DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wegen Völkermord in der Kolonialzeit – Herero und Nama verklagen Deutschland

06.01.2017, 15:07
Historische Postkarte aus der Siedlung Grootfontein im früheren Deutsch-Südwestafrika.
Historische Postkarte aus der Siedlung Grootfontein im früheren Deutsch-Südwestafrika.bild: gemeinfrei

Vertreter der Volksgruppen der Herero und Nama aus Namibia haben in New York eine Sammelklage gegen Deutschland eingereicht. Sie verlangen Entschädigungszahlungen wegen der Anfang des 20. Jahrhunderts begangenen Kolonialverbrechen.

In der am Donnerstag eingereichten Klage verlangen Herero-Chef Vekuii Rukoro und Nama-Chef David Frederick zudem, dass Vertreter ihrer Gruppen in Verhandlungen zwischen den Regierungen Deutschlands und Namibias einbezogen werden müssen.

Vernichtet, vertrieben, vergewaltigt

In der Klage heisst es, in der Zeit der deutschen Kolonialherrschaft über das damalige Deutsch-Südwestafrika (das heutige Namibia) sei zwischen 1885 und 1903 ein Viertel des Landes der Herero und Nama mit Einverständnis der Kolonialbehörden von deutschen Siedlern enteignet worden.

Südafrika in der Kolonialzeit: In orange das Gebiet des Deutschen Reiches.
Südafrika in der Kolonialzeit: In orange das Gebiet des Deutschen Reiches.bild: gemeinfrei

Geduldet von den Kolonialbehörden hätten die Siedler Frauen und Mädchen vergewaltigt und der Bevölkerung Zwangsarbeit auferlegt. Bei einem 1904 einsetzenden Aufstand habe der deutsche General Lothar von Trotha einen Vernichtungsfeldzug geführt, in dem 100'000 Herero und Nama getötet worden seien.

Eine kolorierte Postkarte von 1904.
Eine kolorierte Postkarte von 1904.bild: deutsches bundesarchiv

Die Klageführer geben an, dass sie im Namen «aller Herero und Nama weltweit» auftreten. Sie verlangen «Entschädigung für den Völkermord», der damals unter der deutschen Kolonialverwaltung verübt worden sei.

Gespräche seit 2014

Rukoro hatte im Oktober bei einem Aufenthalt in Berlin angekündigt, dass die namibischen Volksgruppen von der Bundesregierung Entschädigungszahlungen verlangen würden.

Deutsch-Südwest – Reste einer Kolonie

1 / 29
Deutsch-Südwest – Reste einer Kolonie
quelle: moment editorial / sergio pessolano
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Weder die Herero noch die Nama würden eine Entschuldigung akzeptieren, die keine Reparationen vorsehe, sagte der Herero-Chef. Berlin führt seit 2014 mit der Regierung in Windhuk einen Dialog über die Aufarbeitung der Gräueltaten.

Die deutsche Regierung bezeichnet die Massaker zwar als Völkermord, lehnt Entschädigungszahlungen aber ab. In der Vergangenheit hatte Deutschland betont, dass die «historischen Ereignisse» erst seit Inkrafttreten der UNO-Völkermord-Konvention 1951 als Genozid eingestuft werden könnten.

(sda/afp)

History Porn Teil XI: Geschichte in 30 Wahnsinns-Bildern

1 / 32
History Porn Teil XI: Geschichte in 30 Wahnsinns-Bildern
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

History Porn Teil X: Geschichte in 30 Wahnsinns-Bildern

1 / 32
History Porn Teil X: Geschichte in 30 Wahnsinns-Bildern
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

History Porn Teil IX: Geschichte in 40 Wahnsinns-Bildern

1 / 42
History Porn Teil IX: Geschichte in 40 Wahnsinns-Bildern
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Studie zeigt: Verschwinden Tierarten, verlieren auch Pflanzen

Der Rückgang von Tierarten, die Pflanzensamen in der Umgebung verbreiten, beeinträchtigt auch die Möglichkeiten der Pflanzen, sich angesichts der zunehmenden Erderwärmung in angemessenere Lebensräume zurückzuziehen. Das zeigt eine Studie.

Zur Story