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Gemütliches Fondue-Essen in den 40er Jahren, Liestal.

Gemütliches Fondue-Essen in den 40er Jahren, Liestal. Bild: Keystone/Museum.BL/Theodor Struebin

Das Fondue – ein «Naturkunstprodukt»

Bis zum Zweiten Weltkrieg war das Fondue in den meisten Regionen der Schweiz unbekannt. Zum «Nationalgericht» wurde die Käsespezialität erst mit einer Marketingkampagne der Schweizerischen Käseunion.

Peter Moser / schweizerisches Nationalmuseum



Bis ins 20. Jahrhundert kannte man das Käsefondue nur in Gegenden, wo auch Kühe gehalten wurden. Denn lange brauchte man zur Zubereitung Milch, nicht Wein. Immer ein zentraler Bestandteil des Fondues war jedoch Käse, den man schmolz. Weil auch in der Schweiz Käse erst vor hundert Jahren wirklich zu einem Volksnahrungsmittel wurde, kannten die meisten Konsumenten das Fondue vorher gar nicht. In der Deutschschweiz wirklich populär wurde es erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als, wie so vieles in der Konsumgesellschaft, auch Käse im Überfluss vorhanden war.

Erstmals von einem «Käsefieber» befallen wurde die Schweiz im 19. Jahrhundert. Vorher konnte Hartkäse nur im Sommer auf Alpen produziert werden. Denn nur dort gab es genug Futter für so grosse Kuhherden, die genügend Milch lieferten, um damit Hartkäse herstellen zu können. Dank der Verbesserung der Futtergrundlage in der ersten Agrarrevolution und der steigenden Nachfrage nach Käse im Ausland konnten sich im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts auch Bauern im höheren Mittelland in Käsereigenossenschaften zusammenschliessen und die Rohmilch ihrer Kühe in vollfetten Hartkäse verarbeiten.

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Nach der Pflege und Reifung in geheizten Käsekellern wurden die bis zu 100 Kilo schweren Laibe vor allem an international tätige Käsehändler verkauft. Diese Exporteure belieferten dann primär Detaillisten in europäischen und nordamerikanischen Städten. Dort wurde der Hartkäse vorwiegend von Küchenpersonal gekauft, das in bürgerlichen Haushalten diente.

Fondue-Caquelon von 1950.

Fondue-Caquelon von 1950. Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

In der Schweiz beflügelte der Ausbau der Käseproduktion die gesamte Volkswirtschaft. Denn die unmittelbar mit dem Milchverkauf verbundenen Einnahmen führten zu einer anhaltenden Nachfrage nach gewerblichen und industriellen Produkten durch die Bauernbetriebe. Das förderte die Entwicklung von Gewerbe und Industrie ebenso wie das Engagement der Käsehändler in den neu entstehenden Handels- und Industrievereinen und der Bauern in den landwirtschaftlichen Genossenschaften.

Es waren denn auch primär diese Institutionen, die die Produktion und Verbreitung jenes Wissens ermöglichten, das zur Bewältigung der ersten Globalisierung – und damit der Verstetigung der Käseexporte – notwendig war.

Allerdings wurden nicht alle Menschen vom «Käsefieber» erfasst. Für die Unterschichten auf dem Land und die städtische Arbeiterschaft blieb das «Naturkunstprodukt», wie Jeremias Gotthelf die im 19. Jahrhundert entstehenden Agrarprodukte charakterisierte, lange unerschwinglich. Selbst in bäuerlichen Haushalten im Talgebiet wurde im 19. Jahrhundert noch kaum Käse gegessen.

Das änderte sich erst im und nach dem Ersten Weltkrieg, als Milch zu einem Grundnahrungsmittel breiter Volksschichten wurde. In den Städten liessen sich viele Haushalte Milch und Milchprodukte nicht nur an die Haustüre, sondern zuweilen sogar in die Küche liefern.

Bei der Organisation des Exports und der flächendeckenden Versorgung der Konsumenten mit Käse zu einheitlichen Bedingungen spielte die 1914 gegründete und 1999 wieder aufgelöste Schweizerische Käseunion (SKU) eine wichtige Rolle. Ging es während des Krieges vor allem auch um die Sicherstellung einer (zunehmend bescheidener werdenden) Grundversorgung im Inland, so rückte in der Zwischenkriegszeit die Organisation des Exports ins Zentrum ihrer Tätigkeiten.

Dabei liess man es nicht bei Appellen wie «Trinkt Milch! Esst schweizerische Milchprodukte!» bewenden, sondern begann auch Käsegerichte wie das bisher vor allem in der Romandie und Savoyen bekannte Fondue zu propagieren.

Handzeichnung «Fondue isch guet» des Schweizer Cartoonisten, Illustrators und Grafikers Jules Stauber (1920-2008).

Handzeichnung «Fondue isch guet» des Schweizer Cartoonisten, Illustrators und Grafikers Jules Stauber (1920–2008). Bild: Schweizerisches Nationalmuseum

Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die SKU, aus der regionalen Spezialität ein national eingefärbtes «Markenprodukt» zu machen. Viel dazu beigetragen, dass das weitgehend gelang, hat der Umstand, dass die Zubereitung von Fondue relativ einfach ist und (vermutlich) nicht zuletzt auch deshalb von vielen Männern aufgenommen wurde, die zunehmend über Freizeit verfügten. Gefördert wurde die Maskulinisierung durch die soziale Wertschätzung, die die Zubereitung von Fondue dadurch erfuhr, dass Fondueessen immer auch ein ausgesprochen soziales Ereignis war. Nicht selten wurden Gäste eingeladen oder man ass gemeinsam auswärts.

Auch das Militär trug viel zur Popularisierung des Fondueessens bei. Vielen bis heute in Erinnerung geblieben ist die FIGUGEGL-Werbung («Fondue isch guet und git e gueti Luune»), die nicht nur zum Essen von geschmolzenem Käse aufrief, sondern einer neu erfundenen kulinarischen Tradition gleich auch eine Sprache verlieh.

So populär das Fondue war (und immer noch ist, obwohl der Konsum heute stagniert oder sogar leicht rückläufig verläuft): Selbst diejenigen, die selber Milch produzierten, waren nie alle vom Schmelzkäse begeistert. Für Ernst Därendinger etwa, den schreibenden Bauer aus dem Waadtland, war schon der Geruch von geschmolzenem Käse ein Gräuel.

Noch Jahrzehnte später, bei der Verfassung seiner Autobiografie «Der Engerling», erinnerte er sich lebhaft an die Qualen, die ihm das Essen auf einem Hof bereitet habe, auf dem er in seiner Jugendzeit als Angestellter tätig gewesen war, weil dort die Bäuerin, seine Chefin, den Speisen jeweils üppig Käse beimischte.

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Um das Westschweizer Gericht in der Deutschschweiz bekannt zu machen, veranstaltete man in den 1950er Jahren gratis Fondue-Degustationen. Beitrag in der Schweizer Filmwochenschau von 1954. Video: YouTube/Schweizer Radio und Fernsehen

>>> Weitere historische Artikel auf: blog.nationalmuseum.ch

watson übernimmt in loser Folge ausgesuchte Perlen aus dem Blog des Nationalmuseums. Der Beitrag «Das Fondue – ein ‹Naturkunstprodukt›» erschien am 14. November.
blog.nationalmuseum.ch/2019/11/geschichte-des-fondue-in-der-schweiz

Mit diesen 5 Tipps wirst du den Käsegestank los

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    Alle Leser-Kommentare
  • Maedhros Niemer 18.11.2019 15:29
    Highlight Highlight Ich bin ein riesen Fondue Fan - in verschiedensten Variationen!

    Nur leider finde ich in meinem ernährungstechnisch etwas komplizierten Bekanntenkreis immer weniger Leute, die ich dazu begeistern kann.
    So gibt es, traurig aber wahr, leider öfter mal ein Egofondue im Minicaquelon - Ich will nicht nur ein, zwei Mal pro Jahr Fondue essen!
  • AfterEightUmViertelVorAchtEsser_________________ 18.11.2019 14:13
    Highlight Highlight 🧀🔥➡😋

    Wir wollen ein Fondue-Emoji
  • Lightning makes you Impotent (LMYI) 18.11.2019 12:10
    Highlight Highlight Sieht fast wie heut aus... nur die Herren mit den Krawatten. Zum Glück ist das Mistding am aussterben und kommt hoffentlich nie mehr zurück! Ich weine diesem übriggebliebenen "Sklavenstrick" keine Träne nach!
  • PVJ 18.11.2019 11:22
    Highlight Highlight Immer wieder interessant zu erfahren, wann, wie und v.a. warum Traditionen erfunden wurden.
  • miguelito71 18.11.2019 09:20
    Highlight Highlight Ein Leben ohne Fondue ist nicht lebenswert :-).
  • immerdar 17.11.2019 20:08
    Highlight Highlight Fondue ist ok, aber ganz sicher nicht mit Muttermilch.
  • Sharkdiver 17.11.2019 19:51
    Highlight Highlight Entweder ist der Fondukonsum rückläufig oder als wie mehr machen wie ich oder andere dle ich kenne und raffeln sich den Käse selber. Ersten schmeckt es immer anders und ich bin doch nicht doof, und zahle einen happigen Aufpreis für das die "Hausmischung" schon geraffelt ist. Zudem reicht es wenn man ihn mit dem Messer zerkleinert. Aber es ist schwer zu hoffen das diese grässlichen Dings genannt Gerber und Co. Ausstirbt. Den das schmeckt wirklich wie durchnässte Ski-Socken
    • Cat‘sName 18.11.2019 13:10
      Highlight Highlight Sie können sich im Molkereiladen ihre Käsemischung nach Wunsch zusammenstellen und dort auch gleich raffeln lassen. Dann müssen Sie a) nicht die Hausmischung mit Aufpreis, b) tagealten abgepackten Käse und c) Gerber- Fondue kaufen. Easy-Peasy.
    • Sharkdiver 18.11.2019 16:28
      Highlight Highlight Wiegesagt ich mache es lieber selber. 🤷‍♂️
  • Olmabrotwurst vs. Schüblig 17.11.2019 19:02
    Highlight Highlight Ich dachte immer Fondue ist für die Touristen erfunden worden. Doch wir sind auf unsere eigene Kampagne reingefallen und sagen dem nun Nationalgericht.

    ^.-

    Übrigends das beste Fondue hatte ich in Fribourg bis jetzt. Ja Appenzellerkäse ist lecker aber nicht als Fondue :)
    • plop 17.11.2019 23:00
      Highlight Highlight ...Moment! Gruyère, Vacherin und noch einen kleinen Anteil rezenten Appenzeller - die bestmögliche Mischung... so kann man sogar ein moitié-moitié aus dem Coop essbar machen!
  • Garp 17.11.2019 18:08
    Highlight Highlight Nur so by the way, Schmelzkäse und geschmolzener Käse sind nicht unbedingt das Gleiche. Fondue, sollte man nicht als Schmelzkäse bezeichnen.

    Sonst ganz interessant :-) .
  • stepspeeder 17.11.2019 18:07
    Highlight Highlight Dieses Wochenende 15-17.11.2019 ist in Tartegnin die Fondue-Weltmeisterschaft! Bon appétit
  • MeinAluhutBrennt 17.11.2019 17:44
    Highlight Highlight ja figugel nomol!
    • Garp 17.11.2019 19:59
      Highlight Highlight Gel? Ehner nöd. 😂

Erektoteles

Als Louis' XVI. sexuelle Unfähigkeit ganz Europa zum Lachen brachte

Warum gibt's jetzt dafür ein eigenes Format?

Damit sich watson-User wie MartinZH nie wieder ungewollt in Artikeln mit derlei fragwürdigem Inhalt wiederfinden!

Und weil mein Chef es erfunden hat und wir zwei gute Wochen lang herzlich darüber lachen konnten.

Gut, da das nun geklärt ist: Auf in die heutige Geschichte!

«Rien», schrieb der französische Kronzprinz Louis Auguste am 17. Mai 1770 in sein Tagebuch. Es war der Tag nach seiner Hochzeitsnacht mit der habsburgerischen Prinzessin Marie …

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