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Feuer an den Hängen des Vesuvs. Bild: EPA/ANSA

Hier ist nicht der Vulkan ausgebrochen, sondern die Mafia verbrennt am Vesuv Giftmüll

12.07.17, 16:42 12.07.17, 16:59

In Neapel hat nach den Grossbränden an den Hängen des Vesuvs die Suche nach den Schuldigen begonnen. Kaum einer zweifelt, dass Brandstifter am Werk waren – und dass das organisierte Verbrechen mitgezündelt hat.

Die Staatsanwaltschaft von Torre Annunziata leitete am Mittwoch ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Brandstiftung ein. Solche Vorwürfe hatten zuvor schon Umweltschützer und Anwohner erhoben. Nach deren Angaben brannten an den Hängen des 1280 Meter hohen Vulkans auch illegale Müllkippen.

Blick auf die Brandherde von Neapel aus. Bild: EPA/ANSA

«Ich wünsche mir, dass Justiz und Ordnungshüter die Kriminellen identifizieren, denn ich bin überzeugt, dass das eine vorsätzliche Tat ist», sagte Neapels Bürgermeister Luigi de Magistris laut der Nachrichtenagentur Ansa. «Wir werden die Pyromanen verfolgen, und wenn jemand den Vesuv angezündet hat, möchte ich ihn für 15 Jahre im Gefängnis sehen», sagte der italienische Umweltminister Gian Luca Galletti.

Brennender Giftmüll

Der Priester Marco Ricci sagte der Zeitung «Corriere della Sera», dass in der Gegend brennender Giftmüll die Luft verpeste. «Der Rauch ist in der Tat schwarz. Hinter allem steckt ein krimineller Plan», sagte er und fügte hinzu, dass es in seinem Gemeindesprengel viele Krebskranke gebe.

Die illegale Giftmüllentsorgung gilt neben Drogenhandel, Schmuggel und Produktpiraterie als eines der Geschäftsfelder der Camorra, wie die Mafia im Grossraum Neapel heisst. Der neapolitanische Autor Roberto Saviano hatte schon vor Jahren in seinem Bestseller «Gomorrha» beschrieben, wie ganze Landstriche der Region Kampanien so von der Camorra verseucht wurden.

Vesuv zuletzt 1944 ausgebrochen

Am Dienstag hatten mehrere hohe Rauchsäulen rund um den zuletzt 1944 ausgebrochenen Vulkan Aufsehen erregt. Die Brände, die sich zu einer über zwei Kilometer breiten Feuerfront ausweiteten, hatten aber anscheinend schon eher begonnen. Denn Anrainer aus dem Bergdorf San Vito im Gebiet der Gemeinde Ercolano versicherten am Mittwoch, dass sie seit sieben Tagen nachts kein Auge mehr zudrückten.

Die Löscharbeiten gingen am Mittwoch ohne Atempause weiter. Drei Löschflugzeuge und fünf Helikopter waren seit dem Morgen im Einsatz, wie Ansa meldete.

Hitze und Trockenheit haben in Italien vor allem im Süden und in der Mitte des Landes die Ausbreitung von Bränden begünstigt. Betroffen waren neben Kampanien auch Sizilien, Apulien und die Region Latium um Rom. In der Stadt Messina im Nordosten Siziliens, die zuvor vom Feuer fast eingeschlossen war, war die Lage laut Ansa am Mittwoch wieder unter Kontrolle. (whr/sda/dpa)

Drohnenflug rund um den aktiven Ätna

Video: reuters

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