NSA
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
BLUFFDALE, UT - OCTOBER 8: Security personnel patrol the new NSA Data Center with the Salt Lake Valley in the background on October 8, 2013 in Bluffdale, Utah. It has been reported that the data center has been plagued by power surges that have destroyed hundreds of thousands of dollars worth of equipment and has delayed the opening of the center for a year. (Photo by George Frey/Getty Images)

Das geheime NSA-Rechenzentrum in Utah. Bild: Getty Images North America

Snowdens bislang beunruhigendste Enthüllung 

Codename MonsterMind: Die USA entwickeln eine digitale Superwaffe, die versehentlich Kriege auslösen könnte 

Die von der NSA betriebene Massenüberwachung ist nur der Anfang. Im Geheimen wird ein allmächtiges Computersystem entwickelt, das ausländische Cyber-Attacken abwehren und automatisch zurückschlagen soll. Ein Albtraum. 



Die jüngsten Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden stellen alles bisher Berichtete in den Schatten. Offenbar wollen es die USA nicht bei der Massenüberwachung belassen. Unter dem Codenamen MonsterMind wird eine Superwaffe für die elektronische Kriegsführung entwickelt. Cyber-Angriffe aus dem Ausland sollen von einem Computersystem automatisch erkannt, abgeblockt und in Zukunft mit einem Gegenschlag beantwortet werden können.

Das US-Nachrichtenmagazin «Wired» veröffentlichte am Mittwoch mehrere Storys rund um die NSA. Sie basieren alle auf Interviews mit Snowden, die der investigative Journalist und ehemalige NSA-Mitarbeiter James Bamford mit ihm in Moskau führte. 

Bild

Der investigative Journalist James Bamford konnte Snowden mehrmals treffen. screenshot: wired.com

Im Gespräch enthüllte der nach Russland geflohene Whistleblower das bislang beunruhigendste Forschungsprogramm. MonsterMind soll dank Echtzeit-Überwachung des weltweiten Internetverkehrs respektive der Auswertung von Metadaten in der Lage sein, Malware-Angriffe wie beispielsweise DDoS-Attacken frühzeitig zu erkennen. Daraufhin würde das System eigenständig die erforderlichen Abwehrmassnahmen einleiten und – ohne menschliches Zutun – «zurückschiessen». 

Es könnte Unschuldige treffen

Programme zur automatischen Gefahrenabwehr existieren seit Jahrzehnten, wie «Wired» festhält. Mit der MonsterMind-Software würde allerdings eine neue Stufe der Eskalation erreicht. Das System würde die von fremden Servern ausgehende Schadsoftware nicht einfach nur entdecken und an ihrem Ausgangspunkt zerstören, sondern seinerseits einen Angriff auf die ausländische Infrastruktur fahren. 

Das sei ein Problem, sagt Snowden, weil Cyber-Attacken häufig über Computer in unschuldigen Drittstaaten lanciert würden. Der Ursprung solcher Attacken könnte gefälscht werden, warnt er. «Es könnte jemand in China sitzen, beispielsweise, und es so aussehen lassen, als kämen die Angriffe aus Russland.» Am Ende könnte es darauf hinauslaufen, dass das System einen Gegenschlag gegen ein russisches Spital führe. «Was passiert dann?» 

Ultimative Bedrohung

Abgesehen davon, dass versehentlich ein Krieg ausgelöst werden könnte, äusserte Snowden weitere Bedenken. MonsterMind sei die ultimative Bedrohung für die Privatsphäre. Damit das System funktioniere, müsse sich die NSA zuerst im Geheimen Zugang verschaffen zur gesamten privaten (digitalen) Kommunikation von US-Bürgern mit dem Ausland. Es müssten also alle Datenströme erfasst und ausgewertet werden. Ohne Gerichtsbeschluss. Dies würde eine massive Verletzung der Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika bedeuten. 

Snowden entdeckte das MonsterMind-Programm, als er ein geheimes NSA-Rechenzentrum in Bluffdale, Utah, betreute. Dort werden Stunde für Stunde Milliarden von Telefonanrufen, Faxe, E-Mails und Nachrichten aus allen Ecken der Welt ausgewertet. Einige fliessen einfach durch die Server, andere werden kurz gespeichert und wieder andere werden für immer zurückgehalten, um später wieder darauf zugreifen zu können. 

Das Rechenzentrum soll die unvorstellbare Menge von einem Yottabyte an Daten speichern können. Im nachfolgenden Video aus 2013 spricht James Bamford über das grösste Spionagezentrum der Welt.

abspielen

quelle: youtube

Im Zuge der Gespräche hatte Snowden seinem Gesprächspartner Zugang zu den entwendeten Dokumenten verschafft (diese sind nicht mehr in seinem Besitz, sondern bei Dritten in Verwahrung). Bamford, der als Geheimdienstexperte gilt, zeigte sich von der Qualität der Informationen überwältigt. «Snowden hatte Zugang zu Dokumenten, die weit über der Zutrittsstufe regulärer NSA-Mitarbeiter liegen.»

DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

5
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 14.08.2014 08:19
    Highlight Highlight Der Snowden ist im kalten Krieg angekommen und wird instrumentalisiert. Habe gedacht, dass er ein cleveres Bürschchen ist, doch mit seinen Infohäppchen (Warum kommt diese brisante Info erst jetzt?) versucht er sich persönlich über Wasser zu halten und nicht der Welt zu helfen.

    Selbstverteidigende Computersysteme die selbst zurückschlagen tönt sehr bedrohlich. Wir wissen ja nicht was wie stimmt. Aber damit erreicht man immerhin eine Abschreckung und damit ist das Ziel erreicht. Dilettanten können keine Cyberangriffe starten, ohne dass sie selbst gefährdet sind. So wird man sich denn schnell auf die staatlich unterstützten Cyberattacken von China und Russland konzentrieren können, die von einer hochspezialisierten Qualität sind. Auch hier macht der Fortschritt nicht halt und zeigt die tiefsten Abgründe der Menschheit auf. Der Cyberkrieg wird wie der blutige reale Krieg mit der Zivielbevölkerung und zivilen Einrichtung bewusst vermengt, damit der Gegner zivle Opfer trifft und man im medialen Krieg zerstörte Spitäler und arme Kinder und Alte zeigen kann. Wie perfied, die eigene Zivilbevölkerung als "Schilde" zu benutzen.
  • STJEREM 13.08.2014 22:32
    Highlight Highlight Wird langsam Zeit, dass jemand auf Kickstarter nach Geld für eigene Unterseekabel sucht. Ich würde mitmachen. Ich verstehe ja die NSA ein Stück weit, aber ein bisschen Privatsphäre sollte man noch haben. Und Computer sollten definitiv nicht, über einen Rückschlag entscheiden können.
  • Bowell 13.08.2014 20:15
    Highlight Highlight Der Typ will sich doch auch nur in den Medien halten. Sobald er vergessen wird, schieben ihn die Russen ab.
    • Easypeasy 13.08.2014 20:58
      Highlight Highlight Haben Sie auch gelesen was er gesagt hat? Oder mögen Sie Ihn einfach so nicht... Sind irgendwie 2 verschiedene Dinge.
  • jamaika 13.08.2014 18:59
    Highlight Highlight KRANK, KRANK, KRANK !!!!!

Wer ab Freitag das Internet nutzt, muss wissen, dass er vom Staat überwacht wird

Der Schweizer Nachrichtendienst darf neu das Internet überwachen, private Räume verwanzen, in PCs eindringen und andere Staaten hacken. Kritiker hatten das Überwachungsgesetz erfolglos bekämpft, das am Freitag in Kraft tritt. Nun wollen sie juristisch gegen die Überwachung vorgehen.

Vor knapp einem Jahr sagten zwei Drittel der Abstimmenden Ja zum neuen Nachrichtendienstgesetz (NDG), am Freitag tritt es in Kraft.

Die «Digitale Gesellschaft», ein Verbund überwachungskritischer Schweizer, teilte am Donnerstag mit, sie erhebe Beschwerde gegen die sogenannte Kabelaufklärung (flächendeckende Überwachung des Internetverkehrs), die ab dem 1. September mit dem neuen Nachrichtendienstgesetz (NDG) in Kraft tritt.

Swisscom, UPC Cablecom und andere Telekom-Unternehmen müssen den …

Artikel lesen
Link zum Artikel