Konservierungsstoffe können Risiko für Krebs und Typ-2-Diabetes erhöhen
Hochverarbeitete Lebensmittel stehen seit Längerem in der Kritik. Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen, ein erhöhtes Krebsrisiko – kaum ein gesundheitliches Übel, das nicht mit Zusatzstoffen in Lebensmitteln in Verbindung gebracht wird. Bisher ging es dabei vornehmlich um Zucker, Salz und Fette, doch nun fokussiert die Forschung zunehmend auch auf Konservierungsstoffe.
So haben gleich zwei neue Langzeitstudien aus Frankreich Hinweise darauf geliefert, dass eine höhere Aufnahme von bestimmten konservierenden Zusatzstoffen mit einem erhöhten Risiko für Krebs und Typ-2-Diabetes korreliert. Die Ergebnisse, die noch durch weitere Forschungen bestätigt werden müssen, wurden in den medizinischen Fachzeitschriften Nature Communications und BMJ veröffentlicht. An den beiden Studien waren Forscher des französischen Instituts für Gesundheit und medizinische Forschung (Inserm), der Universität Sorbonne Paris Nord, der Universität Paris Cité und weiterer Partnerinstitutionen beteiligt.
Langzeit-Beobachtungsstudie
Beide Studien stützen sich auf Daten, die zwischen 2009 und 2023 im Rahmen der NutriNet-Santé-Studie erhoben wurden. Diese umfasst heute mehr als 182'000 Teilnehmer und hat bisher zu mehr als 300 internationalen wissenschaftlichen Veröffentlichungen geführt. Es wurden nur Personen einbezogen, die regelmässig detaillierte 24-Stunden-Fragebögen zu ihrer Ernährung, aufgeschlüsselt nach Produktmarken, ausfüllten.
Insgesamt 58 Lebensmittelkonservierungsstoffe wurden in der Ernährung der Studienteilnehmer identifiziert; 17 davon, die von mindestens 10 Prozent der Testpersonen konsumiert wurden, wurden einzeln analysiert. Es handelt sich um Zusatzstoffe, die laut der US-amerikanischen Lebensmittel- und Arzneimittelbehörde (FDA) als unbedenklich für die Verwendung in Lebensmitteln gelten.
6 Zusatzstoffe mit erhöhtem Krebsrisiko
In der Krebsstudie wurden unter 105’260 Teilnehmern während der Nachbeobachtung 4226 Krebsfälle registriert. Darunter waren 1208 Fälle von Brustkrebs, 508 Fälle von Prostatakrebs, 352 kolorektale Tumoren und 2158 weitere Krebsarten. 11 der 17 analysierten Stoffe zeigten keinen signifikanten Zusammenhang mit Krebs, während 6 mit einem erhöhten Risiko einhergingen:
- Sorbate (Kaliumsorbat): +26 % Brustkrebsrisiko, +14 % Gesamtrisiko.
Sorbate werden in Wein, Backwaren, Käse und Saucen verwendet, um Schimmel- und Bakterienwachstum zu verhindern. - Sulfite (Kaliummetabisulfit): +20 % Brustkrebsrisiko, +12 % Gesamtrisiko.
Kaliummetabisulfit wird häufig bei der Wein- und Bierherstellung verwendet. - Natriumnitrit: +32 % Prostatakrebsrisiko.
Natriumnitrit wird oft in verarbeiteten Fleischwaren wie Speck und Wurst verwendet. - Kaliumnitrat: +22 % Brustkrebsrisiko, +13 % Gesamtrisiko.
Kaliumnitrat dient zum Pökeln von Fleisch- und Wurstwaren (Farberhaltung bei Fleisch). - Acetate: +25 % Brustkrebsrisiko, +15 % Gesamtrisiko.
Acetate, die durch natürliche Fermentation entstehen, werden in Fleisch, Saucen, Brot und Käse verwendet. - Essigsäure: +12 % Gesamtrisiko.
Essigsäure, der Hauptbestandteil von Essig, dient zum Würzen und Konservieren von Lebensmitteln. - Erythorbate: +21 % Brustkrebsrisiko, +12 % Gesamtrisiko.
Erythorbat dient als starkes Antioxidans und Konservierungsmittel, vor allem in der Fleisch-, Geflügel- und Getränkeindustrie. Es bewahrt die rote Farbe von Fleisch, indem es die Oxidation verhindert, und kann die Bildung von schädlichen Nitrosaminen reduzieren.
Hoher Konsum korreliert mit Typ-2-Diabetes
Die Diabetes-2-Studie identifizierte unter 108’723 beobachteten Teilnehmenden 1131 Fälle, die zu Beginn der Beobachtung nicht an Diabetes gelitten hatten.
- Von 17 analysierten Konservierungsstoffen waren 12 bei hohem Konsum mit einer Erhöhung des Risikos für Typ-2-Diabetes um 47 % verbunden:
Kaliumsorbat, Kaliummetabisulfit, Natriumnitrit, Essigsäure, Natriumacetate, Calciumpropionat, Natriumascorbat (Vitamin C), Tocopherol (Vitamin E), Natriumerythorbat, Zitronensäure, Phosphorsäure und Rosmarinextrakte. - 5 der mit Krebs in Verbindung gebrachten Konservierungsstoffe – Kaliumsorbat, Kaliummetabisulfit, Natriumnitrit, Essigsäure sowie Natriumacetat – erhöhten auch das Risiko für Typ-2-Diabetes um etwa 49 %.
Da es sich um Beobachtungsstudien handelt, können keine eindeutigen Schlussfolgerungen über Ursache und Wirkung gezogen werden. Die Forscher konnten auch nicht ausschliessen, dass andere, nicht gemessene Faktoren ihre Ergebnisse beeinflusst haben könnten. Allerdings handelt es sich um gross angelegte Studien, die auf detaillierten Ernährungsprotokollen basieren, die zudem über einen Zeitraum von 14 Jahren mit Lebensmitteldatenbanken verknüpft wurden. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht einfach wegwischen, zumal sie mit bestehenden experimentellen Daten übereinstimmen, die auf krebsfördernde Wirkungen mehrerer dieser Verbindungen hindeuten. (dhr)
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