Hayek warnen sie vor Blasenbildung und Inflation und fordern ein Ende der Schuldenwirtschaft.

Bisher haben sich diese Gefahren als eingebildet erwiesen. Die Inflation wurde in pathetischen Kommentaren zwar viel beschworen, in der Praxis ist die Teuerung hartnäckig unter der von der Fed angestrebten Marke von zwei Prozent geblieben. Ebenso ist es in den USA kaum zu leichtsinnigen Investitionen gekommen. Das bescheinigt sogar die an sich «österreichisch» gesinnte Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in einer kürzlich veröffentlichten Studie.

Was glaubst du: Erhöht die FED die Zinsen?

Was passiert mit China?

Die grosse Mehrheit der Finanzmarktexperten rechnet daher vorläufig noch nicht mit einer Zinserhöhung. Eine solche Zinserhöhung der Fed würde die ohnehin angespannte Lage der chinesischen Wirtschaft noch verschärfen, mit unberechenbaren Folgen für die gesamte Weltwirtschaft.

Wie 1928 oder 2011 könnte daher eine falsch getimte Leitzinserhöhung das Signal für eine katastrophale Entwicklung sein. «Eine globale Rezession made in China ist sehr plausibel geworden», warnt etwa Martin Wolf, Chefökonom der «Financial Times». «Sollte sie tatsächlich eintreten, dann wäre die Entscheidung der Fed, die Zinsen zu erhöhen, vollkommen blödsinnig.»

Den ersten Mini-Crash hatten wir schon: So reagierten die Börsenhändler am «Black Monday» im August:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Interview

«Über Social Media tragen Rechtsextreme ihre Ideologien in die Mitte der Gesellschaft»

Andre Wolf ist Faktenchecker bei der österreichischen Rechercheplattform Mimikama. In seinem Buch «Angriff auf die Demokratie» schreibt er über die Gefahren rechtsextremer Netzwerke, die das Internet unterwandern.

Herr Wolf, in Ihrem Buch schreiben Sie, dass seit Beginn der Pandemie intensiver Fake News verbreitet werden und der Hass im Netz zugenommen haben. Warum?Andre Wolf: Dieses Phänomen kann man immer dann beobachten, wenn etwas passiert, das viele Menschen betrifft und das Thema stark medial aufgegriffen wird. Im Fahrwasser der Berichterstattung tauchen dann viele Falschmeldungen auf. Das passierte schon 2015 bei der Flüchtlingskrise. Oder immer, wenn es islamistisch-motivierte Terroranschläge …

Artikel lesen
Link zum Artikel