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Klimawandel bedroht Rentiere in Russland



Die Erderwärmung bedroht nach Einschätzung von Umweltschützern zunehmend Rentiere in Russland. «Der Klimawandel ist bereits heute die grösste Bedrohung für diese Tiere», sagte Wladimir Krewer von der Umweltstiftung WWF der Deutschen Presse-Agentur in Moskau.

Ein frühes Schmelzen von Eis habe etwa zur Folge, dass selbst trächtige Tiere durch eiskaltes Wasser schwimmen müssten. In der Vergangenheit konnten sie problemlos zugefrorene Seen und Flüsse überqueren. Auch die Nahrungssuche gestalte sich schwieriger, weil Pflanzen häufiger mit Eis statt mit Schnee bedeckt seien.

Russische Umweltschützer beobachteten im August, dass Rentiere so früh wie noch nie zurück in den hohen Norden Russlands gezogen sind. Dabei seien südlich der Taimyr-Halbinsel am Nordpolarmeer viele Jungtiere beim Überqueren eines grossen Flusses ertrunken, weil ihnen die Kraft dafür gefehlt habe. «Etwa 200 Jungtiere blieben erschöpft am Ufer zurück», heisst es in einem WWF-Bericht. Viele Tiere seien streunenden Hunden zum Opfer gefallen.

Un jeune renne de 6 mois, gauche, mange avec son papa renne dans son enclos au Zoo du Bois du petit-Chateau ce lundi 9 decembre 2013 a La Chaux-de-Fonds. Le jeune renne est ne le 30 mai dernier. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Über 200 Jungtiere sind ertrunken. Bild: KEYSTONE

Bestand halbiert

«Wir müssen uns bewusst werden, dass die Klimaveränderung immer mehr Phänomene mit sich bringen wird, die in der Arktis bisher noch nicht aufgetreten sind», sagte Umweltschützer Alexej Kokorin. So gebe es etwa häufiger Hitzewellen und Flächenbrände. Der WWF schätzt, dass sich der Bestand der am Nordpolarmeer lebenden Tundra-Rentiere in den vergangenen zehn Jahren auf rund 400'000 halbiert hat.

In Russland leben zwei Arten von Rentieren: die eine hat in den Wäldern ihren Lebensraum und die andere in der Tundra, wie Krewer sagte. Sie seien für das Funktionieren der Ökosysteme und die indigenen Völker von erheblicher Bedeutung. Ohne Rentiere könnten sie nicht existieren.

Begehrte Geweihe

Krewer sieht die Tiere auch durch die Jagd bedroht. Erlaubt sei, dass jährlich zehn Prozent des Bestandes gejagt werden dürften. «Das Problem aber ist: Es gibt keine genaue Zählung.» Wilderer haben es besonders auf die Geweihe der Hirsche abgesehen. Wissenschaftler schätzen dem WWF zufolge, dass bis zu 70 Prozent nach einem solchen «Eingriff» an Blutverlust und Sepsis sterben.

Das Absägen der Geweihe bei noch lebenden Tieren steht in Russland unter Strafe. Wilderern drohen mehrere Jahre Haft. Dennoch werden den Tierschützern zufolge vor allem im Winter Rentiere «mit Schneemobilen auf Winterweiden ausgerottet». Wilderer seien im Allgemeinen gut bewaffnet und ausgerüstet. (cki/sda/dpa)

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