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Donald Trump dementiert am Donnerstagabend Berichte, wonach er gefallene Soldaten als «Trottel» und «Verlierer» bezeichnet habe.
Donald Trump dementiert am Donnerstagabend Berichte, wonach er gefallene Soldaten als «Trottel» und «Verlierer» bezeichnet habe.
Bild: keystone

«Suckers»: Trump soll gefallene Soldaten beleidigt haben – nun reagiert der Präsident

04.09.2020, 20:5105.09.2020, 10:42

Dieser Bericht könnte Donald Trump noch weh tun: Das in der Regel gut informierte Magazin The Atlantic schrieb am Donnerstag, dass sich der US-Präsident abschätzig über gefallene Soldaten geäussert habe. «Fake news!»: Der Präsident bestreitet diese Darstellung zwar, doch die Gunst der Militärs scheint auf die Seite von Joe Biden zu kippen.

Es war Mitte November im Jahr 2018, als Donald Trump in Frankreich weilte, um das hundertjährige Ende des Ersten Weltkrieges zu feiern. Die US-Amerikaner trugen massgeblich dazu bei, dass Deutschland und seine Verbündeten damals zurückgebunden werden konnten. Doch der Verlust der Amerikaner war gross, viele Soldaten überlebten ihren Einsatz in Europa nicht.

So starben etwa 1800 Marines in der Schlacht von Belleau Wood, als sie den Vorstoss deutscher Soldaten während der Frühjahrsoffensive auf Paris stoppten. Sie liegen heute auf dem Aisne-Marne-Friedhof in der Nähe der französischen Hauptstadt begraben.

Diese Ruhestätte hätte Trump im November 2018 besuchen sollen. Doch der Trip fand nie statt, der Präsident sagte den Besuch ab. Offiziell machte das Weisse Haus das schlechte Wetter verantwortlich. Diese Begründung wurde schon damals stark angezweifelt, zumal bei Reisen von US-Präsidenten meistens eine Schlechtwetter-Variante vorbereitet wird.

Der explosive Bericht von «The Atlantic»

Nun, zwei Jahre später, berichtet das Magazin The Atlantic, dass Trump nicht etwa wegen des Regens den Trip absagte, sondern wegen seiner Einstellung zu gefallenen Soldaten. «Wieso sollte ich zu diesem Friedhof gehen? Er ist gefüllt mit Verlierern», soll Trump seiner Entourage gemäss gut informierten Quellen gesagt haben. Der Präsident soll die 1800 gefallenen Soldaten als «suckers», etwa «Trottel», bezeichnet haben, da sie im Krieg gestorben seien.

Des Weiteren soll er gefragt haben, wer im Krieg von 1918 «die Guten» gewesen seien. Er verstehe nicht, weshalb die USA den Alliierten zur Hilfe geeilt seien.

Das Magazin berichtet weiter, dass Trump den im August verstorbenen John McCain als «Loser», «Verlierer», bezeichnet habe. «Wir werden die Beerdigung dieses Verlierers sicher nicht bezahlen», soll der Präsident demnach gesagt haben.

Zur Erinnerung: Der Republikaner John McCain sass mehr als fünf Jahre im Gefängnis in Nordvietnam. Donald Trump liess sich hingegen vom Militärdienst suspendieren. Er machte gesundheitliche Probleme geltend.

Damit nicht genug: Laut «The Atlantic» soll Trump seinen späteren Stabschef John Kelly auf den Friedhof begleitet haben, wo dessen Sohn begraben liegt. Dieser kam in Afghanistan in einem Militäreinsatz ums Leben. Während sie am Grab des Sohnes standen, soll Trump zu Vater Kelly gesagt haben: «Ich verstehe es einfach nicht. Was hatten sie davon?»

Ein Freund von Kelly meint gegenüber «The Atlantic», Trump verstehe nicht, wie man etwas tun könne, wenn man nicht persönlich davon profitiere. Solche Personen seien für Trump «Trottel». «Trump kann sich den Schmerz eines anderen nicht vorstellen. Genau deshalb sagt er so etwas auch dem Vater eines gefallenen Marine am Gedenktag auf dem Friedhof.»

Trump verteidigt sich ...

Donald Trump dementierte den Bericht am späten Donnerstagabend. Er nannte ihn eine «Schande» und die Quellen «Abschaum». Zuvor sagte Alyssa Farah, Sprecherin des Weissen Hauses: «Dieser Bericht ist falsch. Präsident Trump schätzt das Militär in höchstem Masse.»

Am Freitag doppelte Trump nach und behauptete auf Twitter, dass «The Atlantic» am «sterben» sei und deshalb Geschichten erfinde.

So weit «business as usual» also im US-Politbetrieb. Doch eine Aussage Trumps, die er noch am Donnerstagabend machte, fliegt ihm nun um die Ohren. Er twitterte, dass er John McCain nie als «Verlierer» bezeichnet habe.

... und wird der Lüge überführt

Eine schamlose Lüge, wie sich nur wenig später herausstellte. Die Twitter-Community brauchte nicht lange, um ein Video und einen Tweet auszugraben, in denen Trump genau dies getan hatte, was er zuvor vehement bestritt.

Donald Trump teilte 2015 auf Twitter einen Artikel, in dem er McCain als «Verlierer» bezeichnete.
Donald Trump teilte 2015 auf Twitter einen Artikel, in dem er McCain als «Verlierer» bezeichnete.
screenshot: Twitter

Die Reaktionen von Trumps Gegner

Klar, dass der Bericht kurz vor den Wahlen hohe Wellen wirft. Trumps Kontrahent Joe Biden meinte, die Worte des Präsidenten seien «krank». Sein Wahlkampfteam schaltete ein Video auf, in dem die Aussagen des Präsidenten zitiert werden. Die Message von Joe Biden: «Herr Präsident, wenn Sie unsere Truppen nicht respektieren, können Sie diese auch nicht führen.»

«Dies sei schockierend, sogar für Trump», sagte der ehemalige Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders.

Über 2,5 Millionen Aufrufe erhielt ein Video eines Generals im Ruhestand. Nach diesem Bericht würde es ihn erstaunen, wenn auch nur irgendjemand im Militär Trump nicht als «Trottel» und «Verlierer» betrachten würde, schimpft der aufgebrachte Rentner.

Wird der Bericht Trump schaden?

Das ist natürlich schwierig zu sagen. Der harte Trump-Kern wird dem Präsidenten glauben und die Story als «Fake News» abstempeln.

Und dennoch: Trump scheint im Militär immer mehr den Rückhalt zu verlieren. In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage der Military Times gab etwas mehr als die Hälfte der Soldaten an, dass sie aktuell für Joe Biden stimmen würden.

Die US-Armee hat in den letzten vier Jahren immer mehr das Vertrauen in Trump verloren.
Die US-Armee hat in den letzten vier Jahren immer mehr das Vertrauen in Trump verloren.
screenshot: militarytimes

Zum Vergleich: Im August 2016, wenige Monate vor der letzten Wahl, waren die Präferenzen im Militär ganz anders verteilt. Damals gaben 40 Prozent der Befragten an, sie würden Trump wählen, nur gerade 20 Prozent wollten für Hillary Clinton stimmen.

Man könne deshalb durchaus sagen, dass Trump aktuell nicht so populär im Militär sei, wie dies republikanische Kandidaten in der Vergangenheit waren, bilanziert Peter Feaver, ein früherer Berater von George W. Bush, in der Military Times. Der Professor für Politikwissenschaft meint: «Das Fazit ist, dass Trump 2020 nicht behaupten kann, eine überwältigende Unterstützung im Militär zu haben.»

Der «Atlantic»-Bericht dürfte ihm in dieser Hinsicht sicherlich nicht geholfen haben.

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Kurz erklärt: So funktionieren die US-Wahlen

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