Wissen
Astronomie

«Cassini» bestätigt unterirdischen Ozean auf Saturnmond Enceladus

Am Südpol von Enceladus hat die Saturnsonde «Cassini» Eis-Geysire entdeckt. Unter dem Eispanzer liegt ein unterirdischer Ozean. 
Am Südpol von Enceladus hat die Saturnsonde «Cassini» Eis-Geysire entdeckt. Unter dem Eispanzer liegt ein unterirdischer Ozean. Bild: NASA/JPL-Caltech
Acht Kilometer tief

«Cassini» bestätigt unterirdischen Ozean auf Saturnmond Enceladus

Unter dem Eispanzer des Saturnmonds Enceladus schwappt ein unsichtbarer Ozean. Das bestätigen Messungen der Saturnsonde «Cassini» der US-Raumfahrtbehörde Nasa. 
04.04.2014, 23:4605.04.2014, 14:36

30 bis 40 Kilometer unter dem Eis am Südpol des Saturnmondes Enceladus liegt ein unterirdischer Ozean, der selber etwa acht Kilometer tief ist. Ungefähr so viel Wasser wie im grössten der fünf Grossen Seen Nordamerikas, Lake Superior (12'100 km³), schwappt unter dem Eispanzer des kleinen Saturn-Trabanten. 

In dem unterirdischen Meer auf Enceladus könnten möglicherweise lebensfreundliche Bedingungen herrschen, berichtet ein Forscherteam um Luciano Iess von der Sapienza-Universität Rom im US-Fachjournal «Science». Hinweise auf Leben haben die Forscher aber weder gesucht noch gefunden. Vermutlich erstrecke sich der Ozean bis in mittlere Breiten von etwa 50 Grad Süd, schreiben die Wissenschaftler. Er könnte die Quelle für die spektakulären Eis-Geysire sein, die «Cassini» 2005 völlig überraschend auf dem Saturnmond entdeckt hatte. 

Lange vermuteter Ozean

Enceladus hat einen Durchmesser von rund 500 Kilometern. Wie etwa beim Saturnmond Titan und dem Jupitermond Europa war auf ihm schon länger ein unterirdischer Ozean vermutet worden. Es hatte auch bereits Hinweise darauf gegeben. «Mit geophysikalischen Messungen konnten wir bestätigen, dass unter der Oberfläche an Enceldaus' Südpolregion ein grosser Ozean liegt», betonte Co-Autor David Stevenson vom California Institute of Technology (Caltech) in einer Mitteilung der Amerikanischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften (AAAS). Sie gibt das Journal «Science» heraus. 

Künstlerische Darstellung der Saturnsonde «Cassini» (vorn) und des Forschungssatelliten «Huygens» (links) vor dem Saturnmond Titan. 
Künstlerische Darstellung der Saturnsonde «Cassini» (vorn) und des Forschungssatelliten «Huygens» (links) vor dem Saturnmond Titan. Bild: Wikipedia/Nasa

Die Forscher hatten die Daten von drei Vorbeiflügen der Saturnsonde ausgewertet, bei denen «Cassini» dem Mond bis auf 100 Kilometer nahe kam. Enceladus besitzt am Südpol eine Delle. Das fehlende Material sollte dort seine Schwerkraft reduzieren. Tatsächlich zeigte sie sich während der «Cassini»-Passagen jedoch etwas grösser als erwartet. In der Tiefe muss also Material mit grösserer Dichte als Eis einen Teil der fehlenden Masse ausgleichen. «Der einzige sinnvolle Kandidat für dieses Material ist Wasser», erläuterte Stevenson. 

Lebensfreundliche Bedingungen

Die Messungen lassen darauf schliessen, dass Enceladus – wie die Erde – ein ausdifferenzierter Himmelskörper ist mit einem Kern, einem Mantel und einer Kruste. Das könnte die Beobachtung von Mineralien in den Eis-Geysiren erklären: Die Wissenschaftler um Iess gehen davon aus, dass der unterirdische Ozean einen mineralienreichen Gesteinsboden hat und nicht auf einer weiteren Eisschicht sitzt. Dadurch würden komplexe chemische Reaktionen ermöglicht. Eine Energiequelle vorausgesetzt, könnten sogar ähnliche, lebensfreundliche Bedingungen entstehen wie auf der jungen Erde, meinen die Forscher. (dhr/sda/dpa)

Highlights der «Cassini»-Mission zum Saturn (engl.)Video: Youtube/The Mars Underground
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die Affäre Nina: Spionage im Genf der 1930er-Jahre
Eine Tänzerin, ein Genfer Kabarett und geheime Pläne für eine Waffe: Unter dem Namen «Nina» bewegte sich die Italienerin Virginie Rota zwischen Bühne, Diplomatie und Nachrichtendienst. Ihre Geschichte spielte im Genf des Völkerbunds, einer Stadt, in der internationale Politik und Spionage eng beieinanderlagen.
Virginie Rota wurde am 28. April 1907 in Lugano oder möglicherweise in Bergamo als Tochter von Albert Rota und Marie Arrigoni geboren. Schön, intelligent und abenteuerlustig trat Virginie in den 1930er-Jahren in den Dienst des faschistischen Italiens. Sie soll für die erste Abteilung des militärischen Nachrichtendienstes Servizio informazioni militari (SIM) tätig gewesen sein. Zwischen 1934 und 1935 wurde sie von ihren Vorgesetzten auf eine Mission nach Genf entsandt, wo sie in der Pension Clermont in Champel eine Unterkunft fand. Da sie von Beruf Tänzerin war, fiel es der jungen Frau nicht schwer, in einem Kabarett vor Ort engagiert zu werden, wo sie sich «Nina» nannte.
Zur Story