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Olympia 2026

Olympia 2026: Ukrainer wegen Kriegsopfer-Helm vom IOC ausgeschlossen

epa12726939 Vladyslav Heraskevych of Ukraine wears a helmet in memory of the Ukrainian athletes who died in the war during the Men's Skeleton training session at the Milano Cortina 2026 Winter Ol ...
Wladyslaw Heraskewytsch darf nicht starten.Bild: keystone

Vater weint, Skeleton-Welt «schockiert» – Ukrainer wegen Kriegsopfer-Helm ausgeschlossen

12.02.2026, 09:1512.02.2026, 11:43

Skeleton-Athlet Wladyslaw Heraskewytsch darf nicht bei den Olympischen Spielen starten. Dies teilte das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Donnerstagmorgen kurz vor dem Beginn des 1. Laufs (9.30 Uhr) mit. Der Grund dafür ist der Helm des Ukrainers, der Portraits von im Krieg gestorbenen Athleten zeigt. «Ich glaube, dieser Helm hat keine Regeln verletzt», sagte er dem ZDF.

Schon nach den ersten Trainings wurde ihm der Helm verboten, der 27-Jährige trug ihn jedoch weiterhin und erklärte: «Ich werde die Athleten nicht verraten und wie sie bis zum Ende kämpfen.»

International Olympic Committee President Kirsty Coventry arrives at the start house of the sliding center at the 2026 Winter Olympics, in Cortina d'Ampezzo, Italy, Thursday, Feb. 12, 2026. (AP P ...
Kirsty Coventry traf sich kurz vor dem Skeleton-Start mit Heraskewytsch.Bild: keystone

IOC-Präsidentin Kirsty Coventry hatte Heraskewytsch am Morgen noch persönlich versucht, vom Tragen des Helms abzubringen. Dieser verstosse gegen die olympische Charta, die «politische, religiöse oder rassistische Demonstration oder Propaganda» verbietet.

«Er hat keinen Kompromiss in Betracht gezogen», heisst es in der offiziellen Mitteilung. Infolgedessen habe die Jury des Internationalen Bob- und Skeletonverbands den Entscheid getroffen, Heraskewytsch vom Start auszuschliessen. Daraufhin entzog das IOC ihm die Akkreditierung.

«Das IOC war sehr daran interessiert, dass Herr Heraskewytsch am Wettbewerb teilnimmt», teilt es mit. Deshalb sei das Komitee mit dem Ukrainer zusammengesessen, um einen «möglichst respektvollen Weg zu finden, damit er seinen Kollegen, die ihr Leben durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine verloren haben, gedenken kann». Heraskewytsch konnte den Helm in den Trainings tragen und hätte ihn auch nach dem Wettbewerb in der Mixed Zone zeigen dürfen, stellt das IOC klar.

Für Heraskewytsch war aber von Beginn an klar: «Ich bin felsenfest überzeugt, dass wir keine IOC-Regeln gebrochen haben.» Nach dem ursprünglichen Entscheid, den Helm zu verbieten, sagte er: «Ich sehe keine politische, diskriminierende oder rassistische Propaganda auf unserem Helm.» Ausserdem hatte er keinen weiteren Helm mitgebracht. Einen neuen auf ihn anzupassen, wäre in der kurzen Zeit nicht möglich gewesen – gerade in einem Sport, in dem es um Millisekunden gehe, wäre dies ein Problem gewesen.

Mykhailo Heraskevych, father of Ukrainian skeleton athlete Vladyslav Heraskevych, reacts as he sits next to the start house of the sliding center at the 2026 Winter Olympics, in Cortina d'Ampezzo ...
Mykhailo Heraskewytsch konnte den Entscheid gegen seinen Sohn nicht fassen.Bild: keystone

Die Reaktionen der Skeleton-Community waren eindeutig. «Es ist ziemlich schockierend», sagte die Britin Lizzy Yarnold gegenüber BBC und fügte an: «Viele von uns waren direkt in Kontakt. Es herrscht Verwirrung und ein Schockzustand.» Das Andenken der verstorbenen Athleten und Trainer sei «emotional sehr wichtig für ihn. Ich finde, das IOC schuldet ihm eine Entschuldigung. Es war die falsche Entscheidung», so Yarnold.

Heraskewytsch war im Training einer der Schnellsten und hätte sich Medaillenchancen ausrechnen dürfen. Vater Mykhailo, der auch sein Trainer ist, brach nach dem Entscheid in Tränen aus. (nih)

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120 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Der Buchstabe I (Zusammenhang wie Duschvorhang)
12.02.2026 09:17registriert Januar 2020
Erinnerung an tote Freunde ist NICHT POLITISCH.

Eine Russlandflagge auf dem Helm eines italienischen Snowboarders schon, für das Komitee aber voll okay.

Das IOC ist einfach nicht tragbar.
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wiedemauchsei
12.02.2026 09:18registriert Mai 2019
Man will ja in Puncto Charakterlosigkeit nicht hinter der FIFA zurückstehen
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Beyeler
12.02.2026 09:21registriert Oktober 2016
Die gleichen Leute, welche diesen Entscheid verteidigen, sind die Leute dir schreien, dass Politik und Sport getrennt sein sollten.

Liebe Leute, solche Entscheide zu treffen wie das IOC hier ist auch eine Art Politik!

P.S. Sport & Politik können niemals getrennt voneinander stattfinden, da diese zu stark miteinander verwoben sind und von PolikterInnen aktiv zur Werbung genutzt werden.
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120
Das IOC will nicht, dass du den Helm dieses Ukrainers siehst
Wladyslaw Heraskewytsch ist vom olympischen Skeleton-Wettbewerb ausgeschlossen worden. Das hat das IOC beschlossen und damit einen fragwürdigen Entscheid getroffen.
Wladyslaw Heraskewytsch ist Skeletonfahrer. Er ist an die Olympischen Spiele nach Cortina d'Ampezzo gereist, um dort seine Heimat zu repräsentieren: die Ukraine. Ein Land, das sich seit vier Jahren gegen den russischen Angriffskrieg verteidigt. Russische Sportler sind deswegen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, von Olympia ausgeschlossen.
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