Neue Vogelgrippe-Variante breitet sich in der Antarktis aus – und ist besonders tödlich
Wissenschaftler schlagen Alarm: Die Vogelgrippe breitet sich in der Antarktis aus. Und es handelt sich um eine neue Variante, die besonders letal ist, wie der führende chilenische Forscher Victor Neira vom Chilenischen Antarktis-Institut (INACH) und sein Team berichten. Der Virusstamm, den Neiras Team ursprünglich im April 2024 bei fünf Raubmöwen nachgewiesen hat, könne «in ein oder zwei Tagen 90 oder 100 Prozent der Tiere in einem bestimmten Gebiet» töten.
Neue Fälle
Seitdem hat das Virus zahlreiche andere Tierarten auf dem eisigen Kontinent befallen – zumindest entlang des 900 Kilometer langen Küstenabschnitts im Westen, der von den Wissenschaftlern untersucht wurde. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP erklärte Neira, die Krankheit habe sich «vollständig in der antarktischen Region ausgebreitet, in der wir die Möglichkeit haben, hinzugehen und zu forschen». Bei der letzten Expedition des Teams seien neue Fälle bei antarktischen Kormoranen, Kelp-Möwen, Adeliepinguinen, Eselspinguinen und Antarktischen Seebären entdeckt worden, berichtete Neira.
Damit haben sich Warnungen von Wissenschaftlern bestätigt, wonach die Vogelgrippe sich auch auf der Antarktis – wo zwar vorübergehend Forschungsteams stationiert sind, aber keine Menschen dauerhaft leben – ausbreiten könnte.
Der erste wissenschaftlich dokumentierte Ausbruch von A/H5N1 ereignete sich 1959 in Schottland. Seit 1997 treten die H5N1-Ausbrüche gehäuft auf, seit 2020 ist die Zahl der Infektionen bei Vögeln exponentiell gestiegen. Fast alle infizierten Vögel sterben an der Erkrankung.
Kleine Bestände besonders gefährdet
Problematisch ist dieser Befund, weil die Populationen von antarktischen Tierarten oft klein sind, was das Risiko von Ausbrüchen noch verstärkt. So umfassen die Bestände von Spezies wie antarktischen Kormoranen und Raubmöwen weltweit lediglich rund 20'000 Tiere. Ein unkontrollierter Ausbruch kann deshalb für solche Arten existenzbedrohend werden. (dhr)
