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Zwei neue Medikamente geben Anlass zur Hoffnung für die 44 Millionen Menschen, die weltweit an Alzheimer erkrankt sind.  bild: shutterstock

Durchbruch in der Alzheimer-Forschung: Wird dem Vergessen bald der Riegel vorgeschoben? 

Vom 18. bis zum 23. Juli tagt die Alzheimers Association in Washington, um die neusten Forschungsergebnisse rund um die erbarmungslose Demenz-Erkrankung zu präsentieren – und erstmals darf man hoffen. Gleich zwei Medikamente versprechen, den geistigen Zerfall merklich herauszuzögern – und vielleicht sogar ganz zu stoppen.



Die Alzheimer-Forschung hat bis anhin einen erfolglosen Kampf gegen die heimtückische Demenz-Erkrankung geführt. Etwa 44 Millionen Menschen sind weltweit davon betroffen; sie alle sind dabei, ihr Gedächtnis und damit ihr ganzes Ich zu verlieren. An ein toxisches Eiweiss, das sich im Gehirn ablagert, die Nervenbahnen schädigt und das Gehirn schrumpfen lässt. Dieser Feind heisst Amyloid-beta (kurz «Abeta») – und gleich zwei neue Medikamente werden ihn vielleicht bald aus den Alzheimer-Gehirnen verbannen können. 

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Die Abeta-Ablagerungen zerstören die Nervenbahnen im Gehirn. bild: shutterstock

Man spricht in Forscherkreisen allerdings nicht von Heilung. Es wäre auch falsch, den Menschen Hoffnungen zu machen, die sich bereits in einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit befinden. Für diejenigen aber, die sich im Frühstadium befinden, stehen die Chancen gut, den Hirnschwund hinauszuzögern – und vielleicht sogar aufzuhalten. 

Eli Lilly und Biogen stellen ihre erfolgsversprechenden Medikamente vor 

«Wenn es wirklich so kommt, wie alle hoffen, dann ist das für die Pharmaindustrie so etwas wie die erste Mondlandung.»

Rolf Hömke von der Pharmalobby-Vereinigung Vfa 

Das amerikanische Pharmaunternehmen Eli Lilly stellt in Washington die Studienergebnisse zu einem Antikörper-Präparat mit dem Namen Solanezumab (kurz «Sola») vor. Hält es dort der kritischen Überprüfung stand, könnte das Medikament in zwei Jahren auf den Markt kommen. Rolf Hömke von der Pharmalobby-Vereinigung Verband der forschenden Arnzeimittelhersteller (Vfa) sprach gegenüber der Zeit von einer «ersten Mondlandung für die Pharmaindustrie», wenn das Medikament tatsächlich die Zulassung erhält. 

Neben das biotechnisch hergestellte Sola gesellt sich der Wirkstoff Aducanumab aus dem Hause Biogen. Der Neuroforscher Roger Nitsch von der Universität Zürich war der Ansicht, dass hochbetagte Menschen, die aber jeglichen Zerfallserscheinungen trotzen, vielleicht das Rezept gegen Demenz in ihren rüstigen Körpern tragen. Und als er das Blut von tausend solcher fitter Senioren untersuchte, fand er tatsächlich Immunzellen, die massenhaft Antikörper bilden, sobald sie in Kontakt mit Abeta kommen. 

Nitsch gründete sofort ein Biotech-Start-up und stellte den Wunder-Antikörper her, den Biogen zum Medikament machen will. Die Pilotstudie umfasste zwar nur 166 Patienten, die Ergebnisse sind aber derart aussagekräftig, dass ihr nun eine grössere Studie gefolgt ist, welche am Mittwoch in Washington vorgestellt werden soll. 

Die Aducanumab-Studie im Detail

- 166 Personen wurde über ein Jahr alle vier Wochen Aducanumab in die Armvene infundiert, die Kontrollgruppe erhielt eine Placebo-Lösung. 
- Per Computertomografie wurden die Abeta-Ablagerungen im Gehirn beobachtet.
- Ab der 26. Behandlungswoche verschwanden die Ablagerungen allmählich, in der besten Gruppe waren sie nach einem Jahr fast vollständig weg.
- Diese Gruppe schnitt auch in den kognitiven Tests am besten ab. 
- Wegen des bahnbrechenden Erfolgs hat sich dieser gleich eine grössere Studie angeschlossen. Allerdings müssen – sind die Erfolge abermals vielversprechend – die Patienten der Kontrollgruppe auch auf das Medikament umgestellt werden. 
- Bisher bekannte Nebenwirkungen: Kopfschmerzen und Verwirrtheit am Beginn der Behandlung. 

Freude herrscht an der Pharmaindustrie-Front

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bild: shutterstock

Zwischen 1998 und 2014 scheiterten mehr als 120 Alzheimer-Studien und nur vier Medikamente kamen auf den Markt. Diese konnten allerdings die Symptome der Erkrankten nur temporär lindern, nicht aber den Krankheitsverlauf verlangsamen. 

Alzheimer ist die Krankheit, die den Patienten das Gehirn und den Investoren das Portemonnaie ausdünnt. «Ein wissenschaftliches und finanzielles schwarzes Loch», schreibt die Financial Times. Milliarden Dollar verschwanden darin. 

Jetzt aber guckt man voller Zuversicht auf die Ergebnisse in Washington, wo sich nicht nur Forscher und Mediziner, sondern auch Investoren und Pharma-Vertreter eingefunden haben, die sich die Milliarden-Chance nicht entgehen lassen wollen. 

(rof via Die Zeit und Financial Times

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