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Ein Maedchen fuettert Moewen, am Sonntag, 1. Februar 2009 am Bodensee bei Arbon. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Bild: KEYSTONE

Amsel, Drossel, Fink und Star: Am Bodensee fehlt ein Viertel der Vogelschar

Die Vogelschar wird kleiner: Ob Amsel, Hausspatz oder Star – in den vergangenen Jahrzehnten sind die Bestände am Bodensee drastisch zurückgegangen, gerade bei einst häufigen Arten.



Binnen 30 Jahren ist die Zahl von Vogelbrutpaaren am Bodensee um ein Viertel gesunken. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Ornithologischen Arbeitsgruppe Bodensee und des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie. 1980 lebten demnach am Bodensee noch rund 465'000 Brutpaare, 2012 nur noch 345'000.

Einst häufige Vogelarten wie Hausspatz, Amsel oder Star seien besonders stark zurückgegangen, so Hans-Günther Bauer, einer der Autoren des Beitrags, der in der Zeitschrift «Vogelwelt» veröffentlicht ist. Die Entwicklung am Bodensee spiegele zugleich einen europaweiten Abwärtstrend wider.

«Das durch den Menschen verursachte Insektensterben wirkt sich massiv auf unsere Vögel aus»

Für die Datenerhebung hatten die Wissenschaftler sämtliche Vögel auf einer Fläche von rund 1100 Quadratkilometern rund um den Bodensee gezählt. Zuvor hatten die Ornithologen die Bestände erstmals 1980 bis 1981 und dann im Zehn-Jahresrhythmus erfasst.

Einer der Hauptgründe für den Rückgang sei der Verlust von Nahrung. So hätten am Bodensee 75 Prozent der Fluginsekten fressenden und 57 Prozent der Vogelarten abgenommen, die sich von Landwirbellosen ernähren.

«Dies bestätigt, was wir schon länger vermutet haben: Das durch den Menschen verursachte Insektensterben wirkt sich massiv auf unsere Vögel aus», erklärt Bauer. Die Arbeitsgruppe fordert unter anderem drastische Beschränkungen von Insekten- und Unkrautvernichtungsmitteln.

Kaum mehr Lebensräume und Brutplätze

Auch europaweit ging die Zahl der von Insekten lebenden Vögel in den vergangenen 25 Jahren deutlich zurück. Bachstelze, Wiesenpieper oder Rauchschwalbe – durchschnittlich um 13 Prozent sank die Zahl dieser Vögel laut einer im März im Fachjournal «Conservation Biology» veröffentlichten Studie.

Blaessrallen suchen am Samstag, 25. Februar 2006, im Bodensee bei Kreuzlingen, Schweiz, nach Futter. Mit dem ersten Vogelgrippe-Fall am deutschen Bodenseeufer und dem erstmaligen Ausbrechen der Seuche in einer Gefluegelfarm in Frankreich unweit der Schweiz wird laut dem Direktor des Bundesamtes fuer Veterinaerwesen BVET, Hans Wyss, die Gefahr immer realer, dass auch die Schweiz betroffen sein koennte.  (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Blässrallen suchenim Bodensee bei Kreuzlingen, Schweiz, nach Futter. Bild: KEYSTONE

Viele Vögel fänden auf den von Menschen intensiv genutzten Flächen kaum mehr Lebensräume und Brutplätze, erläutert Bauer. So verschwänden auch aus den Dörfern und Städten rund um den Bodensee die Vögel. «Offensichtlich können die Tiere inmitten der Häuserschluchten, Zierbäume und sauberen Nutzgärten immer seltener erfolgreich brüten.» Allerweltsvögel wie Amsel (minus 28 Prozent), Buchfink und Rotkehlchen (je minus 24 Prozent) litten massiv unter den verschlechterten Lebensbedingungen.

Aus Daten des europaweiten Vogelmonitoringprogramms PECBMS geht hervor, dass die europäischen Bestände der Feld- und Wiesenvögel in Europa von Beginn der Zählungen ab 1980 bis 2016 um 57 Prozent zurückgegangen sind; zu ihnen zählen Feldlerchen, Kiebitze oder Stare. Für die Studie wurden Daten aus 28 Ländern zu über 170 Arten zusammengetragen. Weit besser als den Feldvögeln erging es den Waldvögeln, deren Bestand im beobachteten Zeitraum nur um sechs Prozent zurückging.

Auch am Bodensee sind die Arten je nach Lebensraum ganz unterschiedlich betroffen, zeigt die aktuelle Studie – laut den Machern ist sie eine der wenigen, die die Brutvogelbestände mit derselben Methode über einen so langen Zeitraum dokumentiert. Während bei 71 Prozent der auf Wiesen und Feldern lebenden Arten demnach die Bestände drastisch einbrachen, stiegen sie bei 48 Prozent der im Wald lebenden Arten – nur bei 35 Prozent gingen sie zurück.

Ein Beispiel sei der Buntspecht mit einem Zuwachs von 84 Prozent, der bislang von den grösseren Holzmengen in den Wäldern zu profitieren scheine. Auch rund um die Gewässer am Bodensee hätten mehr Arten zu- als abgenommen – einer der Gewinner: der Höckerschwan.

THEMENBILD ZUR FRUEHJAHRSSESSION: MOTION REGULIERUNG DER BESTAENDE HOECKRERSCHWAN -- Ein Schwan zeigt bei fruehlingshaften Temperaturen seine Federpracht, am Montag, 24. Februar 2014, auf dem Zuerichsee in Zuerich. (KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Die Höckerschwäne konnten ihren Bestand ausbauen. Bild: KEYSTONE

Biodiversität nimmt ab

Auf den ersten Blick erscheint die Bilanz von 1980 bis 2012 ausgewogen: Von den 158 rund um den Bodensee vorkommenden Vögeln nahmen die Bestände von 68 Arten zu- und von 67 ab. Die Gesamtzahl an Arten nahm sogar zu; auf 8 ausgestorbene Arten kamen 17, die sich neu oder wieder angesiedelt haben. Darunter Weissstorch, Wanderfalke und Uhu, die laut den Ornithologen von Schutzmassnahmen profitiert haben.

«Trotzdem verlieren wir insgesamt an Biodiversität», warnt Bauer. Viele Arten kämen nur noch in geringen, oft nicht mehr überlebensfähigen Populationen und an immer weniger Orten rund um den Bodensee vor. «Je nach Flächeneinheit betrachtet gibt es weniger Arten im Schnitt.»

Von den zehn häufigsten Vögeln am Bodensee hätten sechs massiv abgenommen, zwei blieben unverändert und nur zwei haben zugenommen. Die Bestände des Haussperlings, der 1980 noch die häufigste Art war, seien um 50 Prozent eingebrochen. Bauer fügt hinzu: «Das sind wirklich erschütternde Zahlen – vor allem, wenn man bedenkt, dass der Rückgang der Vögel schon Jahrzehnte vor unserer ersten Datenerhebung 1980 begonnen hat.» (sda/dpa)

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Unkel Wullewu 02.09.2019 16:13
    Highlight Highlight Die AfD ist wirklich unglaublich. Verursachen schon ein Artensterben, bevor sie irgendwo Regierungsverantwortung tragen. Diese Rechtspopulisten müssen bekämpft werden. Die würden sicher auch noch Konzessionen für AKWs erteilen und spitzfindige Wege finde, um Waffen in Krisengebiete verkaufen zu können. Mit solch verantwortungslosen Politiker sollte der aufrechte Bürger nichts zu tun haben wollen. Sonst verendet auch noch der letzte Vogel am Bodensee. Darum wählt, was ihr schon immer gewählt habt, für die Vögel, den Amazonas, für die Gewässer und für die zukünftigen Generationen Menschen. Danke
    • Swen Goldpreis 02.09.2019 22:32
      Highlight Highlight Schade, dass das zynisch gemeint war. Denn die Umweltprobleme sind mittlerweile wirklich erschreckend gross geworden. Man kann durchaus darüber diskutieren, wie man das Problem angehen will (bin auch kein Fan von den Radikallösungen der Grünen), aber ein Partei, der es schlicht egal ist, dass unser Planet vor die Hunde geht, ist unerträglich.
  • Baba 02.09.2019 15:08
    Highlight Highlight Seit Jahrzehnten sangen abends auf unserer Tanne oder in umliegenden Gärten Amseln ihr Abendlied... Dieses Jahr hörten wir keine einzige 😥, nie.

    Zufall?
  • Quecksalber 02.09.2019 14:56
    Highlight Highlight Schade und es ist auch in anderen Gegenden offensichtlich. Es hat keine einzige Amsel dieses Jahr.
  • WID 02.09.2019 14:31
    Highlight Highlight Wieder mal eine Analyse ohne Folgen: Das Essen soll billig bleiben, der Apfel makllos.
  • Vecchia 02.09.2019 12:39
    Highlight Highlight Traurig. Allerdings wundert mich das nicht. Ich staune eigentlich nur, dass der Mensch tatsächlich denkt, Tiere könnten seine Gifteinsätze und andere Eingriffe in die Natur langfristig überleben...

    https://www.psm.admin.ch/de/kategorien

  • Cirrum 02.09.2019 12:25
    Highlight Highlight Die massive Überpopulation an den „herzigen, süssen Kätzchen“, macht alles auch nicht besser. Seit wir eine Katze im Quartier haben, ist es um die Vögelchen ziemlich still geworden :(
    • Vecchia 02.09.2019 17:33
      Highlight Highlight Wir haben viele Katzen in der Region. Gleichzeitig sind aber viele wilde Naturgärten und Wäldchen mit einheimischen Bäumen und Sträuchern da. Die Katzen konnten nur kranke oder wenige junge Vögel erwischen. Das Turmfalkenpaar das hier lebt, holt weit mehr Vögel.
      Betonwüsten und Pestizide sind die grössten Feinde der Vögel, weil dadurch keine Insekten überleben.

      Ausserdem könnte noch ein Problem für bestimmte Vögel vorhanden sein, das aktuell aber sehr unpopulär ist:
      https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2014-05/elektrosmog-rotkehlchen-magnetsinn
  • Auric 02.09.2019 12:15
    Highlight Highlight Interessiert wäre jetzt zu erfahren wie diese Vogelzahlen vor sagen wir mal 100 Jahren aussahen, der Bodensee war wegen der Überdüngung in der Zeit vor 1980 kurz vor dem Umkippen die Fische wuchsen zu enormer Größe und dank des Umweltschutz ist der See jetzt wieder sauber, die Fische hungern und das fehlen der Algen und des Seegrases und was es alles damals gab, könnte auch Auswirkungen auf die Vogelschar haben.
  • Spin Doctor of Medicine 02.09.2019 12:09
    Highlight Highlight Ich erinnere mich gut, wie der drastische Rückgang der Biodiversität schon in den 80ern ein Thema war (ja, so alt bin ich). Der enorm starke Artenrückgang ist seit Jahrzehnten im Gang, und bald bleibt uns gar nichts mehr. Wenn wir nicht rasch und entschieden handeln.
  • snowleppard 02.09.2019 11:39
    Highlight Highlight "Dank" Jahrzehnte langem Einsatz von Pestiziden, Fungiziden sind etwa 2/3 der Insekten krepiert.
    Herzlichen Dank, Monsanto, Dow Chemical usw.
    Ich hoffe, eure Firmen gehen bald pleite - verdient
    hättet ihr es zu aller erst.
    Dazu kommt, dass die P+F-Ziden in unserem Essen landen und sich Allergien (weil Schädigungen im Immunsystem) immer weiter ausbreiten.
    • Luzifer Morgenstern 02.09.2019 21:33
      Highlight Highlight Hast du bitte noch die Links zu den wissenschaftlichen Studien, die deine Aussagen stützen?

      Und wenn Bio-Bauern Kupfer spritzen, wie findest du das?
    • Luzifer Morgenstern 02.09.2019 21:35
      Highlight Highlight Weisst du, was ein Herbizid ist?
  • Pümpernüssler 02.09.2019 11:19
    Highlight Highlight Dieser Titel 🤣 Und das an einem Montagmorgen 👏

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