Studie: Stadtvögel fürchten sich vor Frauen mehr als vor Männern
In urbanen Gebieten leben weit mehr Vögel als die omnipräsenten Stadttauben. Spatzen, Kohlmeisen, Amseln, Elstern, Sperlinge, Drosseln und viele weitere Vogelarten tummeln sich ebenfalls im Stadtdschungel. Forschende um Federico Morelli von der Universität Turin haben nun im Rahmen einer Studie untersucht, inwiefern das Geschlecht eines Menschen das Fluchtverhalten der Vögel beeinflusst.
Dafür sind je zwei Personen von April bis Juli in einer Stadt in fünf Ländern ausgeschickt worden – je ein Mann und eine Frau, die farblich gleich angezogen waren und in etwa dieselbe Statur hatten. Sie gingen direkt auf die Vögel zu und beobachteten, wann diese die Flucht ergriffen, und bezogen auch die Umgebung – etwa Parks oder Plätze – sowie andere äussere Gegebenheiten mit ein. So wurden 36 Vogelarten getestet.
Der Test zeigte, dass Grünspechte, Elstern und Stare am schnellsten flüchteten, während – wenig überraschend – Tauben und Meisen mehr Mut hatten. Grundsätzlich liessen männliche Vögel Menschen näher an sich herankommen als weibliche. War ein Busch in der Nähe, dauerte es bis zur Flucht länger, als wenn Bäume in der Nähe waren.
Was aber in allen sieben Städten in fünf Ländern zu beobachten war: Bei Frauen flogen die Vögel schneller davon als bei Männern. Erstere kamen bis auf 8,5 Meter an die Tiere heran, Letztere 7,5 Meter. Bei männlichen Vögeln sei dieser Unterschied besonders deutlich, heisst es in der Studie, die von der British Ecological Society veröffentlicht wurde.
Die Forschenden haben nun allerdings ein Problem. Denn warum die Vögel auf das Geschlecht der Menschen reagieren, das können sie bisher nicht erklären. Haarlänge, Hüftbewegung, Gangmuster oder unterschiedliche Kleidung können keine Antwort bieten, da diese bei den Testpersonen abgeglichen waren. Trotzdem könne es möglich sein, dass die Vögel an den Menschen etwas erkennen, was bei den Tests nicht berücksichtigt wurde – etwa den Körpergeruch.
Das Ergebnis widerspricht auch der Annahme, dass Männer früher eher jagten und Frauen für das Sammeln verantwortlich waren. Dass diese Theorie möglicherweise nicht ganz stimmt und Frauen auch für die Jagd kleinerer Tiere zuständig gewesen sein könnten, wäre eine evolutionäre Erklärung für das Fluchtverhalten.
Doch bewiesen ist das nicht. Was die Studie mit Sicherheit gezeigt hat: Vögel nehmen ihre Umwelt wahr und subtile Unterschiede zwischen Menschen können das Verhalten der Tiere beeinflussen. (vro)
