Walsturz: Das passiert, wenn Wale sterben
Seit einigen Tagen bangen Menschen in ganz Deutschland um einen verirrten Wal in der Ostsee. Der Buckelwal strandete zunächst vor dem Timmendorfer Strand auf einer Sandbank, befreite sich anschliessend selbst und sitzt nun erneut fest, dieses Mal in der Wismarer Bucht. Das ungewöhnliche Ereignis wirft Fragen zu den Meeresriesen auf: Wo leben Wale eigentlich, wie alt können sie werden und was passiert mit den Körpern toter Tiere? Hier finden Sie die wichtigsten Fakten über Wale.
1. Wie alt werden Wale?
Das Alter von Walen zu bestimmen, ist oft schwierig. Schliesslich wird ihre Geburt in den meisten Fällen nicht protokolliert. Manche Walarten in den kalten arktischen Gewässern leben zudem länger als Menschen: Grönlandwale etwa sollen über 200 Jahre alt werden können. Wissenschaftler haben bislang noch keine verlässliche Methode gefunden, das Alter dieser Art genau zu bestimmen.
Nach Angaben der Organisation «Whale and Dolphin Conservation» (WDC) wurden in den vergangenen Jahren Grönlandwale gefunden, in deren Körpern Speer- und Harpunenspitzen aus dem frühen 19. Jahrhundert steckten. Allerdings werden nicht alle Walarten so alt. Die Lebenserwartung eines Blauwals liegt beispielsweise bei 90 Jahren, andere Arten werden im Durchschnitt etwa 70 Jahre alt.
Experten zufolge kann die Lebenserwartung eines Wals auch damit zusammenhängen, wie viel menschliche Aktivität – etwa durch Fischerei – in seinem Lebensraum stattfindet.
Zudem deutet eine Studie darauf hin, dass das Alter der Grosswale bislang deutlich unterschätzt wurde. So können Südkaper, eine Walart aus der Familie der Glattwale, etwa bis zu 130 Jahre alt werden, wie Analysen zeigten.
2. Welcher ist der grösste Wal der Welt?
Der Blauwal ist der grösste Wal und gleichzeitig das grösste Tier auf der Erde. Er erreicht im Schnitt eine Länge von 26 Metern und wiegt rund 180 Tonnen. Vereinzelte Tiere erreichen allerdings auch Längen von bis zu 30 Metern. Der bislang grösste wissenschaftlich vermessene Blauwal war 33,6 Meter lang.
Allein das Herz eines Blauwals wiegt zwischen 600 und 1'000 Kilo, seine Halsschlagader hat einen Durchmesser von 20 Zentimetern ─ also so gross, dass ein Baby bequem hindurchkrabbeln könnte –, und auf der etwa zwei Tonnen schweren Zunge würde eine ganze Fussballmannschaft Platz finden. Doch nicht alle Vertreter der Wale und Delfine sind derartige Riesen: Ihre kleinsten Artgenossen, die Schweinswale, wiegen nur um die 50 Kilo.
3. Wo leben Wale überall?
Wale sind weitverbreitet. Viele Arten bevorzugen die Kälte der arktischen Gewässer. Einige wandern in den Sommermonaten Richtung Äquator oder Antarktis, um dort zu fressen und sich zu paaren. Im Atlantik, Pazifik und dem Indischen Ozean leben Dutzende Arten. Es gibt sogar Wale im Mittelmeer, etwa den Hafenschweinswal, und auch einige Delfinarten.
Sogar einen Wal im Rhein ─ einen Belugawal namens Moby Dick ─ gab es 1968. Er war allerdings versehentlich in den Fluss geraten: Bei seinem Transport in einen englischen Zoo kenterte das Schiff und Moby Dick wurde in die Nordsee gespült. Über den Rotterdamer Hafen gelangte er in den Rhein.
Obwohl sie als Revier für Grosswale nicht geeignet ist, verirren sich diese Tiere auch gelegentlich in die Ostsee, wie auch der aktuelle Fall zeigt.
4. Was fressen Wale?
Die bevorzugte Nahrung unterscheidet sich von Art zu Art. So ernährt sich der Schwertwal, das grösste Raubtier der Welt, von anderen Meeressäugern wie kleineren Walen und Delfinen, Robben, Pinguinen und Seevögeln. Er kann in der Gruppe sogar Beute erlegen, die grösser ist als er selbst. Einige mutige Schwertwale nehmen es etwa mit Haien auf.

Der riesige Blauwal bevorzugt hingegen vergleichsweise winzige Nahrung: Die Meeresgiganten fressen hauptsächlich Krill, etwa fünf Zentimeter grosse garnelenartige Krebse. Beim Buckelwal stehen Heringe ganz oben auf dem Speiseplan. Grundsätzlich mögen Bartenwale wie der Buckelwal auch vegetarische Nahrung wie Plankton, während die Gruppe der Zahnwale (z. B. Pottwale und Narwale) Fisch bevorzugt.
5. Gibt es tatsächlich Einhorn-Wale?
Die Legende vom Wal mit Horn existiert seit Jahrhunderten. Tatsächlich ragt manchen männlichen Narwalen eine bis zu drei Meter lange Spitze aus dem Kopf. Da diese Spitze gedreht ist, sieht sie aus wie bei einem Einhorn.
Genau genommen handelt es sich bei dem Horn um einen der beiden Zähne des Narwals. Bei vielen männlichen Tieren wächst ein Zahn unaufhörlich weiter und ragt wie ein Horn aus dem Kopf. Dieser Zahn enthält Millionen von Nervenenden, sodass Wissenschaftler davon ausgehen, dass das Horn dem Wal als eine Art Sensor dient.
6. Was passiert mit verendeten Walen?
Wenn Wale auf offenem Meer sterben, sinken sie meist auf den Meeresgrund, wo sie über Jahre von zahlreichen Meeresorganismen abgebaut werden und so ein wertvolles Ökosystem bieten. Das wird auch als «Walsturz» bezeichnet.
Gestrandete Wale, die verenden, müssen jedoch oft entsorgt werden, etwa wenn sie in einem touristischen Gebiet liegen. Sie werden dann entweder zerlegt, vergraben, in Tierkörperbeseitigungsanlagen gebracht oder zurück ins Meer geschleppt. Die Seebestattung gilt aus ökologischer Sicht als ideal, weil sie die natürliche Nährstoffkette unterstützt. Dabei sind jedoch viele Faktoren zu berücksichtigen, da der Kadaver andernfalls zurück an die Küste gespült werden kann.
7. Können tote Wale explodieren?
Es existieren Gerüchte, dass ein Wal explodiert, wenn er tot ist. Tatsächlich sind Walexplosionen möglich. Im Körper gestrandeter toter Wale bilden sich Fäulnisgase, die den Kadaver aufblähen, bevor sie explosionsartig austreten und dabei Blut und Innereien mitreissen können.
Es gibt allerdings auch Walexplosionen, die durch Menschen herbeigeführt werden, um die tonnenschweren verwesenden Körper zu entsorgen. So wurde beispielsweise 1970 in Florence im US-Bundesstaat Oregon ein toter Pottwal mithilfe von Dynamit gesprengt. Diese Methode stellte sich zwar als wenig effektiv heraus, sie wird jedoch auch heute noch in manchen Fällen angewandt.
Verwendete Quellen:
- scinexx.de: "Wie alt werden Wale?"
- de.wahles.org: "Blauwal"
- spiegel.de: "Verirrter Beluga: Das weisse Wunder vom Rhein"
- nationalgeographic.de: "Walsturz: Das passiert mit Walen nach ihrem Tod"
- spektrum.de: "Wie entsorgt man tote Wale am besten?"
- simplyscience.ch: "Der Narwal – das Einhorn der Meere"

