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Nach der zweiten Dosis folgt die dritte. Das muss so sein, sagt nicht nur die Pharma. bild: keystone

Ist schon bald die «dritte Dosis» fällig? Die wichtigsten Fragen zur Auffrisch-Impfung

In Grossbritannien denken sie schon über die dritte Dosis nach. Und in den USA starten die Pharma-Konzerne Pfizer und Moderna die ersten Untersuchungen, nicht ob, sondern wann die Auffrisch-Impfung fällig sein wird. «Dritte Dosis» - das klingt schon fast religiös, sie nennen sie «Booster», das klingt nach Dynamik.

Christoph Bopp / ch media



Pfizer und Moderna sind schon am Testen. Braucht es bei ihren mRNA-Impfungen eine dritte Dosis, einen sogenannten Booster? Einige Experten in den USA empfehlen ihn so oder so für September/Oktober, weil im Herbst die Saison wieder beginnt.

Mittlerweile sind schon sehr viele Personen geimpft und man weiss, dass die Impfungen sehr gut schützen vor Infektionen und vor allem vor schweren Verläufen. Dennoch befinde sich die Forschung in einer «daten-armen Zone», sagte der Virologe Barton Haynes von der Duke University der «Washington Post».

Drei Fragen harren der Beantwortung

  1. Wie lange hält der Impfschutz?
  2. Muss man den Impfschutz auffrischen, und darf man die Impfstoffe dafür mischen?
  3. Wie gut schützen die Impfungen vor neuen Virusvarianten?

Und die Antikörper schwinden dahin ...

Die Impfungen sollen das Immunsystem fit machen gegen das Virus. Dazu produziert es Antikörper, die an das eindringende Virus binden und es unschädlich machen. Es gibt aber Reinfektionen und man weiss auch, dass die Zahl der Antikörper abnimmt, in einigen Fällen ziemlich rapide. Dem steht die Hoffnung entgehen, dass die zellu­läre Immunabwehr das kompensiert. Sie ist «eleganter» als die im Blut herumschwimmenden Antikörper. Die kann man dafür zählen und Serumtests machen, um nachzuweisen, ob die Antikörper das Virus auch wirklich bekämpfen; während die Immunzellen erst bei einer allfälligen Infektion aktiv werden.

Erfahrungen, die man mit der Immunität gegen andere humane Coronaviren gemacht hat, zeigen, dass die Immunantwort schwächer wird. Bei OC43, das Erkältungen auslöst, hält sie etwa ein Jahr. Das Coronavirus 229E produziert zwar Antikörper, aber nicht genug, um gegen eine Infektion mit Sars-CoV-2 zu schützen. Vielleicht verhindert es schwere Verläufe.

Viele an Covid-19 erkrankte Personen hatten wahrscheinlich eine Geschichte von Kontakten mit anderen humanen Coronaviren. Man vermutet bis zu 20 Prozent. Bei einigen beobachtete man bei einer Covid-Infektion eine erhöhte Produktion von Antikörpern (also eine Art Boosterwirkung), bei anderen gar nichts. Sera von Patienten, die vor 8 bis 17 Jahren eine 229E-Infektion gehabt hatten, reagierten auf eine aktuelle Variante von 229E gar nicht mehr.

Es sieht so aus, dass der Antikörperspiegel im Blut innert einer Frist von etwa sechs Monaten nach der zweiten Dosis unter ein Level sinken kann, das Infektionen verhindert. Das spricht für die Notwendigkeit einer Boosterimpfung.

Gegen einen Impfstoff-Cocktail spricht nichts

Natürlich sollen Wissenschafter die Frage beantworten, ob es eine dritte Impfung braucht, und nicht die Produzenten. Das gilt auch für die Frage, ob die Impfstoffe gemixt werden dürfen. Ob nach zwei Moderna-Dosen ein Pfizer-Booster ebenso gut wirkt wie umgekehrt. Technologisch scheint nichts dagegen zu sprechen.

Beide Firmen experimentieren bereits auch mit einer Impfstoffweiterentwicklung, welche die neuen Varianten berücksichtigt. In England hat man allerdings beobachtet, dass ein Mix einer Pfizer-Dosis mit einer von Astrazeneca stärkere und häufigere Nebenwirkungen hervorgerufen hat. So scheint es doch vernünftiger, den gleichen Impfstoff zu verwenden, auf den man einmal gut reagiert hat.

Und wie geht das Rennen mit dem Virus aus?

Was bewirken jetzt die Impfungen? Die bevorzugte Antwort auf die dritte Frage wäre natürlich: Die Impfungen sind so gut, sie werden das Virus zum Verschwinden bringen. Die Zeitschrift «Nature» machte eine Umfrage. 89 Prozent der befragten 119 Wissenschafter aus 23 Ländern erachteten es als mindestens «wahrscheinlich», dass das Virus endemisch wird. Dass es - ähnlich wie andere Infektionskrankheiten - uns peri­odisch heimsuchen wird. Nur 14 Prozent hielten es für «sehr wahrscheinlich», dass das Virus lokal ausgerottet («eradicated») werden könnte (25 Prozent für «wahrscheinlich»).

Denkbar wäre das Szenario Masern. Das würde bedeuten, dass Regionen Covid-frei würden dank Durchimpfung und Herdenimmunität, während es in anderen Regionen immer wieder Ausbrüche geben würde. Oder dass die Impfungen so gut schützen und so weit verbreitet werden können, dass man nur noch mit milden Verläufen rechnen müsste. Das gleicht der Art und Weise, wie wir mit der Grippe um­gehen.

Es gibt allerdings Unterschiede. Wir wissen zwar noch nicht, wie sich Sars-CoV-2 entwickeln wird. Solange die Inzidenz in bestimmten Ländern hoch ist, wird es weiter mutieren. Und die Geschichte mit 229E ist beunruhigend. Das Spikeprotein des Coronavirus ist allerdings nicht so wandlungsfähig wie das Hämagglutinin, das Oberflächenprotein des Influenzavirus, das eine wichtige Rolle spielt, wenn das Virus in eine Wirtszelle eindringen will. Diese evolutionäre Breite des Influenzavirus führt zum alljährlichen Poker mit dem Impfstoff. Die gegen Sars-CoV-2 eingesetzten mRNA-Impfstoffe sind zudem viel flexibler.

Die Spritzen werden uns noch eine Weile begleiten

Wir müssen uns ohnehin damit abfinden, dass es mit den zwei Piksern nicht getan ist. Solange das Virus grassiert, wird unser Immunsystem den Antikörperlevel mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht auf der erforderlichen Höhe halten können, dass keine Booster- oder andere Auffrischimpfungen mehr nötig sein werden. (aargauerzeitung.ch)

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quelle: keystone / peter klaunzer
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