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Teilnehmer des Aufmarsches in Warschau.
Teilnehmer des Aufmarsches in Warschau.Bild: EPA/PAP

70'000 Hassnachrichten – Schweizer Journalist gerät ins Visier von Rechtsextremen

15.11.2018, 13:4816.11.2018, 06:55

Am Sonntag postete der profilierte Journalist Fabian Eberhard auf Twitter ein Video von einem Aufmarsch in der polnischen Hauptstadt Warschau. Dort hatten sich am Wochenende aus Anlass des hundertjährigen Jubiläums der Unabhängigkeit Polens vom ungarisch-österreichischen Kaiserreich 200'000 Menschen versammelt. Zu den Rednern gehörte Polens Staatspräsident Andrzej Duda.

Als Organisatoren des Umzugs fungierte unter anderen die Gruppe «National-Radikales Lager» («Obóz Narodowo-Radykalny», ONR). ONR sieht sich selber als Nachfolgeorganisation der gleichnamigen faschistischen Gruppierung, die vor dem 2. Weltkrieg offen antisemitische Positionen vertreten hatte. Gemäss Medienberichten waren beim diesjährigen Umzug Symbole von weissen Suprematisten zu sehen und es kam zu rassistischen Sprechchören.

Der für seine Recherchen im rechtsextremen Milieu bekannte «SonntagsBlick»-Journalist Eberhard schrieb in seinem Twitter-Post zum Video, dass 200'000 Nationalisten und Neo-Nazis durch Warschau marschierten. Und zog damit eine Welle des Hasses von gewaltigem Ausmass auf sich.

Bild: facebook.com/EberhardFabian/

«Rechte Kreise in Polen und später in Deutschland und den USA starteten eine orchestrierte Kampagne gegen mich», schrieb Eberhard am Donnerstag auf Facebook. Tenor der Vorwürfe: Eberhard habe mit seinem Tweet alle Demonstrationsteilnehmer mit Neonazis gleichgesetzt. Auch Bundestagsabgeordnete der Alternative für Deutschland (AfD) verbreiteten diese falsche Behauptung.

Eberhard beschrieb auf Facebook, wie er «Beschimpfungen, Verleumdungen und Morddrohungen» erhielt. Nach hohen Politikern stimmten am Mittwoch auch polnische Medien in den Chor ein. Die Bilanz: «Knapp 70'000 Hass-Mitteilungen alleine auf Twitter. Viele hundert über Facebook und andere Kanäle und Dutzende Hackerattacken.»

Als Konsequenz davon hat Eberhard seinen Twitter-Account vorübergehend deaktiviert. Es sei nicht seine Art, den Hatern das Feld zu überlassen. Doch dieser Shitstorm sei grad etwas zu viel. «Wir sollten uns alle fragen: In was für einer Zeit leben wir? Eine Zeit, in der Menschen dermassen angegriffen werden, weil sie Fakten beschreiben», schreibt Eberhard.

Am Donnerstagmittag löscht Eberhard auch den Facebook-Post, von dem watson ein Screenshot vorliegt. Zu den verschiedenen Gründen, die dazu geführt haben, könne er momentan leider keine Angaben machen, schreibt Eberhard auf Anfrage. (cbe)

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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Clife
15.11.2018 13:56registriert Juni 2018
Ich muss das jetzt mal klar fragen. Bspw. In unserer BV steht, dass Rassismus klar verboten ist (und auch in der EMRK). Dann steht natürlich auch, dass die Meinungsfreiheit ein Grundrecht ist. Nun ist es ja auch so bzw. Es so sein sollte, dass nach dem Verhältnismässigkeitsprinzip Rassismus vor Meinungsfreiheit kommt. Wieso wird da nicht endlich mal gehandelt und Radikalismus geahndet? Die Köpfe solcher Veranstaltungen oder Aussagen sind ja weitgehend bekannt
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Garp
15.11.2018 14:30registriert August 2018
Da können wir uns freuen, was da noch so alles auf uns zukommt! Die extreme Rechte ist sehr gut vernetzt und das inzwischen weltweit.
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zombie woof
15.11.2018 15:02registriert März 2015
Das braune Gedankengut verbreitet sich immer mehr und etabliert sich. Der Tag kommt, und wir werden ein böses erwachen haben. Ich hoffe sehr, dass ich völlig falsch liege, aber irgendwie tue ich mich schwer damit.....
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Schweizer «House of Cards»: 5 Punkte zu Berset, Crypto AG und Co.
Eine kleine Amtsgeheimnisverletzung hat grosse Strafermittlungen ausgelöst. Viele Details sind noch unbekannt, in den Berichten darüber fallen aber die Namen von Berset, Cassis, Mörgeli und Co. Wir ordnen die Fakten ein.

Im und ums Bundeshaus herum findet zurzeit eine regelrechte Schlammschlacht statt. Laut «NZZ am Sonntag» ist die Affäre derart pikant, dass sie mit der preisgekrönten Serie «House of Cards» verglichen werden kann. Darin spielt Kevin Spacey einen US-Politiker, der sich mit allen Mitteln an der Macht halten will. Selbes soll sich nun auch im Bundeshaus abspielen, wobei niemand weniger als Bundesrat Alain Berset, sein langjähriger Sprecher und andere Bundesangestellte in die Affäre verwickelt sein sollen. Auf den Nebenschauplätzen gebe es Journalistinnen, die Crypto AG und eine grosse Portion Missgunst.

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