Schweizer Eishockeyverbandschef Kessler tritt zurück: «Bin nicht die richtige Person»
Nur wenige Stunden nach dem WM-Final gegen Finnland, in dem sich die Schweiz zum dritten Mal in Folge mit Silber begnügen musste, legt Urs Kessler sein Amt als Verbandspräsident bei der Swiss Ice Hockey Federation (SIHF) nieder. Erst im vergangenen September hatte er dieses angetreten. Er folgte damals auf Stefan Schärer, der im Dezember 2024 auf Druck der Ligen zurückgetreten war.
Bei seiner Wahl zum Verwaltungsratspräsidenten an der Ligaversammlung der National League und der Swiss League sagte Kessler noch: «Mit viel Herzblut möchte ich gemeinsam mit allen Partnern die Entwicklung des Schweizer Eishockeys vorantreiben.»
Nach nur neun Monaten gibt er diese Aufgabe nun wieder ab. Kessler, der vor seinem Wechsel in die Sportwelt während 38 Jahren bei den Jungfraubahnen tätig war – 17 davon als erfolgreicher CEO –, begründet seinen Rücktritt mit einem vom Verband dringend benötigten Neuanfang. «Die fortwährenden Diskussionen haben mir gezeigt, dass ich dafür nicht die richtige Person bin», wird er in der Mitteilung von Swiss Ice Hockey zitiert.
Weiter äusserte sich der 64-Jährige zu seinem Abgang nicht, auch für Rückfragen stand Kessler nicht zur Verfügung. Er dankte lediglich noch den Fans, den Spielern und dem Staff für die gute Zusammenarbeit, «gerade auch in den herausfordernden Wochen vor der Heim-Weltmeisterschaft».
Damit spricht er die Affäre um Ex-Nationaltrainer Patrick Fischer an. So kam wenige Wochen vor Beginn der Heim-WM ans Licht, dass der 50-Jährige mit einem gefälschten Corona-Zertifikat an die Olympischen Spiele 2022 gereist war. Zunächst hielten Kessler und der Verband noch an Fischer fest, sie unterschätzten die Reaktion, die darauffolgte. Zwei Tage später folgte die Kehrtwende in Form von der Entlassung Fischers. «Nach dem öffentlichen Sturm mit medialer Berichterstattung und Reaktionen der Öffentlichkeit haben wir uns nochmal hinterfragt», sagte Kessler damals.
Durch den Zickzack-Kurs machte der Verbandschef keine gute Figur. Mit den Spielern tauschte er sich vor den beiden Entscheidungen nicht aus. Captain Roman Josi rief daraufhin in einem Brief an Kessler dazu auf, die Entlassung Fischers rückgängig zu machen. Kessler betonte zwar, den Brief ernstzunehmen und lobte Josi für seinen Mut, doch hielt auch an seinem Entscheid, Jan Cadieux vorzeitig zum Nationaltrainer zu machen, fest.
Es folgte dennoch eine erfolgreiche Heim-WM, wenn sie für den Gastgeber auch enttäuschend endete. Die Schweiz unterlag zum dritten Mal in Folge im Final. Am Tag danach erklärt Urs Kessler seinen sofortigen Rücktritt. (nih/sda)
