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Weltall-Forscher streiten sich

Auf der Suche nach Aliens: Was, wenn jemand antwortet?

Forscher wollen Botschaften ins Weltall schicken, um ausserirdische Zivilisationen zu finden. Andere halten das für sehr gefährlich. Bei einer Tagung sind beide Fraktionen heftig aneinandergeraten.

Markus Becker, san José



Ein Artikel von

Spiegel Online

Wo sind die Aliens? Seit Jahrzehnten fahnden Menschen nach Signalen ausserirdischer Zivilisationen, und sie waren voller Hoffnung gestartet. Die Milchstrasse besitzt bis zu 300 Milliarden Sterne, wahrscheinlich Millionen bewohnbarer Planeten, und sie ist mehr als 13 Milliarden Jahre alt. Reichlich Zeit also für intelligente Ausserirdische, die Galaxie zu kolonisieren. Allein: Bisher hat die Menschheit nichts von ihnen gehört.

In der SETI-Gemeinde – das Kürzel steht für «Search for extraterrestial Intelligence» – macht sich Ungeduld breit. Einige ihrer Mitglieder wollen den Spiess nun umdrehen und selbst Signale ins All senden – leistungsstark, zielgerichtet und über lange Zeiträume. Aus SETI wird METI, «Message to extraterrestrial Intelligence».

Doch während einige lieber heute als morgen mit dem Senden von Nachrichten begännen, halten andere das für völlig verantwortungslos. Schliesslich wisse niemand, ob die Ausserirdischen als Helfer oder Eroberer kämen.

Arrogant und unhöflich

Die Jahrestagung des US-Forscherverbands AAAS, die derzeit im kalifornischen San Jos stattfindet, hat eines deutlich gezeigt: Die Lager stehen sich unversöhnlicher denn je gegenüber. «Wir werden als Paranoiker bezeichnet, die Angst vor bösen Aliens haben», schimpfte der Science-Fiction-Autor und Astrophysiker David Brin, ein führender METI-Gegner. Dabei fürchte er sich keineswegs vor einer Invasion Ausserirdischer. Die Warnung des berühmten Physikers Stephen Hawking, Aliens könnten die Ressourcen der Erde plündern, sei «lächerlich» – Asteroiden seien eine viel leichtere Beute.

Prinzipiell sei man gar nicht gegen das Senden von Nachrichten ins All, betont Brin. Doch auch wenn die Erfolgsaussichten gering seien: Die Folgen eines Kontakts mit Ausserirdischen wären gravierend – egal, ob die Aliens nun freundlich seien oder nicht. «Deshalb muss es eine globale Debatte und einen Konsens darüber geben, ob und was man sendet», meint Brin. «Das sollte man nicht einer kleinen Gruppe überlassen, die einige Meetings veranstaltet, sich selbst kontrolliert und das dann Diskussion nennt.»

Das Hauptquartier der «kleinen Gruppe», der Brin «Arroganz und Unhöflichkeit» vorwirft, ist das SETI Institute in Kalifornien. Seth Shostak, Chef des dortigen Center for SETI Research, ist ein glühender Befürworter von All-Botschaften. Die Menschheit sende ohnehin seit Jahrzehnten Signale ins All, etwa mit TV-Sendern oder militärischen Radargeräten. «Es ist zu spät, sich über die Entdeckung durch Ausserirdische noch Sorgen zu machen», sagt Shostak. «Dieses Pferd ist längst aus dem Stall gelaufen.»

Gezielte Nachrichten an lebensfreundliche Planeten

Allerdings wollen Shostak und seine Mitstreiter die Wahrscheinlichkeit, dass Aliens auf uns aufmerksam werden, deutlich erhöhen – indem sie mit leistungsstarken Sendern gezielt Welten anfunken, auf denen es Leben geben könnte. An ihrem Ziel wären die Signale dann millionenfach stärker als die bisherigen, in alle Richtungen abgestrahlten Zufallssignale.

Potentiell bewohnbare Exoplaneten werden von Astronomen immer öfter entdeckt. Und schon 2018, wenn das James-Webb-Weltraumteleskop das Hubble-Observatorium ablöst, könne Planeten voraussichtlich direkt nachgewiesen werden, ob auf ihnen Leben möglich ist. Dann wird nämlich die Analyse von deren Atmosphäre möglich.

Was aber geschähe, wenn Ausserirdische tatsächlich auf uns aufmerksam würden? «Es gibt Hunderte Beispiele für Erstkontakte zwischen unterschiedlichen weit entwickelten Zivilisationen», so Brin. «Und für die weniger entwickelten Zivilisationen gingen sie selten gut aus.»

Erginge es der Menschheit wie den Azteken?

Die Befürworter des «aktiven SETI» glauben freilich nicht daran, dass Ausserirdische die Menschheit unterwerfen würden wie einst Cortés die Azteken. «Sollte es intelligente Zivilisationen anderswo im All geben, wären sie der Menschheit wahrscheinlich Jahrtausende oder gar Jahrmillionen voraus», sagt Douglas Vakoch, beim SETI-Institut für das Verfassen interstellarer Nachrichten zuständig. «Das bedeutet zwangsläufig, dass eine solche Kultur eine Stabilität besitzt, die uns derzeit fehlt.»

Die METI-Gegner aber halten das für eine reine Vermutung. Sie haben jetzt eine Petition veröffentlicht, in der sie erneut eine globale Debatte fordern. Unterschrieben haben eine Reihe prominenter Forscher und Unternehmer – etwa Elon Musk, Gründer des Raumfahrtunternehmens SpaceX und der Elektroautofirma Tesla, der Wissenschaftshistoriker und Sachbuchautor George Dyson und bekannte Astronomen wie etwa Geoffrey Marcy.

Brin schlägt vor, fünf bis zehn Jahre zu warten, «bevor man in unserem Namen ein ‹Juhuu› ins All ruft». Während dieser Zeit solle man die Welt entscheiden lassen, ob man Nachrichten absende. «Was könnte mehr Spass machen als eine solche Debatte?», fragt der Autor. «Und was würde dem SETI-Projekt mehr Spenden einbringen?»

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