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Zu viel bestellt: Was soll man tun mit dem ganzen Schutzmaterial?
Zu viel bestellt: Was soll man tun mit dem ganzen Schutzmaterial?
Bild: Keystone

Veraltet: Armee bleibt auf Corona-Schutzmaterial sitzen

Masken, Tests und Handschuhe wurden massenhaft eingekauft. Nun muss die Armeeapotheke sie loswerden.
25.07.2021, 18:50
Pascal Ritter / CH Media

Zuerst konnte es gar nicht schnell genug beschafft werden, jetzt hat man zu viel davon: Coronamasken, Handschuhe, Desinfektionsmittel und Coronatests. Die Armeeapotheke beschaffte im März 2020 zu Beginn der Pandemie im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) ziemlich viel Schutzmaterial für den Umgang mit der Coronapandemie.

Es war die Zeit, als man noch relativ wenig über das Virus wusste und Bilder von Menschen in Ganzkörperanzügen um die Welt gingen, die Strassen und Gebäude desinfizierten. Mittlerweile weiss man, dass Schmierinfektionen über Oberflächen selten sind und die Übertragung über die Luft häufiger als gedacht vorkommt. Die Folge davon: Die Armeeapotheke sitzt auf rund 105'000 Ganzkörperschutzanzügen, die niemand will.

Im Zuge einer Verkaufs- und Verschenkaktion von verschiedenem Schutzmaterial bietet sie die Anzüge seit Februar dieses Jahres Gesundheitseinrichtungen an. Dort besteht aber offenbar kein Interesse. Noch kein einziger Anzug wurde bisher verkauft oder verschenkt. Ein Sprecher der Armee kommentiert die Situation so: «Im Gesundheitswesen finden Ganzkörperschutzanzüge eher selten Verwendung, da dort ausschliesslich OP-Schutzanzüge und Schutzkittel verwendet werden.»

Die Ganzkörperschutzanzüge seien zu Beginn der Pandemie beschafft worden, «zu einem Zeitpunkt, als das Wissen über das Virus noch klein war und mit allen möglichen Entwicklungen gerechnet werden musste», heisst es von Seiten der Armee.

60 Millionen Masken von schlechter Qualität

Ein ähnliches Problem hat die Armeeapotheke mit Atemschutzmasken. In ihren Lagern befanden sich rund 60 Millionen Atemschutzmasken, die von so schlechter Qualität sind, dass sie gemäss BAG nicht in Gesundheitseinrichtungen zum Einsatz kommen dürfen. Allerdings dürfen sie im Alltag verwendet werden, wo auch selbst gebastelte Masken zulässig sind.

Die Armeeapotheke konnte bisher rund 7,7 Millionen dieser Masken zum Beispiel an Hilfs- und Jugendorganisationen verschenken, wie es auf Anfrage heisst. Rund 52 Millionen dieser Masken befinden sich aber nach wie vor im Lager. Ein Armeesprecher sagt dazu: «Der Bund vernichtet keine Ware von guter Qualität. Auch wenn Schutzmaterial das Verfalldatum erreicht, wird es weiterhin an Lager gehalten, darf aber nicht mehr verwendet werden.»

Es existierten Verfahren, um insbesondere Hygienemasken mit erreichtem Verfalldatum zu prüfen, nach Schweizer Normen aufzubereiten und mit aktualisiertem Verfalldatum ordentlich zu nutzen, heisst es weiter.

Armeeapotheke muss Material im Wert von 22 Millionen loswerden

Besser lief die Abgabe von Hygienemasken von höherer Qualität. Die Armee veräusserte mehr als 16 Millionen Masken des Typs IIR. Weitere 6,8 Millionen befinden sich noch im Lager, obwohl sie im Mai ihr Verfallsdatum erreicht haben. Auch die Untersuchungshandschuhe der Armee sind relativ beliebt. Von den 34 Millionen Handschuhpaaren, welch die Armee anbietet, wurden bisher rund 15 Millionen verkauft oder verschenkt. Sie erreichen ihr Verfallsdatum erst im April 2025.

Masken des Typs IIR.
Masken des Typs IIR.
Bild: keystone

Desinfektionsmittel ist am begehrtesten. Die Armeeapotheke bot rund 266'000 Liter Desinfektionsmittel an, welches zum Teil im August 2021, zum Teil im Herbst 2022 sein Ablaufdatum erreicht. Die gesamte Menge wurde bereits verkauft oder verschenkt. Das Magazin «Saldo» hat ausgerechnet, dass die Armeeapotheke Material mit dem Wert von 22 Millionen Franken loswerden muss. Darunter sind auch Coronatests, die abgelaufen sind.

Gemäss Armeesprecher handelte es sich bei diesen Tests um einen Notvorrat, der zu einem kleinen Teil auch zum Einsatz gekommen sei, als es im vergangenen Jahr in Laboren zu Engpässen gekommen sei. Später verkaufte man einen guten Teil, sitzt nun aber immer noch auf 740'000 Tests, deren Technologie nicht mehr dem heutigen Stand entspricht.

Im Moment sucht die Armee nach Möglichkeiten, diese abgelaufenen Tests im Bereich Forschung und Entwicklung doch noch zum Einsatz zu bringen. Sollte dies nicht gelingen, werden sie vernichtet. Bei der Armee heisst es auf Anfrage, dass es bisher noch zu keiner Vernichtung von Material kam und man dies nach Möglichkeit verhindern wolle.

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