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In Maienfeld, in der Nähe von Bad Ragaz, feiert die Knabenschaft Maienfeld Bräuche, die Fragen aufwerfen.
In Maienfeld, in der Nähe von Bad Ragaz, feiert die Knabenschaft Maienfeld Bräuche, die Fragen aufwerfen.Bild: KEYSTONE

In Maienfeld GR muss Mann für die Braut bezahlen – «Das ist erniedrigend»

Dieser Brauch der Knabenschaft Maienfeld irritiert: Auswärtige Männer müssen dem Verein etwas bezahlen, wenn sie eine Maienfelderin heiraten wollen. Für Tamara Funiciello und die Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes ist klar: «Das ist erniedrigend.»
07.08.2019, 16:5608.08.2019, 16:04

Eigentlich klingt es ganz harmlos: Die Knabenschaft aus Maienfeld im Kanton Graubünden feiert dieses Wochenende ihr 75-Jahr-Jubiläum. Noch heute halten die Burschen ihre Traditionen aufrecht. So dürfen nur ledige Männer Mitglieder der Knabenschaft werden. Jedes Jahr ziehen die Junggesellen durch das 2800-Seelen-Dorf und lassen die Glocken klingen. Am 1. August bauen sie ein Höhenfeuer, singen an Neujahr vor den Brunnen und befreien die Kuhpfade jeweils ein Wochenende lang von Geröll. Soweit, so gut.

Doch einer ihrer Bräuche irritiert: Wenn ein Auswärtiger eine Maienfelder Frau heiraten will, muss er die Braut der Knabenschaft «abkaufen», wie «FM1 Today» berichtet. «Der Bräutigam zahlt dabei so viel, wie sie ihm wert ist», sagt Knabenschaft-Mitglied Lukas Enderlin. Auch Naturalien und Gutscheine werden vom Männer-Verein akzeptiert. Die Knabenschaft spanne jeweils während der Hochzeit eine Kette vor das Kirchentor. «Das Paar darf die Kirche erst verlassen, wenn der Auswärtige der Knabenschaft symbolisch etwas bezahlt hat», sagt er zum Onlineportal.

Der Ursprung des Brauchs liegt in der Vergangenheit: «Früher sah man nicht gerne, wie Auswärtige unsere Frauen wegnahmen», erklärt Enderlin.

Im Jahr der landesweiten Frauenstreiks und Gleichstellungsdiskussionen wirft diese Tradition Fragen auf.

Deshalb kritisiert auch die Juso-Präsidentin und Feministin Tamara Funiciello den Hochzeitsbrauch scharf: «Das ist völlig erniedrigend.» Der Brauch suggeriere, dass die Maienfelder Frauen der Knabenschaft gehören. «Als wären Frauen Ware, die jemand kaufen kann», sagt Funiciello. Sie vergleicht den Brauch mit der Situation vor rund 40 Jahren, als die Frauen eine Erlaubnis der Ehemänner brauchten, um arbeiten gehen zu können.

Auch die Menschen- und Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes ist nicht begeistert: «Das ist äusserst problematisch und zeigt, dass die Frau früher als Eigentum der Männer gesehen wurde», sagt Sprecherin Angela Pertinez. Dazu könne man sich keinen Spass erlauben. «Es ist überhaupt nicht lustig.» Dieser Brauch der Knabenschaft Maienfeld beweise, dass die alten Vorstellungen auch heute nicht kritisch hinterfragt würden. «Dabei ist der Brauch völlig überholt.»

Tamara Funiciello setzt sich immer wieder lautstark für  feministische Anliegen ein.
Tamara Funiciello setzt sich immer wieder lautstark für feministische Anliegen ein. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Die Knabenschaft Maienfeld hingegen versteht die Kritik überhaupt nicht. Der Verein lässt verlauten, dass er keine Stellung nehmen will und weiterhin an diesem Brauch festhalte. Die Bräuche gebe es ja, weil sie alt sind – deshalb werde daran nicht gerüttelt.

«Mir ist es egal, ob es nur ein Brauch ist – dieser Brauch muss verschwinden», sagt Funiciello. Viele Bräuche würden auf Kosten der Frauen zelebriert. Gleich sieht das Pertinez von Terre des Femmes: «Den Brauch müssen sie ganz klar abschaffen.»

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quelle: keystone / peter klaunzer
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