Kryptowährungen
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Muenzen der Bitcoin Waehrung, virtuelles Geld, aufgenommen am Freitag, 10. Jaunuar 2014 in der ETH in Zuerich. (KEYSTONE/Ennio Leanza) *** NO SALES, NO ARCHIVES ***

Bild: KEYSTONE

Darum geht es beim aktuellen Bitcoin-Krieg



*Aktualisierung*

Dieser Artikel wurde am 8. August hinsichtlich der prognostizierten Hard-Fork geschrieben. Die Hard-Fork wird in der Form zu diesem Zeitpunkt nicht stattfinden – der Artikel verliert in dieser Hinsicht seine Gültigkeit. Er dient nur noch zur Erklärung der vorangegangenen Ereignisse.

Am 1. August spaltete sich Bitcoin Cash ab, vor Kurzem Bitcoin Gold und am 16. November kommt die B2X-Fork. Obwohl der Kurs kurzfristig davon profitiert, birgt der Hard-Fork-Trend einige Gefahren für die älteste Kryptowährung. Dazu veröffentlichte ich den folgenden Artikel:

Deklaration der Interessenbindung

Der Autor dieser Zeilen besitzt im Moment keine Bitcoins (verdammt!). Er «holdet» aber diverse andere Kryptowährungen.

In diesem Artikel verzichtete ich aus verschiedenen Gründen darauf, die Hintergründe des aktuellen Bitcoin-Krieges zu erklären – was prompt für Kritik sorgte:   

Nun behaupten wir bei watson immer wieder, den Lesern auf Augenhöhe zu begegnen und für Kritik offen zu sein: Wir wollen es nicht nur bei der Behauptung bleiben lassen. Es folgt jetzt also eine Erklärung des Bitcoin-Krieges:

Die Ausgangslage

Ausser ein paar ganz wenigen Ausnahmen (z.B.: IOTA) basieren die meisten Kryptowährungen auf der Blockchain-Technologie. Blöcke werden mit Daten gefüllt und zu einer unzerstörbaren Kette formiert.

Eine andere Metapher sind Blätter in einer Buchhaltung: Ein Blatt wird mit Daten gefüllt und dann in einem Ordner abgelegt. Schön der Reihe nach.  

Blockchian Bitcoin

Grafik: watson.ch

Die Grösse dieser Blöcke oder eben Seiten ist beschränkt. Im Moment beträgt sie bei Bitcoin 1 Megabyte. Wie in der Grafik gezeigt, wird durch sogenanntes «Mining» alle 9.38 Minuten ein neuer Block (für neue Einträge) der Blockchain angehängt.

Bild

Durchschnittliche Dauer, einen neuen Block zu minen (sprich zu generieren). bitcoinity.com

Mit zunehmender Beliebtheit von Bitcoin stieg die Anzahl Transaktionen – und damit die zu verarbeitende Datenmenge für die Blockchain. Das System, welches alle 10 Minuten 1 Megabyte bearbeiten kann, kam unter Druck. 

Nun funktionieren Bitcoin-Transaktionen nicht nach dem Prinzip «Dä-Schnäller-isch-de-Gschwinder». Transaktionen mit einer höheren Transaktionsgebühr (die quasi als A-Post verschickt werden) werden schneller berücksichtigt. Es findet ein Wettbewerb der Transaktionen statt – mit zunehmender Zahl der Teilnehmer an diesem Wettbewerb steigen die Kosten. Eine durchschnittliche Bitcoin-Transaktion (auf der Blockchain) kostet mittlerweile über 6 Dollar.

Bild

Der sprunghafte Anstieg der Transaktionskosten seit Frühsommer 2017. bitinfocharts.com

So. So viel zu den Voraussetzungen.

Beim momentanen Bitcoin-Krieg geht es nun darum, wie mit dieser Situation umzugehen ist. Dabei liegen sich vor allem zwei Lager in den Haaren:

Die Streithähne

1. Die Miner

Der Stromverbrauch von Bitcoin

Laut einer Untersuchung der niederländischen Bank ING benötigt eine einzige Bitcoin-Transaktion gleich viel Strom wie der Betrieb eines Hauses – einen ganzen Monat lang!

Die Aufgabe der Miner im Bitcoin-System ist es, neue Blöcke für die Blockchain zu generieren (zu minen), Transaktionen zu verifizieren und diese in den Blöcken zu verankern. Sie tun das mit einer riesigen Anzahl von spezieller Hardware – und wahnsinnig viel Strom. Und wo gibt es wahnsinnig viel günstigen Strom? Richtig: in China. Viele der sogenannten Mining-Farmen stehen fern der urbanen Zentren. Dort, wo der Strom wegen der lokalen Überschüsse gratis bezogen werden kann. Die vier grössten Mining-Pools sind in China beheimatet (AntPool, ViaBTC, BTC.TOP, BTC.com) – sie verfügen zusammen über mehr als 50 Prozent der sogenannten Hashrate.

Der langen Rede kurzer Sinn: Die Miner bilden mit ihrer Infrastruktur das eigentliche Netzwerk von Bitcoin. Sie sind die Exekutive von Bitcoin.

epa06062681 (10/26) A Bitcoin 'mine' with a blue tin roof sits next to a hydroelectric power plant in Ngawa (Aba) Tibetan and Qiang Autonomous Prefecture, Sichuan province, China, 27 September 2016. Located at the eastern edge of the Tibetan Plateau, the area has abundant hydropower, a key factor in making energy intensive mines cost effective. Electricity typically accounts for 60-70 percent of a bitcoin mine's expenses.
China is one the main exchange market of bitcoins although the digital currency exists in a legal limbo and prone to speculation. The country hosts some of the biggest 'mining pools' in the world, clusters of supercomputers which task is minting new bitcoins and maintaining the system, sometimes installed in shady places close to power plants. Sichuan has become known as 'the capital of bitcoin mining' as entrepreneurial Chinese set up 'mines' there due to its abundance of hydropower, perfect for the high electricity needs of the large number of computers required for Bitcoin mining. Bitcoin mines are buildings with warehouse-like structures equipped with massive numbers of microprocessors with which 'miners' solve complex math problems and are rewarded in the digital currency.  EPA/LIU XINGZHE/CHINAFILE ATTENTION: For the full PHOTO ESSAY text please see Advisory Notice epa06062671

Eine Bitcoin-Mining-Fabrik im Tibet. Sie entstand gleich neben einem Wasserkraftwerk, welches Überschüsse produziert. Bild: EPA/EPA

2. Die Core-Entwickler

Die Core-Entwickler sind eine offene Gruppe von Entwicklern, welche zum Open-Source-Code von Bitcoin beitragen. Zusammen haben sie eine Software entwickelt, welche auf über 96 Prozent aller Bitcoin-Knotenpunkte läuft. Ihre Erweiterungen sorgen dafür, dass das System fehlerfrei und sicher läuft und keine Angriffsflächen entstehen.

Eine zentrale Funktion dabei spielt auch ein Schweizer: Jonas Schnelli ist einer von weltweit nur gerade drei sogenannten «Maintainern». Sie nehmen eine wichtige Kontroll- und Wartungsfunktion für die Core-Software ein.

Der langen Rede kurzer Sinn: Die Core-Entwickler sind für die Weiterentwicklung der Software verantwortlich. Sie sind zwar nicht de jure, aber de facto momentan die Legislative von Bitcoin.

Die Argumente

Der Krieg um Bitcoin, der Kampf der Exekutiven gegen die Legislative, beginnt bereits bei der Einschätzung der Lage:

Homogenität

Die beiden Hauptlager in diesem Krieg sind nicht homogen. Die hier etwas salopp beschriebene Gruppe «chinesische Miner» umfasst zum Beispiel den fünftgrössten Mining-Pool der Welt, F2Pool, nicht. Obwohl in China stationiert, lehnt F2Pool 2x ab. 
Gleichzeitig werden auch nicht sämtliche Argumente von allen Befürwortern getragen. Neben den Hauptschauplätzen finden in diesem Krieg auch kleinere Grabenkämpfe unter Alliierten statt. Dasselbe gilt auch für die Gegner von 2x.

Das Lager der chinesischen Miner hält die derzeitigen Zustände für nicht mehr tragbar. Sie wollen ein schnelleres Netzwerk – koste es, was es wolle. Ihr Lösungsansatz lautet: Verdoppelung der Blockgrösse in der Blockchain. Das Projekt läuft unter dem Kürzel «2x». Immer wieder gehörte Argumente dafür sind:

Die Core-Entwickler malen weniger schwarz. Sie finden, mit dem kürzlich implementierten Segregated Witness (SegWit) habe man fürs Erste genug getan. 2x sei noch nicht spruchreif. Immer wieder gehörte Argumente gegen 2x sind:

Die Liste der hier aufgeführten Argumente ist nicht abschliessend.

Kommerz vs. Idealismus

Der Bitcoin-Krieg ist einer zwischen Kapitalisten und Idealisten. Die Bitcoin-Core-Leute sehen sich als Gralshüter der wahren Bitcoin-Ideologie und befürchten, die Miner möchten die Macht über ihre geliebte Kryptowährung ergreifen.  

Die Miner werfen den Core-Leuten vor, die Zeichen der Zeit nicht zu erkennen, die Strahlkraft der eigenen Währung in Anbetracht der wachsenden Konkurrenz zu überschätzen. Sie wollen sich mit 2x vor allem auch gegen die Konkurrenz in Stellung bringen. Konkurrenz, über die viele Bitcoin-Core-Leute nur lachen.

Das Zwischenresultat des aktuellen Bitcoin-Krieges dürfte mittlerweile bekannt sein: Der Kurs ist explodiert. Im Moment kostet ein Bitcoin 7500 Dollar (Stand: 8.11.2017: 17.00 Uhr). Das ist mehr als doppelt so viel wie noch Mitte September. Wie das am 16. November nach der Hard-Fork aussehen wird, steht in den Sternen geschrieben. Der Krieg um Bitcoin ist eben auch ein Krieg um den Namen. Welche der beiden Blockchains darf in Zukunft weiterhin den lukrativen Namen Bitcoin tragen?

Der Ausgang dieses höchst interessanten und wegweisenden Disputs ist acht Tage vor dem Knall noch völlig offen. Klar ist bei den Kryptowährungen eigentlich nur eines: Es bleibt weiterhin spannend. 

Die reichsten acht Männer besitzen soviel wie die halbe Welt

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Video: watson/Lya Saxer

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