Fussball

Tempi passati: Tranquillo Barnetta jubelt nie wieder im Schalke-Trikot. Bild: INA FASSBENDER/REUTERS

Tranquillo Barnetta im Interview: «Wenn Angebote von diesen drei Vereinen auf dem Tisch liegen würden, wäre es ein schönes Entscheiden»

Etwas überraschend hat Tranquillo Barnetta angekündigt, dass er Schalke und die Bundesliga verlassen wird. Im Interview mit watson spricht der 30-Jährige über mögliche Klubs, seine Nicht-Nominierung für die Nati und seine Ferienpläne.

Publiziert: 30.05.15, 09:27

Tranquillo Barnetta, seit einer Woche ist die Bundesliga-Saison vorbei. Was ziehen Sie für eine persönliche Bilanz?
Tranquillo Barnetta: Die letzten sechs Wochen waren nicht mehr so zufriedenstellend. Für den Verein und für mich selbst auch nicht. Als ich im Sommer aus Frankfurt zu Schalke zurückkehrte, hatte ich mir mehr Einsatzzeit erhofft. Doch ich habe mich ins Team zurückgekämpft und hatte bis auf die letzten Spiele eine super Rückrunde.

Hatte das auch mit Trainer Roberto Di Matteo zu tun, der ja wie Sie Ostschweizer ist?
Ja, am Anfang hatte ich es super unter ihm. Wir fanden den Draht sofort, auch weil wir Schweizerdeutsch sprechen konnten. Ich kam sehr oft zum Einsatz. Warum er mich zum Schluss nicht mehr so oft laufen liess, weiss ich ehrlich gesagt auch nicht. Aber das muss man dann halt akzeptieren.

Wenige Tage nach dem Saisonende nimmt sich Tranquillo Barnetta bereits Zeit für die «Meet & Greet»-Gewinner von watson.ch. bild: watson

Sie werden Schalke und auch die Bundesliga verlassen. Wären Sie gerne geblieben?
Nein, für mich passt es so. Ich bin jetzt in einem Alter, um noch einmal etwas Neues zu erleben. Nach elf Jahren Bundesliga möchte ich noch etwas anderes sehen. Wegen der Unruhen im Klub trafen wir uns auch nicht mehr zu Vertragsverhandlungen, deshalb habe ich mich schliesslich so entschieden.

Sie haben es angesprochen: Wie schwierig war es zuletzt in dieser turbulenten Zeit bei Schalke? Wie haben Sie den Eklat um Spieler wie Boateng miterlebt?
Das war sicher nicht ganz einfach. Schalke ist ein spezieller Klub, wo immer etwas Unruhe herrscht. Es war teils schon schwierig, sich als Mannschaft noch hundertprozentig auf den Fussball zu konzentrieren. Das war vielleicht auch ausschlaggebend für die schwachen Resultate zum Schluss.

Einen Wechsel innerhalb der Bundesliga haben Sie ausgeschlossen. Warum eigentlich? In Frankfurt lief es ja bestens und Sie waren bei den Fans sehr beliebt. Ist eine Rückkehr definitiv ausgeschlossen?
Klar, im Fussball sollte man nie «nie» sagen. Man weiss nie, was passieren wird. Aber die Grundidee ist schon, noch einmal etwas Neues kennenzulernen.

England, Italien oder Spanien sind Ihre Wunschdestinationen? Wenn Sie wählen könnten, bei welchem Klub würden Sie am liebsten spielen?
In diesen drei Ländern gibt es sehr viele Vereine, die sehr reizvoll wären. Einzelne Gespräche wurden schon geführt, aber noch ist nichts konkret. Die Klubs mussten zunächst auch sehen, wie sie ihre Saison abschliessen und wie sie sich für die Zukunft aufstellen wollen.

Mit Nachdruck bestätigt: Wenn Barnetta in die Schweiz zurückkehrt, dann nur zum FC St.Gallen. Bild: KEYSTONE

Klar, Sie verraten mir keinen Klubnamen. Was, wenn ich Liverpool, Tottenham oder Fiorentina sage?
Die Premier League ist natürlich sehr interessant. Liverpool und Tottenham sind Traditionsvereine. Wenn die Rahmenbedingungen da stimmen, würde ich sofort zusagen. Aber auch Italien hätte wegen meiner Herkunft und meiner Verwandtschaft seinen Reiz. Wenn Angebote von diesen drei Vereinen auf dem Tisch liegen würden, wäre es ein schönes Entscheiden.

Sie haben gesagt, dass eine Rückkehr in die Schweiz noch nicht in Frage kommt. Sie sind zwar U17-Europameister, einen nationalen Titel haben Sie aber noch nicht gewonnen. Was, wenn der FC Basel anklopfen würde?
Ich habe immer gesagt, wenn ich zurück in die Schweiz komme, dann gibt es für mich nur den FC St.Gallen. Sicherlich ist es auch schön, Titel zu gewinnen. Das habe ich bis jetzt nicht geschafft, aber vielleicht kommt das ja noch. Warum nicht mit dem FC St.Gallen?

In Spiez befinden sich derzeit viele Schweizer Bundesliga-Spieler in einem Kurztrainingslager der Nati: Warum sind Sie nicht dabei?
Ich wurde ja schon für die Länderspiele im März nicht aufgeboten, deshalb bin ich auch nicht davon ausgegangen, dass ich jetzt gegen Liechtenstein und Litauen dabei sein werde. Aber für mich stimmt es so, dass ich jetzt mal abschalten und Ferien machen kann.

Haben Sie denn zuletzt etwas von Trainer Vladimir Petković gehört?
Nein, wir haben nicht telefoniert.

Pirmin Schwegler ist aus der Nati zurückgetreten, auch Tranquillo Barnetta hat sich so seine Gedanken gemacht. Bild: Andreas Meier/freshfocus

Pirmin Schwegler hat nach Jahren der Nicht-Berücksichtigung seinen Nati-Rücktritt erklärt. War ein solcher Schritt auch für Sie ein Thema?
Sicherlich habe ich mir meine Gedanken gemacht. Meine Nicht-Nominierung hat medial grosse Wellen geschlagen. Momentan möchte ich aber nicht darüber sprechen. Die Zukunft wird zeigen, wie es mit meiner Nati-Karriere weitergehen wird.

Jetzt stehen also Ferien an. Verreisen Sie oder bleiben Sie in St.Gallen?
Ich denke, ich bleibe erstmal hier und geniesse die Heimat und die Kollegen. Weil ich sonst das ganze Jahr weg bin, tut mir das jeweils sehr gut. Von hier gehe ich dann vielleicht spontan weg – in Richtung Italien oder so.

Das Open Air St.Gallen könnte in diesem Jahr also wieder einmal drinliegen?
(schmunzelt) Könnte drinliegen, ja.

Endlich Ferien: Doch viel Zeit zum Verreisen hat Tranquillo Barnetta nicht. Schliesslich muss er sich noch einen neuen Klub suchen. Bild: Andreas Meier/freshfocus

Genehmigen Sie sich jetzt nach Saisonende auch einmal ein Bierchen? Oder wie streng schauen Sie in den Ferien auf Ihre Ernährung?
Ich habe das Glück, dass ich nicht allzu sehr auf meine Ernährung schauen muss. Ich nehme nicht schnell zu. Klar schaue ich, dass ich vor einem Spiel keinen Burger, stattdessen viele Kohlenhydrate esse. Zum richtigen Zeitpunkt genehmige ich mir aber auch ab und zu ein Bierchen. Ich sage jetzt nicht, Alkohol gehe gar nicht.

In der Bundesliga spielen derzeit viele junge Schweizer. Sie selbst wechselten mit 19 Jahren zu Leverkusen. Gibt es eigentlich einen idealen Zeitpunkt für einen Wechsel ins Ausland?
Nein, eine Faustregel gibt es nicht. Wann der ideale Zeitpunkt ist, muss jeder für sich selber wissen. Was mir damals sehr gut tat, war, dass ich schon zwei Jahre mit St.Gallen in der Super League spielen und meine Erfahrungen sammeln konnte.

Mit 19 bereits in der Bundesliga: Barnetta wechselte 2004 zu Bayer Leverkusen. Bild: AP

Was würden Sie Breel Embolo raten? In Basel zu bleiben oder ins Ausland zu wechseln?
Ich kenne ihn nicht persönlich. Deshalb ist es schwierig für mich, ihm einen Tipp zu geben. Es ist aber sicher von Vorteil, wenn man vor dem Sprung ins Ausland ein, zwei Jahre Stammspieler in einer Profi-Mannschaft ist. Aber ich möchte mir jetzt nicht anmassen, ihm zu sagen, ob er in Basel bleiben oder ins Ausland gehen sollte.

Nochmals zurück zu Ihnen: Haben Sie eigentlich schon Pläne, was Sie nach Ihrer Karriere machen werden?
Pläne vielleicht nicht, aber man macht sich schon so seine Gedanken. Ich glaube nicht, dass ich im Fussball-Business bleiben werde. Eine Trainerkarriere kommt sicher nicht in Frage. Im Betrieb des Vaters oder meines Bruders gibt es Möglichkeiten. Um konkreter zu werden, habe ich aber noch genügend Zeit.

Die 20 besten Nati-Spieler aller Zeiten

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  • el_chef 30.05.2015 15:10
    Highlight der sollte zurück zum fcsg, sie würden ihn mit offenen armen nehmen und er wäre ein leistungsträger, aber wenn er jetz in die premierleague wechselt und 2-3 jahre bänkliwärmer ist, dann ist er mit 33 ohne spielpraxis der letzten jahre nicht einmal mehr in der superleague ein topspieler
    11 3 Melden
    • pun 02.06.2015 08:55
      Highlight Ich frage mich schon auch, weshalb Liverpool oder Fiorentina einen 30 jährigen, der nicht mal bei Schalke Stammspieler ist, anstellen sollten. Luft nach oben ist da nicht mehr superviel.
      Befürchte für den fcsg, dass der dann mit 33 zurück kommt und wie bunjaku nichts mehr auf die reihe kriegt.
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  • Angelo C. 30.05.2015 13:28
    Highlight Wer auf der untenstehenden Bildfolge der 20 besten Schweizer Spieler ganz klar fehlt, ist Karl Odermatt, der grossartige Regisseur des FC Basel und der Nationalmannschaft. Zumindest wenn man Köbi Kuhn, sein Zürcher Pendent und ähnlich guter Techniker wie er selbst, erwähnt, dann gehört der Karli ganz klar in die Liste....
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  • pesche68 30.05.2015 10:36
    Highlight Ist "Selbstüberschätzung" eine Krankheit, die heilbar ist? Zumindest leidet Barnetta daran ;)
    19 36 Melden
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  • Lil'Ecko 30.05.2015 09:35
    Highlight Hätte, wäre, wenn😂😂
    geh zum FCSG evtl nehmen sie dich sogar😉
    30 4 Melden
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