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Neue Superbatterie von CATL: Damit soll sogar Fliegen möglich sein.

Eine neue Superbatterie soll sogar Fliegen möglich machen – das sagt die Wissenschaft

20.04.2023, 19:3621.04.2023, 16:11
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Der weltweit grösste Hersteller von Elektroautobatterien, CATL, hat an der Automesse in Shanghai eine neue Batterie vorgestellt, die laut eigenen Angaben auch eine batteriebetriebene kommerzielle Luftfahrt ermögliche. Dies aufgrund der enormen Energiedichte von 500 Wh/kg.

Der leitende Ingenieur von CATL, Wu Kai, führte bei der Präsentation aus, dass es sich bei der «verdichteten Batterie» (Condensed Battery) um einen Semi-Festkörper-Energieträger auf Lithium-Ionen-Basis handle, dessen Massenproduktion in «kurzer Zeit» erreicht werden könne. Über die genaue Beschaffenheit von Kathode und Anode schweigt sich der Hersteller aus. Dafür würden «innovative Materialien» verwendet.

In aktuellen Elektrofahrzeugen kommen Batterien mit wesentlich geringerer Energiedichte zum Einsatz. In der Regel werden Werte von unter 300 Wh/kg erreicht. Kobalt- und nickelfreie LFP-Batterien, die zum Beispiel in verschiedenen Versionen von Standard-Teslas verbaut sind, kommen gar unter 200 Wh/kg. Deshalb sorgen die grossen Energiespeicher in den Fahrzeugen für ein enormes Gewicht. In den Long-Range-Versionen der Modelle 3 und Y von Tesla wiegt der Akku rund 530 Kilo, beim Model S gar 625 Kilogramm. Mit der neuen CATL-Batterietechnologie könnte dieses Gewicht halbiert und damit die Effizienz deutlich gesteigert werden. Ein leichteres Fahrzeug benötigt auch weniger Antriebsenergie.

Wu Kai stellt die neue Superbatterie vor.
Wu Kai stellt die neue Superbatterie vor.bild: screenshot Videostream CATL

Ob mit den neuen Batterien tatsächlich kommerzielle Flugzeuge betrieben werden können, ist indes nicht sicher. Flugzeug-Treibstoff hat eine enorm hohe Energiedichte von 12 kWh/kg. Weil Verbrennermotoren um ein Vielfaches ineffizienter sind, verpufft zwar ein Grossteil dieses Vorteils wieder – Batterien müssen bei der Energiedichte aber trotzdem noch zulegen.

Laut einer Studie der Carnegie Mellon Universität aus dem Jahr 2020 benötigen Kleinflugzeuge mit einer Kapazität von 30 Passagieren für eine Flugdistanz von 650 Kilometern Batterien mit einer Dichte von 600 Wh/kg – also rund 20 Prozent mehr als die Neuentwicklung von CATL. Mittelstreckenflugzeuge mit 150 Passagieren müssten für 925 Kilometer mit Energieträgern der Dichte von 820 Wh/kg ausgerüstet werden. Bei Langstreckenflugzeugen mit 300 Passagieren und einer Flugstrecke von 1850 Kilometern wären es gar 1,28 kWh/kg.

Die benötigte Energiedichte pro Flugzeugtyp laut Carnegie-Studie. Bis die batteriebetriebene Luftfahrt abhebt, so glauben Experten, dauert es noch ca. 30 Jahre.
Die benötigte Energiedichte pro Flugzeugtyp laut der Carnegie-Studiebild: bills, sripad, Fredericks, Singh, Wiswanathan

Die neue CATL-Batterie mag das Zeitalter der kommerziell nutzbaren Elektroflugzeuge also noch nicht gerade einläuten, ein nächster Schritt dahin ist sie aber mit Sicherheit. Bis die batteriebetriebene Luftfahrt abhebt, so glauben Experten, dauert es noch ca. 30 Jahre.

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168 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ralf Schwarz
20.04.2023 21:12registriert Oktober 2020
Viel wichtiger als die Fliegerei, welche zu einem grossen Teil eh Luxus ist, erscheint mir, das mit solchen Akkus auch bald die schwer ersetzbaren Langstrecken-Transporte per LKW ökonomisch sinnvoll elektrifiziert werden können.
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Patho
20.04.2023 21:41registriert März 2017
Was bei Flugzeugen problemetisch dazu kommt, ist, dass sie zwar mit einem enormen Gewicht abheben können, jedoch nicht landen. Mit Kerosin wird das Flugzeug mlt der Zeit immer leichter, mlt einer Batterie jedoch nicht.
Aber auch dafür wird es Lösungen geben, es ist auf jeden Fall positiv zu werten, dass Fortschritte in der Entwicklung gemacht werden:)

Übrigens: auch die heutigen Flugzeuge sind bereits gewaltige (!) Fortschritte gegenüber den ersten paar, also nicht den Kopf hängen lassen, wenn es etwas Zeit in Anspruch nimmt;)
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HugiHans
20.04.2023 20:01registriert Juli 2018
Jedes halbe Jahr vermeldet eine Firma den Durchbruch und den ganz grossen Schritt!
Naja, die Entwicklung ist langwierig und teuer aber die Investoren mussen bei der Stange gehalten werden!
Es wir sicher vorwärts gehen, Schritt für Schritt … aber an Sprünge glaube ich nicht mehr …
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