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Helene Sperma

Bild: Shutterstock

8 Sperma-Mythen im Check – ist nach 1000 Schuss Schluss?

Um das Thema Sperma kursieren zahlreiche Mythen und Legenden. Ist nach 1'000 Schuss wirklich Schluss? Oder führt umgekehrt zu wenig Sex gar zum Samenstau? Was hat es mit der Sperma-Allergie auf sich? Acht Sperma-Mythen unter der Lupe. 

Wiebke Posmyk / t-online



Ein Artikel von

T-Online

Trotz vergleichsweise «aufgeklärter» Zeiten sind Gespräche über Sexualität vielfach noch nicht so frei, wie wir es von anderen Bereichen gewohnt sind. Gerüchte und Halbwahrheiten machen schnell die Runde – doch was wirklich stimmt, bleibt oft ungeklärt. Grund genug, sich einige Aussagen zum Thema Sperma etwas genauer anzugucken.

Mythos Nr. 1: Nach 1'000 Schuss ist Schluss

Hartnäckig hält sich das Gerücht, nach einer bestimmten Anzahl an Samenergüssen sei das Sperma-Kontingent erschöpft.

Die männlichen Hoden produzieren bis ins hohe Alter rund um die Uhr Samenzellen. Pro Sekunde entstehen dabei etwa 1'000 Spermien. Das sind fast 90 Millionen Spermien an einem einzelnen Tag. Ob und wie oft der Mann einen Samenerguss hat, spielt dabei keine Rolle.

Fazit: Dass nach einer bestimmten Anzahl an Samenergüssen Schluss mit der Spermienproduktion sein soll, ist schlicht und ergreifend Humbug. Angesichts der immens hohen Zahl an täglich neu entstehenden Spermien stellt sich eher die Frage, ob zu wenig Samenergüsse zu einem Samenstau führen. Womit wir bei Mythos Nr. 2 wären …

Mythos Nr. 2: Enthaltsamkeit führt zum Samenstau

Der Gedanke, dass längere Enthaltsamkeit zwangsläufig zu einem Samenstau führen müsste, erscheint naheliegend. Aber selbst nach längerem Sex- und Masturbationsentzug staut sich in der Hose nichts.

Der Körper entledigt sich der überschüssigen Spermien nämlich ganz von selbst. Zellen des Immunsystems bauen sie einfach ab. Alternativ gelangen die nicht benötigen Spermien meist unbemerkt im Schlaf durch einen spontanen Samenerguss ins Freie.

Fazit: Der Mythos vom Samenstau ist nichts anderes als ein Ammenmärchen.

Mythos Nr. 3: Es gibt eine Sperma-Allergie

Hautreizungen, Schwellungen oder gar Atemnot nach dem Sex? Solche Allergiesymptome können tatsächlich auf den Kontakt mit Sperma zurückzuführen sein. Auslöser ist ein bestimmter Inhaltsstoff der Samenflüssigkeit (Seminalplasma): das Eiweiss Kallikrein. Als Bestandteil des prostataspezifischen Antigens (PSA) trägt es zur flüssigen Konsistenz des Spermas bei.

Meist dauert es nur wenige Minuten nach dem Kontakt mit dem Sperma, bis erste Symptome auftreten. Im schlimmsten Fall droht ein anaphylaktischer Schock. Ein Partnerwechsel würde nicht weiterhelfen – denn das allergieauslösende Eiweiss befindet sich im Sperma jedes Mannes.

Diese Seminalplasma-Allergie, wie sie Fachleute nennen, scheint im Vergleich zu anderen Allergien selten vorzukommen. Weltweit sind offiziell nur knapp über 100 Fälle bekannt.

Untersuchungen deuten zwar darauf hin, dass die tatsächliche Fallzahl höher liegt. Wahrscheinlicher als eine Sperma-Allergie ist aber, dass Beschwerden nach dem Sex auf einen anderen Allergie-Auslöser zurückzuführen sind. Zum Beispiel auf das Parfum des Partners. Oder Rückstände von Nüssen, die sich nach dem Verzehr im Sperma befinden können.

Ob es sich bei Beschwerden tatsächlich um eine Sperma-Allergie handelt, kann die Allergologin oder der Allergologe herausfinden. Kondome schützen vor direktem Kontakt mit dem Sperma. Gegen die Symptome helfen Antihistaminika und Kortisonpräparate. Langfristig kann eine Desensibilisierung sinnvoll sein: Dabei wird der Körper schrittweise an immer höhere Dosen des Allergens gewöhnt.

Fazit: Die Sperma-Allergie gibt es wirklich. Im Zweifel schafft eine Untersuchung bei der Allergologin oder dem Allergologen Klarheit.

Mythos Nr. 4: Das Sperma bestimmt das Geschlecht des Babys

Ist das Geschlecht des Babys vom Sperma des Mannes abhängig? Diese Frage lässt sich mit den Grundlagen der Genetik beantworten:

Im Zellkern einer menschlichen Zelle befindet sich das Erbmaterial, die DNA. Sie setzt sich aus Chromosomen zusammen, in denen die einzelnen Erbinformationen gespeichert sind. In einer Zelle befinden sich normalerweise 23 Chromosomenpaare, also insgesamt 46 Chromosomen. Fachleute sprechen vom doppelten Chromosomensatz.

Im Gegensatz zu allen anderen menschlichen Zellen besitzen die Eizellen und Spermien keinen doppelten, sondern nur einen einfachen Chromosomensatz mit 23 Chromosomen. Erst wenn sich Samen- und Eizelle vereinen, entsteht dadurch wieder der doppelte Chromosomensatz – einer stammt von der Frau und einer vom Mann.

Entscheidend für das Geschlecht des Babys sind die beiden Geschlechtschromosomen, die das 23. Chromosomenpaar bilden. Ihre Kombination entscheidet darüber, ob eine Person männlich oder weiblich ist. Frauen haben zwei X-Chromosomen (XX), Männer dagegen ein X- und ein Y-Chromosom. Bei der Befruchtung hängt es also vom einfachen Chromosomensatz im Spermium ab, welches Geschlecht das Baby haben wird: Ist es das X-Chromosom, wird es ein Mädchen, ist es das Y-Chromosom, kommt ein Junge zur Welt.

Fazit: Das Geschlecht eines Babys wird durch das Geschlechtschromosom der männlichen Samenzelle bestimmt.

Mythos Nr. 5: Spermien können nach dem Sex noch tagelang überleben

Ausserhalb des Körpers sterben Spermien schnell ab. Sobald die schützende Samenflüssigkeit eintrocknet, können die Samenzellen nicht mehr überleben. Auf Kleidung, Bettlaken oder ähnlichen Stoffen trocknet Sperma schon nach wenigen Minuten.

Anders sieht es mit Spermien aus, die sich im weiblichen Geschlechtstrakt befinden. Sie können dort erstaunlich lange überleben – nämlich rund drei Tage.

In der Zeit um den Eisprung herum ist eine Frau besonders fruchtbar. In dieser Phase können männliche Samenzellen über den Gebärmutterhals in die Eileiter gelangen und dort eine Eizelle befruchten. Meist benötigen die Spermien eine bis drei Stunden, um den 12 bis 15 Zentimeter langen Weg bis in den Eileiter zurückzulegen. Dort können sie selbst nach mehreren Tagen noch mit einer weiblichen Eizelle verschmelzen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist am ersten Tag nach dem Sex am höchsten.

Fazit: Nur innerhalb des Körpers haben Spermien eine längere Überlebenschance. Auch Tage nach dem Sex kann eine im Eileiter befindliche Samenzelle noch eine Eizelle befruchten. Bereits einige Tage vor dem Eisprung sind die Chancen relativ hoch, dass eine Frau nach ungeschütztem Sex schwanger wird.

Mythos Nr. 6: Je mehr Sperma, desto eher wird eine Frau schwanger

Viel hilft viel? In manchen Bereichen mag das zutreffen. Aber wie ist es, wenn es um die Menge des Ejakulats geht? Steigt die Befruchtungswahrscheinlichkeit mit der Menge des Ejakulats?

Hier hilft es, sich die Zusammensetzung des Spermas einmal genauer anzuschauen: Es besteht zu 95 Prozent aus Körperflüssigkeiten (Sekreten) – und nur zu 5 Prozent aus Spermien. Ohne die klebrigen Sekrete würden die Spermien auf dem Weg zur Eizelle absterben. Die Sekrete liefern den Spermien Energie, schützen sie vor dem sauren Scheidenmilieu und sorgen dafür, dass sie beweglich sind.

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Video: watson/lea bloch

Die Gesamtmenge des Spermas spielt also eine untergeordnete Rolle, da es überwiegend aus Flüssigkeit besteht. Entscheidend bei der Frage nach der Fruchtbarkeit ist vielmehr, wie viele Spermien sich im Ejakulat befinden und von welcher Qualität sie sind. Beim Samenerguss eines gesunden Mannes verlassen mehr als 40 Millionen Spermien den Körper. Nur wenige hundert von ihnen erreichen beim Geschlechtsverkehr den weiblichen Eileiter. Befinden sich deutlich weniger Samenzellen im Sperma, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer Befruchtung.

Wenn die Spermien nicht ausreichend beweglich, nicht ausgereift oder fehlgebildet sind, können sie ebenfalls keine Eizelle befruchten. Sind gar keine voll ausgereiften Spermien im Ejakulat zu finden, sprechen Fachleute von einer Azoospermie: Dann ist der Mann unfruchtbar.

Fazit: Es hängt von der Menge und Qualität der Spermien ab, wie fruchtbar ein Mann ist – und nicht von der Gesamtmenge des Ejakulats.

Mythos Nr. 7: Boxershorts sind für Spermien gesünder als enge Slips

Lieber luftige Boxershorts als hautenge Slips? Untersuchungen weisen darauf hin, dass Boxershorts möglicherweise tatsächlich eine gute Wahl sind, wenn es um die Spermienqualität geht.

US-amerikanische Forscherinnen und Forscher untersuchten den Samen von 656 Männern und befragten diese nach der Art ihrer Unterhose. Alle Männer in der Studiengruppe wiesen eine Spermienkonzentration im Normalbereich auf, waren jedoch aufgrund von ungewollter Kinderlosigkeit in einer Spezialklinik in Behandlung.

Träger von Boxershorts hatten nicht nur deutlich mehr Spermien im Ejakulat als Slipträger. Sie wiesen auch einen höheren Anteil an beweglichen und somit potenziell befruchtungsfähigen Spermien auf. Eine mögliche Erklärung: Die optimale Temperatur für die Spermienbildung liegt etwas unter der Körperkerntemperatur – ein Grund, warum die Hoden „ausgelagert“ sind. Im engen Slip könnte es daher leicht etwas zu warm werden.

Zudem fanden die Fachleute heraus, dass bei Slipträgern die Konzentration des Hormons FSH im Blut um 14 Prozent höher ist als bei Trägern weiterer Unterhosen. FSH regt bei Männern die Spermienproduktion an. Die erhöhte Konzentration könnte ein Hinweis darauf sein, dass der Körper versucht, die geringere Spermienmenge auszugleichen.

Mögliche andere Faktoren, die die Unterschiede erklären können – etwa das Alter oder Übergewicht – hatten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bei ihrer Untersuchung ausschliessen können beziehungsweise entsprechend berücksichtigt.

Fazit: Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Boxershorts tatsächlich zu einer höheren männlichen Fruchtbarkeit beitragen als enge Slips – was nicht zwangsläufig bedeutet, dass Slips unfruchtbar machen.

Mythos Nr. 8: Der Fahrradsattel ist ein Spermakiller

Im Zuge der Corona-Pandemie schwingen sich immer mehr Menschen auf den Sattel. Aber wie gesund ist das eigentlich für die Spermien? Macht Radfahren gar unfruchtbar?

Viele Radfahrer berichten nach längerer Fahrzeit über Taubheitsgefühle im Genitalbereich, was ein Zeichen dafür ist, dass die Durchblutung dort vorübergehend abnimmt. Jedoch konnte bislang nicht bewiesen werden, dass beim Radeln die Wahrscheinlichkeit für Erektionsprobleme oder Unfruchtbarkeit zunimmt. In der 2012/2013 durchgeführten Studie „Cycling for Health“ befragten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über 5'000 Radfahrer zu ihrem Fahrpensum und möglichen Potenz- und Fruchtbarkeitsproblemen. Mit berücksichtigt wurden in der Studie auch Angaben zu Alter, Gewicht, Alkohol- und Nikotinkonsum sowie Vorerkrankungen.

Das Ergebnis: Es ergab sich kein Zusammenhang zwischen Radfahren und Problemen mit Fruchtbarkeit oder Potenz – auch nicht bei Radfahrern, die mehrere Stunden wöchentlich mit dem Drahtesel unterwegs waren. Fahrer über 50 Jahren zeigten allerdings ein leicht erhöhtes Risiko für Prostatakrebs . Sie sollten es daher mit dem Radfahren nicht übertreiben.

Fazit: Der vierfache Vater Jan Ullrich mag es gewusst haben: Radfahren schadet (den Studienergebnissen zufolge) der Fruchtbarkeit nicht. Treten Sie also ruhig weiter in die Pedale.

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