DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Blick auf das Dorf Schuld, das von den Wassermassen schwer getroffen wurde.
Blick auf das Dorf Schuld, das von den Wassermassen schwer getroffen wurde.Bild: keystone

Mindestens 42 Tote bei Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands

15.07.2021, 09:4415.07.2021, 15:59

Ganze Landstriche sind verwüstet, Orte von der Aussenwelt abgeschnitten, Häuser weggespült: Nach Unwettern im Westen Deutschlands sind mindestens 42 Menschen gestorben. Im Land Rheinland-Pfalz wurden Dutzende Menschen noch vermisst.

«So eine Katastrophe haben wir noch nicht gesehen. Es ist wirklich verheerend», sagte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Donnerstag in Mainz. Neben Rheinland-Pfalz, wo mindestens 18 Menschen ums Leben kamen, war das nördliche Nachbarland Nordrhein-Westfalen stark betroffen. Dort starben mindestens 24 Menschen.

Viele Flüsse und Bäche in der Eifel, im Bergischen Land, im Rheinland und Sauerland führten am Donnerstag Hochwasser und waren am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag nach starkem Regen über die Ufer getreten. Strassen wurden überschwemmt, Keller liefen voll.

Die Lage war nach dem Dauerregen vielerorts in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen (NRW) unübersichtlich. Retter und Retterinnen brachten Menschen in überschwemmten Orten zum Teil mit Booten in Sicherheit. Viele suchten auf Bäumen und Hausdächern Schutz vor den Fluten, Rettungshubschrauber waren im Einsatz. Es sei schwierig, die Vermissten zu erreichen, da das Mobilfunknetz zum Teil ausgefallen sei, sagte Dreyer. Auch Soldaten der deutschen Streitkräfte halfen mit schwerem Gerät mit.

Politiker machten sich auf den Weg ins Katastrophengebiet. NRW-Ministerpräsident und CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet machte sich in Altena und in Hagen ein Bild von der Lage. Rund 440 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk und 100 Kräfte der Bundeswehr waren allein in Hagen unterwegs, um der Wassermassen Herr zu werden. Eine Reise durch Süddeutschland hatte Laschet abgebrochen und auch seine Teilnahme an der CSU-Klausur im bayerischen Seeon abgesagt.

Vizekanzler Olaf Scholz unterbrach wegen des Hochwassers seinen Urlaub. Noch am Donnerstag wolle sich Deutschlands Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat für die Parlamentswahl am 26. September zusammen mit Dreyer ein Bild von der Lage im Katastrophengebiet machen, wie das Ministerium in Berlin mitteilte. Auch die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock kehrt vorzeitig aus dem Urlaub zurück.

Video: watson/leb

Die deutsche Regierungschefin Angela Merkel dankte den Helfern. «Ich bin erschüttert über die Katastrophe, die so viele Menschen in den Hochwasser
gebieten durchleiden müssen»,
erklärte Merkel laut einem Tweet von Regierungssprecher Steffen Seibert am Donnerstag, während sie sich selbst in Washington für ein Treffen mit US-Präsident Joe Biden aufhielt.

«Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der Toten und Vermissten. Den vielen unermüdlichen Helfern und Einsatzkräften danke ich von Herzen.» EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sagte den von der Hochwasserkatastrophe betroffenen EU-Ländern, darunter auch Belgien und die Niederlande, Hilfe zu.

In Rheinland-Pfalz waren mehrere Orte in der Eifel besonders schwer von dem Hochwasser betroffen. «Leider müssen wir bestätigen, dass sich die Zahl der Todesopfer in Zusammenhang mit der Hochwasserkatastrophe im Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler auf derzeit insgesamt 18 erhöht hat», teilte die Polizei am Nachmittag bei Twitter mit. «Unser tiefes Mitgefühl gilt allen Betroffenen.»

In Schuld an der Ahr wurden in der Nacht zum Donnerstag nach Angaben der Polizei in Koblenz vier Häuser völlig und zwei weitere Häuser zur Hälfte weggespült. Eine Vielzahl weiterer Gebäude ist einsturzgefährdet. Die Fluten schnitten mehrere Orte von der Aussenwelt ab. Etwa 50 Menschen wurden von Hausdächern gerettet, auf denen sie Zuflucht gesucht hatten.

Auch im Eifelkreis Bitburg-Prüm wurden Menschen in ihren Häusern von den Wassermassen eingeschlossen. Die Bewohner von mehreren Gemeinden waren von Stromausfall und Einschränkungen der Trinkwasserversorgung betroffen.

In Nordrhein-Westfalen bleibt die Lage ebenfalls weiter angespannt. Tote wurden dort unter anderem aus dem Sauerland, aber auch aus der Domstadt Köln gemeldet.

Nach Einschätzung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) ist der Höhepunkt der extremen Niederschläge in Teilen Deutschlands überschritten. Der DWD-Meteorologe Marco Manitta erwartete am Donnerstag «eine Entspannung der Wetterlage». Die grössten Niederschlagsmengen gab es Manitta zufolge in einem breiten Streifen vom Sauerland über das Bergische Land und die Eifel, den Grossraum Köln/Bonn bis zur Grenze nach Luxemburg. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Schwerer Hagelsturm trifft Zürich

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

«Vielleicht ein bisschen wenig ... ABER der erste Schnee!» – so reagiert das Netz

2021 ist das Jahr der Comebacks: Nach ABBA, «Wetten, dass...» und «TV Total» erreichen auch die ersten Schneeflocken Ende November das Flachland. Pünktlich zum «Black Friday», aber das nur so am Rande.

Zur Story