Wissen
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa04148467 (FILE) A file photograph dated 07 January 2006 and released by Greenpeace, showing the Yushin Maru, a factory ship in a Japanese whaling fleet, injuring a whale with it's first harpoon attempt. A UN court in The Hague on 31 March 2014 halted Japan's much-criticized whaling programme, ruling that it contravenes a 1986 moratorium on whale hunting. Japan must end its 'research whaling' programme, the International Court of Justice (ICJ) said. Japan said the programme was for scientific research and permitted under international conventions. Australia had brought the case to the ICJ in 2010, charging that Japan was breaching international law by killing hundreds of whales every year for commercial purposes. Japan was “deeply disappointed” by the ruling, an unnamed government official was quoted by the Kyodo News agency as saying. But the official said Japan would stand by the ruling.  EPA/KATE DAVISON/HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES *** Local Caption *** 00000400746611

Blutiges Geschäft: Das japanische Fabrikschiff Yushin Maru harpuniert einen Wal. 
Bild: EPA/GREENPEACE FILE

Jetzt harpunieren sie wieder Wale: Die japanische Legende vom «Forschungsfleisch»



Wieder einmal erzürnt Japan Umweltschützer und Tierfreunde: Eine Flotte von Walfangschiffen hat heute Dienstag den Hafen Shimonoseki verlassen und Kurs auf das Südpolarmeer genommen. Und das, obwohl seit 1986 ein Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) für den kommerziellen Walfang gilt.

Das Fangverbot für alle Grosswale war eine Reaktion auf den dramatischen Rückgang der Walbestände durch den industriell betriebenen Walfang, dem in den 60er Jahren rund 40'000 Meeressäuger pro Jahr zum Opfer fielen. Von Anfang an bot das Walfangabkommen jedoch Schlupflöcher für die Walfänger – und die waren offensichtlich entschlossen, sie zu nutzen. 

Drei Ausnahmen vom Walfangverbot

1986 setzte die Internationale Walfangkommission (IWC) die Fangquoten für alle Grosswale auf Null, was einem faktischen Walfangverbot gleichkommt. Davon gibt es drei Ausnahmen: 
- ​Jagd durch Ureinwohner in verschiedenen Regionen für den lokalen Verbrauch und zur Selbstversorgung (z.B. die Tschuktschen oder die Inuit).
- Jagd für wissenschaftliche Zwecke (Japan).
- Island und Norwegen: Norwegen legte fristgerecht Einspruch ein und ist juristisch nicht an das Moratorium gebunden. Island trat 1989 aus dem IWC aus und 2002 – unter Vorbehalt des Walfang-Erlaubnis – wieder ein. ​

Hauptsünder ist Japan. Seitdem das Fangverbot in Kraft getreten ist, hat das ostasiatische Land nach Zählung von Tierschützern vermutlich mehr als 15'000 Wale getötet – offiziell allesamt im Namen der Wissenschaft. Auch die aktuelle Expedition segelt unter diesem Deckmantel: Die japanische Fischereibehörde beeilte sich, das Unternehmen als «Walforschung» zu bezeichnen – dabei werden die zu «wissenschaftlichen» Zwecken erlegten Wale noch an Bord des Fabrikschiffs zu supermarkttauglichen Portionen verarbeitet. 

Auf diese Wale haben es die Walfänger besonders abgesehen

Der Walfang zu «Forschungszwecken» ist das Schlupfloch in den IWC-Statuten, das dem Mitgliedsstaat Japan ermöglicht, die Meeresriesen weiterhin zu jagen. Schon 1987 initiierte Tokio das «Forschungsprogramm» JARPA 1, das die Tötung von Zwergwalen vorsah – und das ausgerechnet im antarktischen Wal-Schutzgebiet. 1994 kam mit JARPN 2 ein weiteres «Forschungsprojekt» dazu, diesmal im Nordpazifik. 

Da es sich bei dem angeblichen Forschungsinteresse lediglich um einen Deckmantel für den kommerziellen Walfang handelt, werden bei diesen «Forschungsprojekten» keinerlei wissenschaftlich verwertbare Erkenntnisse gesammelt. Ernst zu nehmende, moderne wissenschaftliche Untersuchungen sind nicht darauf angewiesen, ihren Forschungsgegenstand umzubringen – für DNA-Analysen und GPS-gestützte Überwachungsverfahren, für die Entnahme von Proben aus Fäkalien und dem Blas, der nach dem Auftauchen ausgestossenen Atemluft, braucht es keine getöteten Tiere. 

«Die japanische Bevölkerung steht nicht hinter dem Walfang.»

Yves Zenger, Greenpeace

Wie wenig der «wissenschaftliche» Walfang wirklich mit Forschung zu tun hat, wird auch aus der Tatsache ersichtlich, dass ausgerechnet jene Nationen Wale aus vorgeblich wissenschaftlichen Gründen jagen, bei denen der kommerzielle Walfang eine lange und zählebige Tradition ist. Hinzu kommt der Umstand, dass die Mitgliedsstaaten des IWC sich die Sondergenehmigungen für den Walfang zu Forschungszwecken selbst erteilen und die entsprechenden Quoten festlegen können – ohne dabei einer externen Instanz Rechenschaft zu schulden. 

FILE - In this Feb. 6, 2010 file photo released by the Institute of Cetacean Research of Japan, anti-whaling group Sea Shepherd's ship the Bob Barker, right, and the Japanese whaling ship No. 3 Yushin Maru collide in the waters of Antarctica. The international court ruling against Japanese whaling last week may have given the government a convenient political out. In a March 31, 2014 ruling, the International Court of Justice ordered Japan to stop granting permits for its Antarctic whaling program, which allowed an annual cull of about 1,000 whales. (AP Photo/Institute of Cetacean Research, File) EDITORIAL USE ONLY

Handgreiflicher Protest: Ein Schiff der Anti-Walfang-Organisation Sea Shepherd (r.) bedrängt das japanische Fabrikschiff Yushin Maru. 
Bild: AP/Institute of Cetacean Research of Japan

Problematisch ist zudem die gut gemeinte Klausel in der Sondergenehmigung, die vorschreibt, dass das Fleisch der angeblich für die Wissenschaft getöteten Meeressäuger so weit wie möglich zu verwerten sei – mithin verkauft oder verschenkt werden soll. Dies kommt dem wahren Zweck des «wissenschaftlichen» Walfangs natürlich sehr entgegen. 

«Es ist sinnlos und unnötig, zu wissenschaftlichen Zwecken Wale zu töten.»

Yves Zenger, Greenpeace

Unverständlich wird der japanische Walfang-Eifer allerdings, wenn man bedenkt, dass die Nachfrage nach Walfleisch in Japan deutlich zurückgeht und grosse Mengen Walfleisch in Kühlhallen lagern. «Die japanische Bevölkerung steht nicht hinter dem Walfang», stellt Yves Zenger von Greenpeace fest. Die Umweltorganisation habe sich immer schon gegen den Walfang eingesetzt, seit Jahren sehr aktiv mit japanischen Organisationen zusammen im Land selber, sagt Zenger. «Wir versuchen die japanischen Behörden von innen her unter Druck zu setzen, damit sie endlich mit dem Walfang aufhören und das Gerichtsurteil von 2014 akzeptieren.»

Das von Zenger angesprochene Urteil ist ein Verdikt des Internationalen Gerichtshofs (IGH) in Den Haag. Nach einer Klage Australiens hatte das UNO-Gericht im März 2014 geurteilt, der japanische Walfang diene nicht wissenschaftlichen Zwecken. Tokio hatte die Jagd daraufhin eine Saison lang ausgesetzt. Trotz scharfer internationaler Proteste – die Organisation Humane Society International warf Japan vor, «ein Verbrechen an der Natur» zu verüben – stechen nun wieder japanische Walfänger in See.

Walfleisch Zwergwale

Fleisch von grönländischen Zwergwalen: Die Nachfrage in Japan ist deutlich zurückgegangen; grosse Mengen Walfleisch lagern in Kühlhallen. 
Bild: Shutterstock

Zwar will Japan künftig nur noch 333 Zwergwale statt 900 pro Saison erlegen. Für Zenger ist aber auch diese Quote zu hoch: «333 sind 333 zu viel. Es ist sinnlos und unnötig, zu wissenschaftlichen Zwecken Wale zu töten.» Und auch wenn sich die Bestände von bestimmten Arten wieder etwas erholt hätten, sei dies kein Grund, den Walfang zu verharmlosen. «Walfang ist nur ein Teil der Bedrohung: Lärm, Umweltverschmutzung und die Folgen der Klimaerwärmung gefährden die Meeressäuger ebenfalls.» 

abspielen

«Japan jagt wieder: Trotz Verbot läuft Flotte zum Walfang aus.»
YouTube/spiegeltv

Die Hartnäckigkeit, mit der Japan trotz internationaler Ächtung und schwindender Nachfrage weiterhin Wale schlachtet, ist vermutlich nicht nur eine Trotzreaktion auf den Druck von aussen. Die japanische Regierung setzt gezielt Entwicklungshilfe ein, um karibische und afrikanische Länder ins Pro-Walfang-Lager zu holen. Tokio fürchtet wohl, wenn der Walfang ausnahmslos verboten werde, könnten auch in anderen umstrittenen Fischereibereichen rigide Fangquoten durchgesetzt werden – zum Beispiel beim Thunfisch. 

abspielen

«Japanischer Walfänger töten einen Finnwal.» 
YouTube/rechtaufleben

abspielen

«Walfang in Japan: Schlachten vor den Augen von Schülern.»
YouTube/spiegeltv

Abonniere unseren Newsletter

3
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
3Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Qbandbk 16.12.2015 16:21
    Highlight Highlight die menschheit wird erst alles begreifen wenn alles zu spät ist.....leider
  • super_silv 03.12.2015 12:46
    Highlight Highlight Die Yushins sind übrigens nicht Fabrikschiffe, sondern die 3 Harpunenschiffe. Fabrikschiff ist die Nishin. Dazu kommt noch ein Erkundungs- und ein Sicherheitsschiff
  • sheshe 03.12.2015 08:24
    Highlight Highlight Bild 5/6 ist ein Buckelwal, kein Finnwal

Abschussbefehl: Australier töten in den kommenden Tagen 10'000 Kamele

Australien brennt. Das ist mittlerweile bekannt. Auch dass Flora und Fauna extrem darunter leiden, ist bekannt. Bilder von verbrannten Kängurus und brennenden Koalas gehen um die Welt. Doch die Dürre in Australien fordert auch andere tierische Opfer: Kamele.

Wie The Australian berichtet, werden ab Mittwoch während fünf Tagen 10'000 Kamele geschossen. Passieren wird dies im lokalen Verwaltungsgebiet Anangu Pitjantjatjara Yankunytjatjara (APY), einer Aboriginal Community im Bundesstaat South …

Artikel lesen
Link zum Artikel