Schweiz

Fall Adeline: Gutachter fürchtet nach «narzisstischer Orgie» hohes Rückfallrisiko 

Publiziert: 05.10.16, 14:18 Aktualisiert: 05.10.16, 14:54

Die Eltern von Adeline in Genf vor Gericht. Bild: KEYSTONE

Zwei französische Psychiater haben im Prozess gegen den mutmasslichen Mörder der Sozialtherapeutin Adeline vor dem Genfer Kriminalgericht ein sehr hohes Rückfallrisiko beim Täter ausgemacht. Dieser habe ein Gefühl der Allmacht erlebt, sagte einer der Psychiater.

Der 42-jährige Angeklagte Fabrice A. hatte die Sozialtherapeutin während eines Freigangs an einen Baum festgebunden, bevor er ihr die Kehle durchschnitt. Das habe bei ihm eine Art «narzisstische Orgie» ausgelöst, ein Hochgefühl, das über den sexuellen Orgasmus hinaus gehe.

Die beiden Gutachter sprachen von einem «Orgasmus im Hirn». Dieses Gefühl der Dominanz, der Macht über die andere Person, die allein von seiner Gnade abhänge, habe der Angeklagte bereits während der beiden Vergewaltigungen von 1999 und 2001 erlebt.

Hochgefühl wiederholen

Er glaube, dass dieses Gefühl zentral sei, sagte der französische Psychiater Daniel Zagury. Er machte beim Angeklagten schwere Persönlichkeitsstörungen aus. Zagury und sein Kollege Pierre Lamothe zeigten sich eher pessimistisch bezüglich einer baldigen guten Entwicklung des Angeklagten.

Der Angeklagte äussert sich am 3. Oktober, seine Verteidiger hören zu. Bild: KEYSTONE

Derzeit und in einer nahen Zukunft bleibe das Risiko einer Wiederholungstat sehr gross, sagten die beiden Experten. Serientäter seien bei der ersten Tat überrascht und zeigten eine Tendenz, das empfundene Hochgefühl wiederholen zu wollen.

Nach Angaben der Gutachter handelt es sich um eine Person mit einem gespaltenen Ich. So könne er ganz normal erscheinen und zugleich im Verborgenen ganz andere Gefühle haben, die nicht zu erkennen seien. Sie wiesen es zurück, über die Heilbarkeit des Angeklagten zu sprechen, da sie ihn nicht als psychisch krank anschauen.

Hingegen bestünde Möglichkeiten, dass er sich allenfalls neu ordnen könnte und somit weniger gefährlich würde. Es sei aber zu früh, um anzugeben, ob das bei Fabrice A. funktionieren würde, sagte der Gutachter Lamothe. Gewisse Menschen würden sich nie ändern, aber das bedeute nicht, dass man es nicht versuchen sollte.

(sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Putsch der «treulosen Elektoren» – die letzte Möglichkeit, Präsident Trump zu verhindern

Der Aargauer Pendlerstau gefährdet den SBB-Fahrplan

Das ist die iPhone-App des Jahres

10 Dinge, die wir als Kind hassten – und von denen wir heute nicht genug kriegen können

Hol dir die catson-App!

Deine Katze würde catson 5 Sterne geben – wenn sie Daumen hätte.
Themen
3 Kommentare anzeigen
3
Logge dich ein, um an der Diskussion teilzunehmen
Youtube-Videos und Links einfach ins Textfeld kopieren.
600
  • Spooky 06.10.2016 00:16
    Highlight "Nach Angaben der Gutachter handelt es sich um eine Person mit einem gespaltenen Ich. So könne er ganz normal erscheinen und zugleich im Verborgenen ganz andere Gefühle haben, die nicht zu erkennen seien."

    Na ja, also ein Mensch wie du und ich.
    2 0 Melden
    600
  • Therealmonti 05.10.2016 17:46
    Highlight Es braucht nun wirklich keine sog. Gutachter um festzustellen, dass Typen wie Adelines Mörder für alle Zeiten hinter Schloss und Riegel gehörten Und wenn schon solche Experten: Wann endlich werden diese "Koryphäen" zur Verantwortung gezogen, wenn solche Verbrecher dank ihnen Freigang bekommen oder gar freigelassen werden und dann wieder rückfällig werden. Und auch Richter sollten zur Verantwortung gezogen werden für Fehlurteile.
    7 7 Melden
    600
  • meliert 05.10.2016 17:32
    Highlight ein schwerer Gang für die Eltern! Diese Bestie (Täter) ist nicht therapierbar.
    5 1 Melden
    600

Im berüchtigten Zürcher Polizeigefängnis sitzen sogar Elfjährige 

Die Zustände im provisorischen Polizeigefängnis (Propog) auf dem Zürcher Kasernenareal sind hart. Es sei eng, es stinke im Sommer und immer wieder seien die Schreie der Festgenommenen zu hören. Genau dort sind auch Minderjährige untergebracht. Manche von ihnen sind noch Kinder. Das berichtet der «Tages-Anzeiger».

Die Nationale Kommission zur Verhütung von Folter (NKVF) kritisierte die dortige Unterbringung von Jugendlichen bereits 2014. Damals forderte diese den Kanton auf, die …

Artikel lesen