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Salomon Brothers 1982.
Bild: TIME & LIFE Images
Wall Street

Der schmutzige Trick mit den superschnellen Computern

Die High-Frequency-Trader zocken mit Hilfe von Algorithmen und potenten Computern Milliarden ab. Das zeigt das jüngste Buch des Kultautors Michael Lewis.
04.04.2014, 11:5023.06.2014, 14:42

Die Bombe hat Michael Lewis am vergangenen Sonntagabend gezündet. «An den amerikanischen Börsen, dem wichtigsten Markt des globalen Kapitalismus, wird mit gezinkten Karten gespielt», erklärte er in der bekannten Sendung «60 Minutes» des TV-Senders CBS. Nur: Wer ist Michael Lewis, und was hat er damit gemeint?

Lewis ist der bekannteste Finanzautor der USA. In den 1980er Jahren hat er eine Ausbildung bei Salomon Brothers absolviert, der damals heissesten Investmentbank der Wall Street. 

Seine Erfahrungen hat er in «Lügenpoker» festgehalten, ein brillant geschriebenes Buch, das sofort Kult wurde, oder wie man heute sagen würde: das sofort viral ging. Wie Oliver Stones Film «Wall Street» hat «Lügenpoker» unzählige junge Männer dazu verführt, ihr Glück als Investmentbanker zu versuchen.

Computer dürfen Insiderwissen legal ausnützen

Mit seinem neuesten Buch hat sich Lewis hingegen bereits jetzt sehr viele Feinde an der Wall Street geschaffen. Es heisst «Flash Boys» und deckt auf, wie ein paar Insider mit Hilfe des so genannten High-Frequency-Trading (HFT) abzocken, dass sich die Balken biegen. 

«HFT ist eine Art legales Front-Running.»

HF-Händler benützen ultrapotente Supercomputer, die sie möglichst nahe den Servern der Börsen installieren. Das erlaubt ihnen, die Trades von anderen Investoren zu antizipieren und dieses Wissen innert Sekundenbruchteilen auszunutzen. «HFT ist eine Art legales Front-Running», erklärte Lewis in der TV-Show «The Daily Show». Unter Front-Running versteht man das Ausnützen von Insiderwissen. Wenn Menschen dies tun, ist es kriminell. «Bei Computern offenbar nicht», meint Lewis lapidar. 

Wie man mit HFT viel Geld verdient

Das lohnt sich. Bei HFT fährt man nicht mit einem gerissenen Deal sehr viel Gewinn ein, sondern man verdient mit sehr vielen Deals winzige Summen. Weil unzählige solcher Deals in kürzester Zeit abgewickelt werden – in den USA werden mittlerweile mehr als die Hälfte aller Aktiengeschäfte mit Maschinen abgewickelt – läppern sich so grosse Summen zusammen. Hedgefunds wie Getco, Knight Capital, Virtu und Citadel haben mit HFT Hunderte von Millionen Dollar verdient.

 «Jede Finanzinstitution, die auch nur ein paar Millisekunden hinter den anderen zurücklag, signalisierte damit: ‹Bitte, nützt mich zum Front-Running aus›.»

Zu den Verlierern gehören Kleininvestoren, aber auch Pensionskassen. «Jede Finanzinstitution, die auch nur ein paar Millisekunden hinter den anderen zurücklag, signalisierte damit: ‹Bitte, nützt mich zum Front-Running aus›», schreibt die «Financial Times». 

Das FBI interessiert sich für HFT

Inzwischen interessieren sich auch die Börsenaufsicht SEC und das FBI für HFT. Der New Yorker Staatsanwalt Eric Schneidermann hat eine Untersuchung angekündigt. «Es gibt da Dinge, die illegal sein könnten» erklärte er gegenüber «Bloomberg News. «Oder es gibt Dinge, die zwar noch legal sind, aber illegal sein sollten.» 

«Der Jargon der Banker und Bankexperten ist bewusst unverständlich.»

Lewis prangert nicht nur HFT an, sondern auch die Tatsache, dass Börsengeschäfte immer komplexer und damit für Laien nicht mehr nachvollziehbar werden. Diese Komplexität habe keinerlei volkswirtschaftlichen Nutzen, so Lewis, sondern diene einzig der Verschleierung. Die beiden Finanzprofessoren Anat Admati und Martin Hellwig kommen in ihrem Buch «Des Banker neue Kleider» zum gleichen Schluss: «Der Jargon der Banker und Bankexperten ist bewusst unverständlich» stellen sie fest. «Dieses Kauderwelsch hilft ihnen, Politiker und die Öffentlichkeit zu verwirren.»

Die etwas anderen Dark Pools

Inzwischen ist HFT jedoch bereits überholt. Was einst ein gut gehütetes Geheimnis von ein paar Eingeweihten war, hat sich inzwischen herumgesprochen. Das grosse Geschäft ist vorbei. Gemäss «Financial Times» beliefen sich die Gewinne aus HFT im Jahr 2009 noch auf 7,2 Milliarden Dollar. Für 2014 wird bloss noch mit 1,2 Milliarden Dollar gerechnet. 

Die Profis haben derweil ein Mittel gefunden, den HF-Tradern ein Schnippchen zu schlagen. Sie bilden sogenannte Dark Pools, Vereinigungen, in denen Aktien ohne Zwischenhandel vermittelt werden und wo selbst die mächtigsten Algorithmen keine Macht mehr haben.  

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