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Lesbian couple Sarah Keith (R) and Emma Powell pose for photographs after their same-sex wedding at the Claremont Hotel in Brighton, southern England March 29, 2014. Prime Minister David Cameron hailed Britain's first gay marriages on Saturday, saying marriage was not something that should be denied to anyone because of their sexuality.    REUTERS/Luke Macgregor (BRITAIN  - Tags: SOCIETY POLITICS RELIGION)

Es ist durchaus möglich, dass sich die sexuelle Orientierung im Laufe des Lebens ändert, ausprägt oder verschiebt. Bild: LUKE MACGREGOR/REUTERS

Ich bin dann mal lesbisch

Frauen outen sich oft spät als homosexuell. Unterdrücken sie ihre Neigung oder verändert sich ihre sexuelle Orientierung?

Alexandra Fitz / schweiz am Wochenende



Didi war glücklich. Sie hatte soeben geheiratet und sehnte sich nach einem Kind. Das Leben war wirklich gerade fair zu der 34-Jährigen. Auch ihre beste Freundin Sara hatte fast zeitgleich ihrem langjährigen Freund das Ja-Wort gegeben. Das Vierer-Gespann verstand sich gut, so fuhren sie gemeinsam in die Ferien. Da wusste noch niemand, dass dieser Urlaub alles verändern wird. Dass danach nichts mehr so sein wird wie vorher. 

Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

An einem Abend im Urlaub waren die beiden Frauen allein. Sie lachten, quatschten, alles war wie immer. Doch plötzlich gab es diesen Augenblick. Beide sahen sich in die Augen – und küssten sich. Die zwei, seit Jahren beste Freundinnen, pressten ihre Lippen aufeinander. Es folgte ein Drama. Für die Frauen und für die Männer. Erst totschweigen und verdrängen, dann sprechen, Liebe gestehen, die Männer, Freunde und Familien vor den Kopf stossen. Heute sind Didi und Sara verheiratet. Didi erwartet – mithilfe eines Spenders aus Dänemark – das zweite Kind. 

Late Bloomers

Die beiden kann man als späte Lesben bezeichnen. Sie interessieren sich für Männer, heiraten sogar, und erst jenseits der 30 outen sie sich als homosexuell. Man spricht dabei oft von «Late Bloomers» (Spätzünder). Dazu findet sich auch einiges in der Literatur: «Married Women who love women», «Late Bloomers: Awakening to Lesbianism After Forty», Switching Teams». 

Späte Lesben sind in den letzten Jahren durch zahlreiche Outings prominenter Frauen in den Fokus gerückt. Die bekannteste ist vielleicht die Schauspielerin Cynthia Nixon, berühmt als «Miranda» aus «Sex and the City». Die Rothaarige lebte 15 Jahre mit einem Mann und bekam Kinder mit ihm, bevor sie sich für eine Frau entschied. Jodie Foster war 45 Jahre, als sie sich öffentlich zu ihrer Partnerin bekannte. Die deutsche Fernsehmoderatorin Anne Will outete sich mit 44. Ganz unaufgeregt sagte sie über sich und ihre Begleitung: «Ja, wir sind ein Paar». Nüchtern und voller Selbstsicherheit, ohne verteidigen zu wollen à la Klaus Wowereits berühmten Nachsatz: «… und das ist auch gut so». 

Waren diese Frauen schon immer lesbisch und versteckten ihre Gefühle aufgrund des gesellschaftlichen Drucks oder hat sich ihre sexuelle Vorliebe mit der Zeit verändert? Dieser Frage widmet sich auch die Wissenschaft. 

Eine Erkenntnis: Es kann durchaus sein, dass Frauen oft – insbesondere früher – den traditionellen Weg suchen, weil das die Gesellschaft verlangt und sie nicht den Mut haben, ihr eigenes Leben zu führen. Das bringt sie dazu, später als «Lesben» zu leben. Es ist vielleicht auch der Familienwunsch, der heute ja nicht mehr unmöglich wirkt, der aber früher für viele Frauen nicht denkbar war.

Auch Constance Hoppmann von der HAZ (Homosexuelle Arbeitsgruppen Zürich), die seit zwei Jahren die Lesbenberatung leitet, sagt dazu: «Es kommt vor, dass sich Frauen in das Konstrukt von Ehe und Familie einpassen und dann versuchen, ein «normales» Leben zu führen, weil anders zu sein als die Mehrheit mit Schwierigkeiten verbunden sein kann.» Es brauche noch viel mehr Aufklärung, damit die Hürde des Sich-Outens nicht so gross sei.

«Es braucht Mut, und man muss auch sich selbst kennen. Vielleicht benötigen Frauen mehr Zeit, um sich selber zu bestätigen.»

Barbara Lanthemann, Lesbenorganisation Schweiz (LOS)

Frauen sind offener

Doch immer mehr kommen Forscher zum Schluss, dass sich die sexuelle Orientierung der Frauen mit der Zeit verändern kann. Die amerikanische Wissenschafterin Christian Moran verfasste eine Studie zum Thema «Late Lesbian». Ihr Ergebnis: «Eine heterosexuelle Frau kann eine komplette Verwandlung zu einer lesbischen Identität durchmachen. In anderen Worten, sie können ihre sexuelle Orientierung wechseln.»

Die Forscherin Lisa Diamond hat in einer Langzeitstudie die Veränderungen sexueller Identitäten von Frauen untersucht. Es gebe Frauen, die ihre Neigung unterdrücken, doch viele hätten erst zu einem späteren Zeitpunkt gemerkt, dass sie auf Frauen stehen. Meist ausgelöst durch eine ganz bestimmte Frau. Bei Didi war es ihre beste Freundin, zu der sie sich plötzlich hingezogen fühlte. Didi sagt, sie habe sich in den Menschen verliebt. Diese Erfahrung ist eher eine weibliche. Frauen seien offener und formbarer, was die sexuelle Orientierung betrifft. Männer tendieren eher dazu ein «bevorzugtes» und ein «nicht bevorzugtes» Geschlecht zu haben.

«Es braucht Mut, und man muss auch sich selbst kennen. Vielleicht benötigen Frauen mehr Zeit, um sich selber zu bestätigen», sagt Barbara Lanthemann von der Lesbenorganisation Schweiz (LOS). Sie fragt: «Ist es nicht auch so, oder war es zumindest früher so, dass Frauen ihren eigenen Körper nicht kennen?» Dafür brauche es eben Lebenserfahrung. Bei der Lesbenorganisation melden sich ab und zu Frauen, die Fragen zu einem späten Outing haben. Meistens weil es dann auch Probleme mit dem Ex-Mann gibt oder weil sie um das Sorgerecht fürchten.

«Outing ist immer verbunden mit dem Überschreiten von Ängsten. Es wirkt wie ein Neuanfang, aber am Ende ist frau hinterher der gleiche Mensch wie vorher. Im Inneren jedoch hat sich etwas Existenzielles verändert.»

Lesbenberaterin Constance Hoppmann

John ist so ein Ex. Zwar ohne gemeinsames Kind, aber mit verletztem Ego. Seine Ex-Freundin hat ihn für eine Frau verlassen. Er fragt sich beinahe täglich, wie es dazu kam. Waren sie doch neun Jahre ein Paar und er begleitete sie für ihren Job in die Schweiz. Nach einem Jahr sass sie am Küchentisch und sagte: «Ich habe Gefühle für eine Frau.» Heute lebt sie mit ihr zusammen und das, obwohl sie zuvor niemals eine sexuelle Erfahrung mit einer Frau hatte.

Die Wissenschafterin Diamond vermutet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sich jemand über sexuelle Grenzen bewegt, mit dem Alter zunimmt. Bei Frauen, die sich später outen und sogar eine Familie gegründet haben, kommt wohl verstärkt hinzu, dass die Kinder irgendwann gross sind, die Ehe nicht mehr so wie am Anfang funktioniert, dann ergibt sich für viele Frauen erst die Möglichkeit, über das Leben nachzudenken. Bin ich glücklich? Was will ich in meinem Leben?

«Outing», so die Lesbenberaterin Hoppmann, «ist immer verbunden mit dem Überschreiten von Ängsten. Es wirkt wie ein Neuanfang, aber am Ende ist frau hinterher der gleiche Mensch wie vorher. Im Inneren jedoch hat sich etwas Existenzielles verändert.»

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52Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • schoggifresser@gmail.com 07.03.2017 15:27
    Highlight Highlight Sollte sich diese Liebesgeschichte tatsächlich so zugetragen haben finde ich es einfach nur traurig, dass dabei offenbar von den Ehemänner umgehend 'besitzansprüche" angemeldet wurden, anstatt sich mit ihren Ehefrauen über deren Liebe zueinander zu erfreuen, was als Bereicherung für alle vier sein könnte....
    Verklemmte und besitzergreifende...... (Männer)
  • Wenn Åre = Are dann Zürich = Zorich 05.03.2017 19:13
    Highlight Highlight Ich verstehe nicht wieso man heute noch Diskutieren muss auf was Frau oder Mann steht. Soll doch jeder machen was er will solange niemandem Schaden zugefügt wird, ist das doch sowas von Scheissegal. Mich Interessierts in keinster Weisse ob ich einen Hetero-, Homo-, Bi- oder Asuxuellen vor mir habe oder ob die Person sich in ein Latexkostüm Stülpen und dann mit einer Gerte den Allerwertesten versohlen lässt. Der Mensch ist entscheident, wie er sich gibt aber allen voran ob er Menschlich ist oder eben nicht. Kann auch die Religiösen diesbezüglich nicht verstehen, Zeiten ändern sich.
  • koks 05.03.2017 18:25
    Highlight Highlight «Ich habe Gefühle für eine Frau.»
    Ja, schon ok.
    Vielleicht kommt sagt dann der Mann auch eines Tages: "Ich habe Gefühle für eine andere Frau."
    Hoffe, unsere Gesellschaft akzeptiert das dann auch ohne schiefe Seitenblicke.
    • lilie 05.03.2017 19:23
      Highlight Highlight @koks: Das passiert doch ständig... ? 🤔
    • Fabio74 05.03.2017 19:33
      Highlight Highlight Der Vergleich ist schief. WEnn schon müsste der Mann Gefühle für einen Mann haben.
    • Dean Hubert 05.03.2017 20:48
      Highlight Highlight haben homosexuelle beziehungen also einen höheren stellenwert? nur weil ein man sich mit der zeit einer anderer frau hingezogen fühlt ist das nicht normal?
    Weitere Antworten anzeigen
  • pamayer 05.03.2017 16:14
    Highlight Highlight In der Hoffnung für alle, die eine Beziehung eingehen, dass ihr jeweiliges Umfeld wohlwollend darauf reagiert, sei dies wenn eine Frau aus traditionellem Umfeld sich den Mann selbst auswählen möchte, wenn einer nicht die Tochter von Vaters Geschäftspartner ehelichen will, wenn sie einen Flüchtling einem soliden Schweizer vorzieht, oder eben, eine Frau sich für eine Frau entschiedet.

    Ich denke, da ist noch Luft nach oben vorhanden. Auch in unserer schönen Schweiz.
  • Tepesch 05.03.2017 15:51
    Highlight Highlight Klingt für mich eher nach Bisexualität.
  • DerTaran 05.03.2017 14:06
    Highlight Highlight Ich könnte mir auch vorstellen, dass es sich um ein natürliches Konzept von Geburtenkontrolle handelt.
    Sind Kinder da, nimmt die sexuelle Lust bei Frauen ab, sie werden Lesbisch oder sie suchen sich eine Affaire um ihre Gene mit weiteren Männern zu teilen.
    Leider ist die Natur nicht romantisch.
    • DerTaran 05.03.2017 14:51
      Highlight Highlight Und natürlich kann ich mir gut vorstellen, dass es diesen Mechanismen auch bei Männern gibt.
      Ich bin überzeugt, dass es für Homosexualität einen Grund gibt und wahrscheinlich sogar mehr als einen, sonst gäbe es sie nicht. Wie oben geschrieben, die Natur ist nicht romantisch.
      Es wäre schön, wenn der/die eine oder andere Blitzer mir meinen Denkfehler aufzeigt.
    • Philipp Burri 05.03.2017 14:55
      Highlight Highlight Dass in unseren Genen keine Mechanismen zur Geburtenkontrolle vorgesehen sind ist ziemlich offensichtlich ... 6 Milliarden und so..
    • who cares? 05.03.2017 15:07
      Highlight Highlight Weil Lesben ja keinen Sex haben...
    Weitere Antworten anzeigen
  • rodolofo 05.03.2017 13:32
    Highlight Highlight Ich vermute eher, dass es bei diesen heterosexuellen Frauen um "bisexuelle" Frauen handelt, also um traditionell "Mannsweiber" genannte Frauen, denen in der Sexualität sehr viele Wege offen stehen.
    Welchen Weg sie gehen wollen, hängt dann von der Lebensphase ab, in der sie sich befinden.
    • Philipp Burri 05.03.2017 13:55
      Highlight Highlight Ich glaube du verwechselst hier was mein traditioneller Freund
    • DerTaran 05.03.2017 14:08
      Highlight Highlight Mannsweib geht in dem Zusammenhang gar nicht.
    • Steddybär 05.03.2017 14:48
      Highlight Highlight Mannsweib? Huupets? 😂

      Ich bezeichne mich zwar als heterosexuell aber warum sollte ich ausschliessen mich jemals in eine Frau zu verlieben?
    Weitere Antworten anzeigen
  • NWO Schwanzus Longus 05.03.2017 13:29
    Highlight Highlight Muss sagen das ich es persönlich erlebt habe bei meiner einzigen Schwester die vorher einen Freund hatte. Irgendwann war sie unglücklich dann fand sie heraus das sie lesbisch ist. Schliesslich trennte sie sich von ihm seitdem ist sie sehr glücklich auch wenn sie derzeit noch keine Beziehung will sondern erstmal Geschlechtsverkehr mit wechselnden Partnerinnen will. Gut das ihr Umfeld sie nicht im Stich liess nach ihrem Outing.
  • Menel 05.03.2017 13:10
    Highlight Highlight Männer machen homosexuelle Erfahrungen eher in den Jugend-Anfang-20er-Jahren, Frauen eher später. Auch sexuell sind Frauen erst ab 30 richtig aktiv. Wäre wirklich spannend mal genau zu untersuchen, was für Faktoren da mitspielen. Ist das nur gesellschaftlich bedingt oder gibts auch biologische Gründe dafür?
  • Ylene 05.03.2017 12:45
    Highlight Highlight Warum könnten die nicht einfach bisexuell sein und irgendwo zwischen 2 und 4 auf der Kinsey-Skala hin und her pendeln? 🤔https://de.m.wikipedia.org/wiki/Kinsey-Skala Wer im Verlauf seines Lebens eine langjährige, glückliche sowohl romantische wie auch sexuelle Beziehung mit einem Mann und einer Frau hat, ist m. E. am wahrscheinlichsten doch einfach bi- oder pansexuell?
  • Daenerys Targaryen 05.03.2017 12:42
    Highlight Highlight Bin nur ich das oder fehlt der Rest des Artikels?
    • Daniel Huber 05.03.2017 13:01
      Highlight Highlight @Daenerys Targaryen: Das stimmt. Jetzt ist aber alles da.
  • niklausb 05.03.2017 12:35
    Highlight Highlight Viel heisse luft und dann nichts wirklich imteressantes im artikel..... Substandart!
    • Daniel Huber 05.03.2017 13:02
      Highlight Highlight @niklausb: Sorry, das liegt daran, dass zuerst nur die Hälfte des Textes drin stand. Jetzt ist aber alles da.
  • NWO Schwanzus Longus 05.03.2017 12:16
    Highlight Highlight Eher das die beiden erst spät Lesbisch wurden. Sonst wären sie während ihrer Hetero Beziehungen nicht so glücklich gewesen. Das gibts nunmal.
    • Philipp Burri 05.03.2017 12:58
      Highlight Highlight Vielleicht its Sexualität ja nicht schwarz-weiss sondern Graustufen *klugscheissmodus off*
  • DerTaran 05.03.2017 12:15
    Highlight Highlight Und wo ist jetzt dann der Artikel? Die Einleitung war ja spannend, aber dann war schon schluss.
    • Daniel Huber 05.03.2017 13:00
      Highlight Highlight @DerTaran: Sorry, es fehlte die Hälfte des Artikels. Jetzt ist alles da.

So klingt es, wenn wir Heteros die gleichen Fragen stellen wie Homosexuellen

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