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Jimmy Wales, founder of the internet cyclopaedia 'Wikipedia' pictured at the 'First International Wikimedia Conference' in Frankfurt, Germany, Friday 5 August 2005. In only four years the free online work of reference conquered the globe. Wikipedia has more than two million entries in more than 60 languages, just in German there are 270,000 articles. Until Sunday 7 August 2005 the Wiki community will discuss its future at the international conference in Frankfurt, Germany. (KEYSTONE/EPA/BORIS ROESSLER)

Jimmy Wales in jüngeren Jahren. archivBild: EPA

Kommentar

20 Jahre Wikipedia. Hier sind 8 Fakten, die wir (nicht nur) aus Wikipedia haben 😉

Das Online-Nachschlagewerk ist dank glücklicher Zufälle und des unermüdlichen Einsatzes von Freiwilligen zu einem globalen Player geworden. Hier sind ein paar kuriose und kaum bekannte Fakten.



Wikipedia wird 20. Das ist natürlich nicht nur für Millionen Schülerinnen und Schüler Grund zum Feiern. Dieser Beitrag dreht sich um kaum bekannte Fakten und die verrückte Entstehungsgeschichte der Online-Enzyklopädie. Als Quelle diente – selbstverständlich – Wikipedia, aber auch das 2020 erschienene Sachbuch des Insiders Pavel Richter.

«Wikipedianer» nennen sich die aktiven Mitarbeiter am Wikipedia-Projekt. Nebst den Autoren gibt es unter anderem Vandalenjäger, Techies und sogar eine Putztruppe.

quelle: de.wikipedia.org

Mit Online-Sex und Nupedia fing es an

Jimmy Wales. Ohne ihn gäbe es Wikipedia nicht in der heutigen Form. Als junger Mann verdiente er mit Finanzgeschäften viel Geld, dann zog es ihn ins Silicon Valley, wo er 1996 «irgendetwas mit dem Internet» machen wollte.

Zunächst versuchte Wales, ein Online-Portal aufzuziehen für die Stadt Chicago, wo er als Trader gearbeitet hatte. Dann experimentierte er mit thematisch vernetzten Webseiten, quasi einem Pendant zu Yahoo und anderen Web-Katalogen. Zur Erinnerung: Damals gab es Google noch nicht.

Bomis, so der Name von Wales Firma, versuchte sich als früher Betreiber von Online-Foren zu den Themen Unterhaltung, Sport, Science-Fiction, Erotik und Pornografie.

Einigermassen erfolgreich seien Wales und seine Kompagnons erst mit einer Suchmaschine namens The Babe Engine gewesen, heisst es im Buch, das der deutsche Wikipedianer Pavel Richter zum 20-Jahr-Jubiläum veröffentlicht hat.

Was Wales auf jeden Fall konnte: Er dachte gross. Ganz gross. Mit einem seiner nächsten Geschäftsvorhaben wollte er nicht weniger als «die grösste Enzyklopädie der Menschheitsgeschichte» schaffen, «unübertroffen in ihrer thematischen Breite und Tiefe, frei von jeder ideologischen Verzerrung und von ungeahnter Aktualität», wie seine Firma mitteilte.

Die Idee zu Nupedia werde Wales zugerechnet, schreibt der Wikipedia-Kenner Richter. Ganz offensichtlich seien dabei unterschiedliche Aspekte zusammengekommen:

Allerdings sollte Nupedia floppen ...

Wiki Wiki

Wales stellte 2000 einen Chefredaktor ein. An Larry Sanger war es, Beiträge bei Experten zu bestellen und für die Veröffentlichung auf nupedia.com zu sorgen.

Nach dem Open-Source-Prinzip sollten nicht fest angestellte Autoren Einträge schreiben, sondern vielmehr Experten einer freien Community ihren Sachverstand einbringen.

Die Beitragenden mussten ausgewiesene Experten sein in ihrem Fachgebiet und ihren Lebenslauf an Bomis faxen, um überhaupt mitschreiben zu dürfen.

Auszug aus «Die Wikipedia-Story»

Allerdings erwies sich der siebenstufige Review-Prozess als teuer und ineffizient. So wurden bei Nupedia viel zu wenige Artikel veröffentlicht, im ersten Jahr gerade mal 21.

Der Durchbruch kam 2001, als Ben Kovitz, ein Programmierer und Anhänger der Idee von Open-Source-Software, die Nupedia-Chefs mit der Idee eines Wiki bekannt machte.

«Wiki» bedeutet «schnell» auf Hawaiianisch.

Ein Wiki erlaubt es, eine Webseite durch jedermann bearbeitbar zu machen. Ohne Kenntnisse einer Programmiersprache konnte man im Handumdrehen neue Inhalte erstellen, bestehende bearbeiten und direkt kommentieren.

Die Geburtsstunde von Wikipedia, dem wichtigsten nicht-kommerziellen Dienst in der Geschichte des Internets, wird auf den 15. Januar 2001 datiert. So wie viele andere Software-Projekte begann sie mit dem Programmier-Gruss «Hello World». Wales tippte die beiden Worte in die neue Wiki-Software ein, die einen schnellen Aufbau ermöglichen sollte.

Während die ursprünglich von Wales geplante Nupedia-Enzyklopädie sehr schnell scheiterte, entwickelte sich Wikipedia explosiv und zog eine wachsende Zahl von freiwilligen und ehrenamtlichen Mitarbeitenden an. Innert Wochen waren bereits Tausende von Artikeln fertiggestellt.

2003 gründete Wales die gemeinnützige Wikimedia Foundation, die er bis Ende 2006 leitete. 2006 gab er die Leitung an die Französin Florence Nibart-Devouard ab, blieb jedoch als «Chairman Emeritus» weiter im Vorstand.

PS: Der ursprüngliche Chefredaktor, Larry Sanger, verliess Wikipedia Anfang 2003 und sagte in einem Interview, er habe die Nase voll von den «Trollen» und «anarchistischen Typen», die gegen die Idee seien, «dass jemand irgendeine Art von Autorität haben sollte, die andere nicht haben».

20 Jahre später zählt Wikipedia über 55 Millionen Beiträge in knapp 300 Sprachen, verfasst von unzähligen Freiwilligen.

Wikipedia-Weltmeister sind die Deutschen

Die deutschsprachige Wikipedia ist weltweit die zweitgrösste. Zumindest unter den Versionen, die von Menschen geschrieben werden. Mehr Artikel haben die englische Wikipedia und zwei, die von Bots automatisch befüllt werden, nämlich die indonesische sowie die niederländische Version.

Wikimedia Deutschland war auch die erste lokale Organisation, das erste sogenannte Chapter, das es auf der Welt gab, wie Jimmy Wales im Vorwort zu «Wikipedia-Story» schreibt. In dem Buch des langjährigen Insiders Pavel Richter lobt Wales die Rolle der deutschsprachigen Community:

«Kurz nachdem wir die deutsche Wikipedia gestartet haben, stellte sich heraus, dass die Deutschen offenbar ein besonderes Verhältnis zur Idee hinter Wikipedia haben. Denn wie sonst liesse sich erklären, dass Deutsch zwar auf der Liste der am häufigsten gesprochenen Sprachen weltweit nur auf Platz 13* steht, die deutsche Wikipedia aber die viertgrösste aller Ausgaben ist?»

* Gemäss Wikipedia liegt Hochdeutsch auf der Liste der meistgesprochenen Sprachen auf Platz 12.

Vom grossen Engagement der Deutschen profitiert natürlich auch die (deutschsprachige) Schweiz. Daneben gibt es bekanntlich auch noch eine Schweizerdeutsche Wikipedia respektive Version für die Alemannischen Dialekte.

Bild

Die Startseite der Alemannischen Wikipedia. screenshot: als.wikipedia.org

Wikipedia hat acht Schwestern und ein Männerproblem

Die Wikimedia Foundation, das ist die gemeinnützige Stiftung, die Wikipedia finanziert und betreibt, ist nebenbei auch noch die Betreiberin von acht Schwesterprojekten:

Wie auch Wikipedia selbst sind diese Inhalte frei nutzbar und man sei offen für freiwillige Beiträge, heisst es.

Es sind fast ausschliesslich Männer, die Wikipedia-Beiträge verfassen und redigieren. Bei der deutschen Wikipedia sind nur gerade 10 Prozent der Autoren weiblich.

Pavel Richter, der das Buch «Die Wikipedia-Story – Biografie eines Weltwunders» geschrieben hat, meint:

«90 Prozent der Wikipedianer sind Männer, und das liegt sicher nicht daran, dass Frauen kein Interesse haben, an einer Enzyklopädie mitzuschreiben. Sondern auch daran, dass die bestehende Community zum Teil Schwierigkeiten hat, mit Veränderungen umzugehen und diese als etwas Bereicherndes zu begreifen.»

Wikipedia selbst schreibt:

«Unter den vielfältigen Gründen werden u. a. etablierte Kommunikations- und Machtprozesse auf der Basis der zahlenmässigen Überlegenheit, neben dem Umgangston die festen gruppendynamischen Strukturen, verbunden mit einem enormen Anpassungsdruck, der auf weiblichen Autoren in dieser Männerdomäne lastet, verantwortlich gemacht. Als wesentlicher weiterer Grund wird zudem Zeitmangel aufgrund der Doppel- oder Mehrfachbelastung vieler Frauen angenommen.»

Oder auf gut Deutsch: Einige männliche Geschlechtsgenossen führen sich wie die Urwaldaffen auf und verschrecken mit ihrem Verhalten weibliche Freiwillige.

Niemand wurde damit reich (auch Google und Facebook nicht)

Die deutschsprachige Wikipedia-Community hat stark dazu beigetragen, dass sämtliche Ideen einer Kommerzialisierung der Online-Enzyklopädie verworfen wurden.

«Niemand wurde durch sie zum Milliardär, Werbung gibt es nicht», stellt Pavel Richter fest, der von 2011 bis 2014 Vorstand und Geschäftsführer der deutschen Wikimedia-Fördergesellschaft war. Zunächst sei die Wikipedia nur als ein Internetprojekt von ein paar Nerds angesehen worden. Etablierte Nachschlagewerke hätten sie zunächst ignoriert, schliesslich heftig bekämpft.

Die renommierten Lexika und Nachschlagewerke, die man aus der Offline-Welt kennt, hat Wikipedia schon vor Jahren hinter sich gelassen. Nach 244 Jahren gab der Verlag der Encyclopaedia Britannica 2012 bekannt, dass diese nur noch digital erscheint. Zwei Jahre später zog der Brockhaus nach.

Tatsächlich scheiterten auch Google und Facebook mit dem Versuch, Konkurrenzangebote aufzubauen.

Wikipedia kommt bis heute mit vergleichsweise kleinen Summen aus: Die Wikimedia Foundation, die die Online-Infrastruktur finanziert und über 100 Programmierer bezahlt, nimmt jährlich rund 120 Millionen Dollar an Spenden ein.

Die Wikimedia Foundation betreibt heute die technische Infrastruktur, also die Rechenzentren, in denen die Wikimedia-Projekte laufen.

Vertrauen ist gut, aber...

Wie alle Medienprojekte, an denen Menschen mitarbeiten, ist die Wikipedia nicht fehlerlos. So wurde erst nach Jahren entdeckt, dass der Rhein nicht 1320 Kilometer lang ist, wie im Artikel stand, sondern nur 1230 Kilometer. Der Zahlendreher stand zuvor aber auch in gedruckten Lexika.

Gravierender sind Fehlleistungen wie die absichtliche Fehlinformation, dass in einem deutschen Konzentrationslager in Warschau 200'000 Polen vergast worden seien.

Es gibt zwar keinen Zweifel, dass es das Konzentrationslager Warschau gegeben hat, dieses war aber kein Vernichtungslager, wie 15 Jahre lang in der englischen Wikipedia zu lesen war. «Es bleibt ein dunkler Schatten auf der Geschichte der Wikipedia, in diesem zentralen Fall über einen so langen Zeitraum versagt zu haben», schreibt Richter.

Immerhin ist der Beitrag um das Warschauer Lager auch ein Beweis, dass bei wichtigen Wikipedia-Artikeln früher oder später die Qualitätskontrolle doch funktioniert. Wikipedia-Forscher sehen das Fehlerrisiko bei kleinen Beiträgen höher als bei grossen Themen: «Wenn ich die Wikipedia benutze, dann muss mir bewusst sein, dass die Wikipedia umso vertrauenswürdiger ist, je populärer und wichtiger ein Thema ist», sagt der österreichische Wirtschaftswissenschaftler Leonhard Dobusch, der zu Wikipedia geforscht hat. Denn das bedeute, «dass mehr Menschen sich dafür interessieren, mehr Menschen diese Artikel lesen, drüberschauen oder Fehler beanstanden und korrigieren.»

Der allererste Eintrag

Immer am 15. Januar feiern hunderttausende Wikipedianer weltweit den «Wikipedia Day». Das ist das Datum, an dem Jimmy Wales ein Wiki unter der Domain wikipedia.com installierte und für die Öffentlichkeit freischaltete. Die ersten Wochen von Wikipedia schienen bei einem Upgrade der Server verloren gegangen zu sein, wie der deutsche Wikipedianer und Buchautor Pavel Richter schreibt. Erst zehn Jahre später habe ein Software-Entwickler ein altes Backup der ersten Einträge entdeckt. So gelte heute als erster noch erhaltener Wikipedia-Eintrag der Geschichte der freundliche Gruss «This is the new WikiPedia!»

Jede(r) kann eine schnelle Löschung beantragen, aber nichts wird dauerhaft gelöscht

Als «Schnelllöschung» wird das Löschen einer Wikipedia-Seite ohne vorangehende (siebentägige) Diskussion innerhalb der Community bezeichnet. Einen solchen Antrag können alle Wikipedia-User stellen, die beim Lesen auf eine Unregelmässigkeit stossen. Dies ist zum Beispiel sinnvoll, um rechtswidrige Inhalte (Rassismus etc.) rasch zu entfernen.

Man kann in Wikipedia aber nichts dauerhaft löschen, denn die Datenbank verfügt über einen grossen Speicher, in dem alle früheren Versionen aufbewahrt bleiben. «Das erlaubt uns, verschiedene Versionen zu vergleichen und bei Bedarf ältere Versionen wiederherzustellen», schreibt Wikipedia.

Wikipedia founder Jimmy Wales, right, recieves the swiss Gottlieb Duttweiler award 2011, decorated with 100'000 swiss francs, from the hands of Gisele Girgis, Member of the Federation of Migros Cooperatives Board, in Rueschlikon, Switzerland on Wednesday, January 26, 2010. Wales receives the award for his merits of democratizing the access to knowledge, as the Gottlieb Duttweiler Institute declares. According to the foundation, the Gottlieb Duttweiler Award should go to people who have made

2011 erhielt Wales von Gisele Girgis (Migros) den Gottlieb-Duttweiler-Preis. In der Begründung hiess es, Wikipedia habe den Zugang zu Wissen als wichtigste Ressource des Menschen revolutioniert und zur Demokratisierung des Wissens beigetragen. Bild: KEYSTONE

Wikidata – die Zukunft?

Wikipedia ist eine grosse Sammlung von einzelnen Artikeln zu unterschiedlichsten Themen, verbunden über Links.

Ein Impuls für die Zukunftsfähigkeit der Wikipedia ist aus der deutschsprachigen Community gekommen, und das ist das Projekt Wikidata – «eine maschinenlesbare Wissensdatenbank». Die Zukunft werde der künstlichen Intelligenz gehören, sagt Richter. «Darin sind sich eigentlich alle einig.»

Mit Wikidata werde eine grosse und wichtige Basis, nämlich strukturiertes maschinenlesbares Wissen, von Anfang an auf eine gemeinnützige Basis gestellt und durch die Kraft einer starken Community getragen. «Das bedeutet, dass wir als Gesellschaft nicht in die Abhängigkeit von Google, Facebook und Alibaba und anderen Internetriesen kommen.»

PS: Was Wikipedia nicht ist, bzw. nicht sein will

Dafür gibt es zum Teil Schwesterprojekte (siehe oben).

Quellen

Mit Material der Nachrichtenagentur SDA

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