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Du errätst nie, was dieses Tier mit diesem einen langen Finger macht

Du errätst nie, was dieses Tier mit diesem einen langen Finger macht

Der Aye-Aye-Lemur hat lange dünne Finger, die er auf vielfältige Art einsetzen kann. Eine Biologin erwischte ihn bei einer bisher nicht dokumentierten Tätigkeit: beim Nasenbohren. Und wie ...
28.10.2022, 15:2328.10.2022, 17:09

Wir alle tun es. Niemand tut es, aber wir wissen alle, was es bedeutet: Nasebööge.

Konkret:

«Das Extrahieren von Nasensekret, in der Regel mit einem Finger oder einem Gegenstand, durch sich selbst oder eine andere Person.»
Nach der Definition der Biologin Anne-Claire Fabre.

Nicht nur Menschen bohren in der Nase. Tatsächlich gibt es mindestens 12 Primatenarten, die hin und wieder ihre Finger in der Nase versenken.

Der Aye-Aye-Lemur scheint die Kunst allerdings perfektioniert zu haben – nicht umsonst wird die Primatenart auf Deutsch «Fingertier» genannt. Zudem ist er ein Allesfresser. (Im wahrsten Sinne des Wortes ...)

Aye-Aye-Affe, Fingertier
Aye-Aye-Lemuren, auch Fingertiere genannt, leben auf Madagaskar und sind nachtaktive Allesfresser. Der längste Finger der gefährdeten Spezies kann bis zu 8 Zentimetern lang werden.Bild: Shutterstock

Wird dir schon etwas unwohl, wenn du diesen einen langen Finger siehst?

Eine Biologin des Naturhistorischen Museums in Bern war an eben diesen Fingern interessiert. Anne-Claire Fabre wollte nämlich die Evolution des Greifverhaltens bei Primaten dokumentieren. Dafür wurden die nachtaktiven Primaten im Duke Lemur Center im US-Bundesstaat North California bei ihrem Alltag gefilmt. Bei der Analyse der Videos wurde Fabre Zeugin eines Griffs, den sie wohl nicht unbedingt erwartet hatte: der tiefe Griff in die Nase.

Fabre war ab dieser Beobachtung fasziniert:

«Es handelte sich nicht bloss um ein einmaliges Verhalten, sondern um etwas, mit dem es [das Tier] sich voll und ganz beschäftigte. Es steckte seinen extrem langen Finger überraschend tief in seine Nase und probierte alles, was es ausgrub, indem es seinen Finger sauber leckte!»

Jep, es sieht genauso gfürchig aus, wie es tönt:

Video: youtube/Natural History Museum

Es war dann auch dieses Video, welches Fabre zu einer weiterführenden Studie zu nasenbohrenden Fingertieren inspiriert hat. In einem ersten Schritt wollte sie klären, wie es der Aye-Aye-Lemur überhaupt schafft, den ganzen Finger in die Nase einzuführen.

Dazu rekonstruierte ihr Team den Schädel und die Hand eines Aye-Aye-Lemuren und berechneten dann die «Route» des Fingers. Das Resultat ist erstaunlich: Die Forschenden gehen davon aus, dass das Tier mit dem Finger bis zur Mundhöhle gelangen kann.

Der Aye-Aye Affe beim Nasenbohren.
«PCR-Tests? Guck mal, was ich kann.» Eine Visualisierung des nasenbohrenden Fingertiers.Bild: journal of zoology

Diese und weitere Erkenntnisse veröffentlichte sie diesen Mittwoch im «Journal of Zoology». Dabei betont sie, dass das Nasenbohren in der Wissenschaft noch immer ein Mysterium darstellt. Bisher habe es nämlich nur wenige Studien gegeben, welche die potenzielle Relevanz dieses Verhaltens untersucht haben, schreibt Fabre. Feststeht eigentlich nur, dass die Grübelei in der Nase beim Menschen als etwas Abstossendes und Ekliges betrachtet wird.

Nichtsdestotrotz ist es ein weitverbreitetes Verhalten (auch wenn es natürlich niemand von uns macht). Die Tatsache, dass sich mindestens 12 Spezies aktiv dabei betätigen, muss ihrer Meinung nach etwas bedeuten.

«Dies wirft ein neues Licht auf das Nasenbohren als Verhalten und deutet darauf hin, dass es nicht nur schädlich oder ekelerregend ist, sondern auch eine wichtige funktionelle Rolle spielen kann, die jedoch noch nicht verstanden wurde.»

Weitere vergleichende Studien könnten ihrer Meinung nach nicht nur wertvolle Erkenntnisse zum Ursprung und der Funktion des Nasenbohrens liefern, sondern auch in der Medizin nützlich sein. Mit ihrem Bericht möchte Fabre zudem mehr Aufmerksamkeit auf die Aye-Aye-Lemuren lenken. Wegen ihres schrumpfenden Lebensraums auf Madagaskar aufgrund von Abholzung sind sie nämlich stark gefährdet. (saw)

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Video: watson

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