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Bettwanzen: So erkennst du, ob dein Hotel, Hostel, AirBnB befallen ist

Wie du in der Ferienzeit einen Bettwanzen-Befall vermeidest (und was im Notfall hilft 😱)

Niemand möchte als Souvenir einer Reise die kleinen blutsaugenden Parasiten mit nach Hause bringen. Hier erfährst du, worauf du beim Beziehen deiner Ferienbehausung achten solltest.
08.07.2023, 19:38
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Ein Artikel von
t-online

Ferien sollen erholsam sein. Doch ist die Unterkunft – und vor allem das Bett – mit Bettwanzen befallen, ist jegliche Erholung hinüber. Umso wichtiger ist es, einen Schädlingsbefall im Hotel rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Massnahmen einzuleiten.

Was sind Bettwanzen?

Bettwanzen (Cimex lectularius), auch Hauswanzen genannt, sind kleine blutsaugende Parasiten. Sie halten sich vorzugsweise in den Schlafplätzen von Menschen auf. Aber auch an anderen Orten, an denen es grosse Menschenansammlungen gibt, ist ein Befall durch die Schädlinge nicht selten.

Bettwanzen ernähren sich vorzugsweise von menschlichem Blut. Sie sind zwischen 3,8 und 5,5 Millimeter gross, rotbraun und leicht behaart.

Zwar übertragen die Parasiten keine ernsthaften Krankheiten. Dennoch hat ein Befall gesundheitliche Folgen: Zahlreiche juckende Bissspuren können den Körper übersäen. Wenn sich diese auch noch entzünden, kann es bei manchen Personen zu Problemen mit der Gesundheit kommen.

Bettwanze, Cimex lectularius.
Gestatten, Bettwanze. Hält sich in Gruppen auf. Könnte auch Sofawanze heissen...Bild: Shutterstock

Prävention: Das solltest du vor deiner Reise tun

Am besten erkundigst du dich vor der Hotelbuchung auf Internetportalen über den Zustand der Unterkunft. Haben andere bereits von einem Bettwanzen-Befall berichtet, sollte man skeptisch und sehr vorsichtig sein.

Steht hingegen in den Bewertungen, dass die Unterkunft unsauber ist, muss sich daraus nicht gleich ein Bettwanzen-Befall ergeben. Denn die Schädlinge haben eher weniger mit Sauberkeit zu tun, wie dieser Artikel hier erklärt. In dem Fall kann es aber natürlich sein, dass sich andere Parasiten oder Schädlinge in der Unterkunft breitgemacht haben, wie beispielsweise Kakerlaken, Flöhe oder Silberfische.

In einem früheren SRF-Bericht gibt es weitere praktische Tipps, die viel Ärger ersparen können:

  • «Auf Reisen einen grossen Plastiksack mitnehmen und den Koffer jeweils darin einpacken.»
  • Einen weiteren grossen Plastiksack mitnehmen, um darin die gebrauchte Wäsche luftdicht aufzubewahren.

Ankunft: Das sind jetzt deine To-dos

Sobald du in deiner neuen Unterkunft bist, solltest du sie auf einen möglichen Schädlingsbefall hin kontrollieren:

  • Nimm die Bettdecke und das Kopfkissen vom Bett. Siehst du kleine braune oder schwarze Insekten herumkrabbeln?
  • Ziehe das Bettlaken ab. Hierunter können sich ebenfalls Bettwanzen verstecken.
  • Aber auch unter der Matratze halten sich die Schädlinge gerne auf, weshalb es sich lohnen kann, die Matratze oder den Matratzenschoner anzuheben und mit einer Taschenlampe oder der Handyleuchte dorthin zu leuchten.
  • Wer mag, kann zusätzlich die Bettwäsche abziehen.
  • Achte auf Kotspuren am Lattenrost oder am Bettgestell. Die Hinterlassenschaften sind allerdings dunkel, sodass sie oft nur auf hellen Oberflächen erkennbar sind.
  • Kontrolliere auch die Möbel (sowie Schubladen, Griffe und die Ecken der Möbel).
  • Auf Lampen, Ornamenten oder gar Bilderrahmen können sich die Nistplätze der Parasiten befinden.
  • Abschliessend sollte man die Sofas, Stühle und Zierdecken ausgiebig kontrollieren.
  • Wenn man erst abends ins Hotel kommt und es im Zimmer dunkel ist, schaltet man beim Betreten nicht gleich das Licht ein. Stattdessen eine Taschenlampe nutzen, zum Bett gehen und dann das Bettzeug zurückwerfen – Bettwanzen lieben dunkle Verstecke. Sollte ein Befall vorliegen, wird man sie jetzt sehen.
Bettwanzenbefall.
Bettwanzenbefall: Sofort den kontrollierten Rückzug antreten!Bild: Shutterstock

Wichtig: Bettwanzen verstecken sich nicht nur im Bett, sondern auch in Polstermöbeln, Teppichen, Vorhängen und Wandverkleidungen. Achte daher auch hier auf kleine Insekten, die wie Hauswanzen aussehen.

Das Video zeigt, wie man systematisch nach Bettwanzen sucht:

In einem früheren SRF-Bericht gibt es weitere praktische Tipps, die viel Ärger ersparen können:

  • «Die gebrauchte Wäsche in einem luftdicht abgeschlossenen Plastiksack in den Schrank hängen. So können die Wanzen nicht in die Kleider gelangen.»
  • «Koffer daheim auf dem Balkon auspacken. Alle Kleider bei 60 Grad waschen oder mindestens zehn Tage in den Tiefkühler legen.»
  • «Koffer nicht im Schlafzimmer, sondern im Keller aufbewahren.»

Woher kommen Bettwanzen ursprünglich?

Vermutlich haben Bettwanzen ihren Ursprung in asiatischen Ländern oder dem Mittleren Osten. Im Zuge der Globalisierung haben sich diese Plagegeister jedoch weltweit ausgebreitet.

Wenn ein Bettwanzen-Befall vorliegt: Was du dann tun solltest

Schädlingsbefall: Bettwanzeneier sind klein und weiss oder gelb.
Schädlingsbefall: Bettwanzeneier sind klein und weiss oder gelb.Bild: Shutterstock

Wichtig ist, den Befall ausführlich zu dokumentieren (Foto- und Videoaufnahmen, Protokoll) – beispielsweise mit Bildern von den Tieren selbst oder von deren Kot. Sind schon Bisswunden vorhanden, sollte man diese ebenfalls bildlich festhalten. Unter Umständen kann auch ein ärztliches Attest hilfreich sein, das bestätigt, dass es sich um Bisse von Bettwanzen und nicht um andere Schädlingsspuren handelt.

Hast du die Bettwanzen entdeckt und fotografiert und/oder gefilmt, solltest du dich umgehend an die Hoteldirektion wenden und den Vorfall melden. Diese sollte dann einen Zimmerwechsel ermöglichen.

Experten raten, das Reisegepäck nicht mit ins neue Zimmer zu nehmen, sondern das Hotel aufzufordern, die Kleidung zu waschen und die Koffer und Taschen zu reinigen. Andernfalls könnte man die Parasiten mit ins neue Zimmer nehmen.

Sind die Polstermöbel im neuen Zimmer ebenfalls mit Hauswanzen befallen, können Sie eine Reisepreisminderung verlangen. Und zwar für jeden Tag, an dem dieser Reisemangel aufgetreten ist. Haben Sie eine Pauschalreise gebucht, sollten Sie zusätzlich den Anbieter informieren – telefonisch und schriftlich.

Bettwanzenbisse erkennen: So unterscheiden sie sich von Flohbissen

Im Volksmund heisst es irrtümlich, dass Bettwanzen Stiche verursachen. Tatsächlich handelt es sich jedoch um Bisse, denn die Wanzen ernähren sich ausschliesslich von Blut.

Der Akt des Blutsaugens dauert drei bis zwanzig Minuten, je nach Entwicklungsstadium der Wanze. Bettwanzenbisse bleiben zunächst oft unbemerkt, da die Tiere ein betäubendes Sekret absondern.

Laut Fachleuten reagieren Menschen unterschiedlich auf Bettwanzenstiche. Während bei einigen Personen Quaddeln und Rötungen auftreten, zeigen sich bei anderen keine Symptome. Unbedeckte Körperbereiche, wie Arme, Beine, Füsse, Schultern, Nacken, Hals und Gesicht, werden vor allem in der Nacht von den Tierchen heimgesucht.

Es ist gar nicht so einfach, Bettwanzenbisse von Flohbissen zu unterscheiden: Beide Insekten zählen zu den Blutsaugern und hinterlassen mehrere Bisse. Im Gegensatz zu Wanzenbissen jucken Flohbisse aber in der Regel stärker und verursachen teilweise Papeln – erbsengrosse Verdickungen – auf der Haut.

Wenn du keine Haustiere hast, liegt es nahe, dass es sich um Bettwanzen handelt – Flöhe werden hierzulande grösstenteils durch Hunde und Katzen übertragen.
Beispiele für Bettwanzenbisse.
Beispiele für Bettwanzenbisse.screenshot: umweltbundesamt.de

Wie behandelt man Bettwanzenbisse?

«Bettwanzen übertragen keine Krankheiten», erklärt Adam Tesmer, Schädlingsbekämpfer aus Berlin T-Online. In den letzten Jahren würden sich immer mehr Menschen bei ihm melden, weil sie Hilfe beim Bettwanzenbefall benötigen.

Wenn die betroffenen Stellen geschwollen sind, starken Juckreiz auslösen und sich Quaddeln bilden, könnte eine allergische Reaktion dahinterstecken: Die Inhaltsstoffe aus dem abgegebenen Speichel führen zu diesen Symptomen. In diesem Fall sollte man einen Arzt oder Apotheker kontaktieren.

Auch wenn es sehr unangenehm ist, sollte man die juckenden Stellen nicht aufkratzen. Denn im schlimmsten Fall könnte eine kleine Wunde entstehen, in der Bakterien eine Entzündung verursachen.

Entschädigung? Das steht dir (vielleicht) zu

Ein Bettwanzen-Befall im Hotelbett kann einen Schadensersatz rechtfertigen.

Bei Ungeziefer im Hotelzimmer haben Reisende gemäss der «Frankfurter Tabelle», an der sich auch Schweizer Reiseveranstalter orientieren, eine Preisreduktion zwischen 10 und 50 Prozent zugute.

Als Kunde müsse man beweisen, dass man die Bettwanzenstiche im Hotel aufgelesen und den Mangel so bald wie möglich gerügt habe, hielt der «Tages-Anzeiger» 2017 fest. Allerdings genüge es nicht, nur beim Hotel zu reklamieren. Laut Pauschalreisegesetz sollte man eine entsprechende Beanstandung auch bei der Reiseleitung vor Ort melden.

Nach der Abreise: Wie du die Schädlinge nicht mit nach Hause nimmst

Selbst wenn du im Hotel keine Symptome hattest, die auf einen Bettwanzen-Befall hindeuten, kann es noch immer sein, dass die Unterkunft von den Schädlingen befallen ist. Dann ist es nicht unüblich, dass sich die Tiere in deinem Koffer oder der Reisetasche verstecken.

Sobald man zu Hause angekommen ist, sollten man vor der Haustür das Reisegepäck entleeren und alles Waschbare umgehend in der Waschmaschine reinigen. Die Tasche und den Koffer sollte man gründlich aussaugen.

Alternativ kann man das Reisegepäck auch in der Badewanne öffnen und entleeren. Wichtig ist, dass man einen Ort wählt, an dem die Parasiten nicht flüchten können oder sich zumindest nicht in der Wohnumgebung verstecken und dann ausbreiten können.

Fazit

Einen Bettwanzen-Befall in einer Unterkunft rechtzeitig zu erkennen ist wichtig, damit die Ferien angenehm und sorgenfrei werden. Durch eine gründliche Recherche vor der Anreise und Kontrolle, kurz nachdem man das Zimmer betreten hat, lässt sich das Schädlingsrisiko verringern.

Sollte man dennoch auf Bettwanzen stossen, ist schnelles Handeln wichtig. Dadurch verhindert man, dass sich die Bettwanzen im eigenen Hab und Gut verstecken. Zudem bietet sich dann noch die Möglichkeit auf einen Zimmerwechsel sowie – wenn nötig – auf Schadensersatz.

Quellen

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(t-online/dsc)

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32 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Spassthis
08.07.2023 21:54registriert Juni 2021
Na dann viel Spass beim Auseinandernehmen des Hotelzimmers :D
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dieBied
08.07.2023 21:36registriert Mai 2017
Dieser Artikel kommt ein Jahr zu spät für mich... Letztes Jahr in einem Ferienhaus hatte es so viele Bettwanzen, dass mein ganzer Körper voller Bisse war. Leider habe ich das Pech, dass ich offenbar allergisch auf den Speichel der Biester reagiere; ich ging zwei Wochen lang durch die Hölle!! Ich lebe mit mehreren chronischen Erkrankungen und habe täglich starke bis sehr starke Schmerzen. Aber dieser Juckreiz zwei Wochen lang war wirklich next level Folter!! Ich hätte mir nie nie vorstellen können, dass Juckreiz so schlimm sein könnte!
Nun habe ich Angst vor jeder Übernachtung auswärts...
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türülüü
08.07.2023 21:02registriert Mai 2017
In einem wirklich schönen Hotel in Fiji hatten wir einen Bettwanzen-Befall. Da ich verzögert auf Insekten-Biss/Stiche reagiere, merkten wir es erst nach 2 Tagen. Wir haben die Hoteldirektion dann diskret darauf aufmerksam gemacht, das Bett wurde ausgetauscht, das ganze Zimmer tiefengereinigt und wir hatten am Ende der 14 Tage kein einziges Getränk auf der Rechnung. Da wir im November zurückkamen, habe ich wie beschrieben alle Kleider sofort gewaschen und der Koffer blieb den Winter über auf dem Balkon. Und übrigens: die Wanzenbisse jucken waaaaaahnsinnig..!!
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Warum gibt es keinen Kontakt mit Aliens? Die KI ist schuld!

Es gibt schätzungsweise 100 bis 300 Milliarden Sterne in der Milchstrasse, und viele von ihnen werden von Planeten umkreist. Die Wahrscheinlichkeit, dass es auch ausserhalb unserer blauen Murmel intelligentes Leben gibt, ist daher eigentlich recht hoch. Optimistische Annahmen gehen von vier Millionen ausserirdischen Zivilisationen aus. Warum gab es dann bisher nie Kontakt mit intelligenten Aliens? Warum haben wir noch nie Signale empfangen, wie wir sie selber ins All hinausschicken?

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